Inhalt

Ausführliche Informationen zum Kooperativen Studium

Inhaltsverzeichnis

  1. Konzept
  2. Vertrag zwischen Hochschule und Unternehmen 
  3. Studium
  4. Betriebliche Ausbildung
       Ausbildung zur Facharbeiterin bzw. zum Facharbeiter / Gesellin bzw. Gesellen 
       Studienbegleitende betriebliche Praxis
  5. Berufsschulpflicht
  6. Begleitende Maßnahmen
  7. Studiengänge mit kooperativer Ausbildung
  8. Wie finde ich ein Unternehmen 

 

Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe versteht sich als regionale Hochschule mit starker Bindung zu den umliegenden Unternehmen. Ein regelmäßiger und intensiver Austausch von Informationen und Ideen ist eine Selbstverständlichkeit. Diesem Austausch entstammt auch der Gedanke, ein Studienangebot zu realisieren, bei dem die Verbindung von Studium und betrieblicher Ausbildung verwirklicht wird: das Duale Studium nach dem MODELL LIPPE .

Eine besondere Herausforderung besteht darin, die Ausbildungsdauer möglichst kurz zu gestalten und zugleich Studium und betriebliche Ausbildung optimal zu verzahnen.

Entsprechend diesem Leitgedanken ist vor einigen Jahren in Zusammenwirken mit der Firma Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg ein zukunftsweisendes Konzept entstanden, das Theorie und Praxis optimal verknüpft.

 

Konzept

Der Gedanke, ein Studium mit einer beruflichen Tätigkeit zu verbinden, ist bereits mehr als zwanzig Jahre alt. Seit etwa fünfzehn Jahren erprobt man dies auch in technischen Fachbereichen, zunächst als Modellversuch, heute als etabliertes und von allen Seiten anerkanntes Modell. Die Art und Weise, wie die Studiengänge gestaltet sind, differiert von Hochschule zu Hochschule erheblich. Meistens werden die einzelnen Ausbildungsabschnitte von Studium und betrieblicher Tätigkeit in einzelnen, aufeinander folgenden Blöcken absolviert. Das MODELL LIPPE bietet hier zwei Besonderheiten:

  1. Die Regelstudienzeit im Dualen Studium beträgt mit Einführung des Bachelorabschlusses nur 6 Semester (bei betrieblicher Berufsausbildung zzgl. einem Jahr vorgelagerter Ausbildungszeit im Unternehmen), ist also nicht länger als ein konventionelles Bachelor-Studium an einer Fachhochschule.
  2. Die Studierenden im Dualen Studium studieren gemeinsam mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen, die das Studium ohne begleitende Berufspraxis absolvieren.

Etwa zehn Prozent der an Fachhochschulen angebotenen Studiengänge verbinden betriebliche Ausbildung und Studium. Alle Beteiligten - Studierende, Hochschulen und Unternehmen - berichten über sehr positive Erfahrungen.

Die Anfängerzahlen in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen sind in den letzten Jahren erfreulicherweise wieder gestiegen. Betrachtet man allerdings die einschlägigen Prognosen (z. B. die regelmäßigen Untersuchungen des Centrums für Hochschulentwicklung, CHE, Gütersloh), so zeigt sich, dass der Bedarf an gut ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren künftig in vielen Bereichen nicht abgedeckt werden kann. Für die Hochschulabsolventinnen und -absolventen sind diese Perspektiven natürlich sehr erfreulich. Für die Unternehmen stellt sich aber die Frage, wie die für die Lösung der zukünftigen Aufgaben dringend benötigten Spezialisten und Führungskräfte herangebildet werden können. Dieser Aspekt ist für kleine und mittlere Unternehmen von entscheidender Bedeutung.

Die Vorteile für die Unternehmen liegen in der frühzeitigen Auswahl von Nachwuchskräften mit hohem Entwicklungspotenzial, in der frühen Bindung an das Unternehmen und in der erheblichen Reduzierung der Einarbeitungsphase nach Ausbildungsende. Außerdem ergibt sich erhöhte Planungssicherheit bei der Besetzung von Stellen.

Die Vorteile für die Studierenden liegen in der begleitenden praxisnahen Ausbildung und in der Sicherheit, nach dem Studium eine angemessene Anstellung zu finden. Wird zwischen dem Unternehmen und dem Studierenden ein Ausbildungsvertrag geschlossen, kann außerdem eine zusätzliche berufliche Qualifikation, der Facharbeiter- oder der Gesellenbrief, erworben werden. Darüber hinaus sichert die finanzielle Vergütung die Unterhaltskosten, sie ermöglicht den Studierenden eine volle Konzentration auf die Studieninhalte und somit auch die kürzest mögliche Ausbildungsdauer.

Grundgedanke des MODELLS LIPPE ist, die notwendige Anwesenheit der Studierenden an der Hochschule auf vier Tage in der Woche zu konzentrieren. Am fünften Wochentag und in der vorlesungsfreien Zeit arbeiten die Studierenden im Unternehmen. Hier wird eine Facharbeiter- bzw. Gesellenausbildung oder unternehmensinterne Schulung angeboten.

 

Vertrag zwischen Hochschule und Unternehmen

Zwischen Hochschule und Unternehmen wird in jedem Einzelfall ein Vertrag über das Duale Studium geschlossen. In diesem Vertrag werden insbesondere die Anteile von Unternehmen und Hochschule an dem Dualen Studium fixiert. Die Hochschule hält ein Vertragsmuster bereit.

 

Studium

Das Duale Studium wird in den Studiengängen Angewandte Informatik, Betriebswirtschaftslehre, Elektrotechnik, Landschaftsbau und Grünflächenmanagement, Mechatronik, Maschinentechnik, Holztechnik, Logistik, Produktionstechnik, Technische Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen angeboten. Zu allen Studiengängen sind spezielle Informationen mit Studienverlaufsplänen und Studieninhalten erhältlich.

Die Stundenpläne werden für die dual Studierenden so gestaltet, dass jeweils ein Tag in der Woche lehrveranstaltungsfrei bleibt. Die dual Studierenden arbeiten an diesem Tag im Unternehmen.

 

Betriebliche Ausbildung

Bei der betrieblichen Ausbildung sind zwei Modelle zu unterscheiden: Es wird entweder ein Ausbildungsvertrag geschlossen, der zum Facharbeiter- bzw. Gesellenbrief führt (betriebliche Berufsausbildung), oder die bzw. der Studierende erwirbt durch studienbegleitende innerbetriebliche Praxis in verschiedenen Abteilungen des Unternehmens eine zusätzliche Qualifikation. 

 

Ausbildung zur Facharbeiterin- bzw. zum Facharbeiter / Gesellin- bzw. Gesellen

Für die betriebliche Berufsausbildung wird unter Beteiligung der Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer ein Ausbildungsvertrag zwischen Unternehmen und Auszubildender bzw. Auszubildendem geschlossen. Eventuelle Einzelfragen sind mit der zuständigen Kammer zu klären.

Die Integration der betrieblichen Ausbildung in das Studium zeigt untenstehende Grafik. Um zu ausreichenden betrieblichen Ausbildungszeiten zu kommen, beginnt diese Ausbildung mit einem Jahr Vorlauf zum Studium.

 

Grafik: Integration der Facharbeiter-/ Gesellenausbildung in den Studienverlauf
Integration der Facharbeiter-/ Gesellenausbildung in den Studienverlauf

Studienbegleitende betriebliche Praxis

Die Rückmeldungen aus den Unternehmen zeigen, dass statt Facharbeiter- bzw. Gesellenausbildung häufig eine studienbegleitende betriebliche Praxis bevorzugt wird. Im Rahmen dieser betrieblichen Tätigkeit soll durch gezieltes Kennenlernen aller Arbeits- und Ausbildungsfelder Praxiserfahrung vermittelt werden.

Diese Variante des MODELLS LIPPE kann ohne vorgelagerte Ausbildungszeit mit der kürzest möglichen Studienzeit von 6 Semestern durchlaufen werden.

Berufschulpflicht

Im Zusammenhang mit dem Dualen Studium stellt sich die Frage nach der Berufsschulpflicht. Hier sind zwei Fälle zu betrachten:

Beim Dualen Studium mit Berufsausbildung und entsprechender Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer ersetzt das Studium den Berufsschulunterricht.

Beim Praxismodell ist zu trennen, ob der Studierende volljährig ist oder nicht. Ist er volljährig, besteht keine Berufsschulpflicht. Ist der Studierende minderjährig und es ist ungewöhnlicherweise eine einjährige Praxisphase vorgeschaltet, so besteht Berufsschulpflicht.

Diese Regeln gelten für NRW, in anderen Bundesländern ist der Sachverhalt ggf. noch einmal zu prüfen.

Sollten Zweifel bestehen, ob nach dem Praxisjahr das Studium überhaupt angetreten wird, oder der erfolgreiche Abschluss des Studiums zu unsicher ist, sollte ggf. auf freiwilliger Basis am Berufsschulunterricht teilgenommen werden. Auch die Zwischenprüfung im Ausbildungsberuf kann ein Argument für den Besuch der Berufsschule sein.

Begleitende Maßnahmen

Alle Beteiligten - Studierende, Unternehmen, Hochschule - sind daran interessiert, dass das Studium in der Regelstudienzeit absolviert werden kann. Um das zu erreichen, wird den Studierenden sowohl in dem Unternehmen als auch in der Hochschule eine "Patin" bzw. ein "Pate" zur Seite gestellt. Im Unternehmen ist dies im Allgemeinen eine fachnahe qualifizierte Kraft, deren Studium noch nicht lange zurückliegt. In der Hochschule ist eine Professorin bzw. ein Professor Pate/Ansprechpartner. Mit diesen Patinnen bzw. Paten sollen die Studierenden insbesondere regelmäßig ihre Fortschritte im Studium besprechen sowie Wahlpflichtfächer gemeinsam auswählen.

 

Studiengänge mit dualer Ingenieurausbildung

Das Duale Studium wird in den Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, Elektrotechnik, Holztechnik, Logistik, Maschinentechnik, Mechatronik, Produktionstechnik, Technische Informatik und ab WS 09/10 auch in den Studiengängen Angewandte Informatik, Landschaftsbau und Grünflächenmanagement und Wirtschaftsingenierwesen angeboten.  

Die Links führen zu den jeweiligen Webseiten der Fachbereich, auf denen Sie die jeweils speziellen Informationen erhalten.

Zu allen Studiengängen sind weitere Informationen mit Studienverlaufsplänen und Studieninhalten über die Ansprechpartner der jeweiligen Fachbereiche erhältlich.

 

Wie finde ich ein Unternehmen

Das Duale Studium stellt besonders für die Studierenden ein attraktives Angebot dar, so dass es nicht immer einfach ist, einen Partner in der Industrie oder im Handwerk zu finden. Hier ist Eigeninitiative gefragt, die Hochschule kann aber beratend und vermittelnd tätig werden.

Unternehmen, die sich am Dualen Studium beteiligen, finden Sie hier.

 

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