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Detmold, 18. Juli 2018 09:42 Alter: 27 Tage

11. Regionaler Salon: Heimat - was ist das?

"Heimat - Planung als Grundlage" so hieß Vortrag von Renée Tribble (Renée Tribble Const*ellations, Hamburg). Foto: Dennis Kehr
War mit dem Regionalen Salon sehr zufrieden: Mitorganisator Prof. Martin Hoelscher. Foto: Dennis Kehr

Können wir Heimat planen? Unter dieser Leitfrage stand am Freitag, den 13.07.2018 der 11. Regionale Salon der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Er war zugleich die VII. Auflage des Foro Urbanismo y Participación (Forum Stadtplanung und Partizipation), das damit erstmals außerhalb Lateinamerikas stattfand. Mit zahlreichen Referenten und Referentinnen aus Architektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Kulturwissenschaften beleuchtete die internationale Konferenz den Begriff der Heimat und ging der Frage nach, ob die Planungswissenschaften mit ihren Methoden und Instrumenten in der Lage sind, Heimat zu schaffen und wie Architektinnen und Stadtplaner dafür mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten können. Mit Beiträgen aus Deutschland, Kolumbien, Peru, Indien und dem Senegal stand auch die Frage im Raum, ob es ein länder- und kulturübergreifendes Konzept von Heimat gibt. Die Beiträge der Konferenz werden im Herbst im urbanLab Magazin veröffentlicht.

Prof. Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Hochschule OWL, eröffnete die Konferenz, zu der 80 Besucherinnen und Besucher auf den Campus Detmold gekommen waren. In seinem Grußwort verband er den Begriff der Heimat mit dem Verstehen, dem Kommunizieren und dem Miteinander gestalten. "Denn Heimat geht nicht alleine", so Krahl. In seinem Einführungsvortrag stellte Prof. Martin Hoelscher, der den Regionalen Salon mit der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Julia Krick vom hochschuleigenen Forschungsschwerpunkt urbanLab organisiert hatte, zunächst das deutsche Verständnis von Heimat den im Spanischen verwendeten Ideen der Nation, des Territoriums, der Erdmutter und des Heims gegenüber. Auf die Planungsdisziplinen übertragen, entständen seit dem Dritten Reich ideologisch überformte Bilder von Heimat, später von Neuer Heimat, die das Bedürfnis der Menschen nach einem Ort der Identifikation selten erfüllten. Hoelscher stellte diesen Heimaten Konzepte einer an den Wünschen der Menschen orientierten Konstruktion von Stadt gegenüber, bei der mit öffentlichen Impulsprojekten, sozialer Vielfalt, gemischten Nutzungen und Verantwortung der Menschen für die Gestaltung und Organisation ihres Lebensumfelds Heimat-Städte entstehen können.

Im ersten Teil der Konferenz standen vier Beiträge zum theoretischen Hintergrund von Heimat und seiner Bedeutung für die Planungsdisziplinen im Mittelpunkt: Stadt machen - Heimat bauen. Von grundsätzlichen Überlegungen zur Planbarkeit von Heimat und zu den Möglichkeiten der Planung in schnell wachsenden Städten des globalen Südens spannten die Referenten einen Bogen über die Rollen von Freiräumen für die Entstehung von Heimat bis zum Konzept der StadtLand-Quartiere, mit dem die Region OWL derzeit neue Wohnformen im nicht-urbanen Raum entwickelt.

Die sechs Beiträge des Nachmittags widmeten sich aktuellen Projekten und Strategien aus unterschiedlichen räumlichen und kulturellen Kontexten. Die Referenten stellten analoge und digitale Beteiligungsprozesse vor, berichteten über die Zusammenarbeit von Studierenden und lokaler Bevölkerung bei der Planung und der Umsetzung von Planungs- und Bauvorhaben und beschrieben die Herausforderung, in einer umfassend traumatisierten Gesellschaft die Entwicklung räumlicher und kultureller Identität der Menschen zu unterstützen. Heimat ist in diesem Sinn der Ort, an dem Menschen Wurzeln schlagen und Verantwortung für das eigene Leben übernehmen möchten.

Die abschließende, von Prof. Dr. Hans-Peter Rohler (urbanLab) moderierte Diskussion der Referentinnen und Referenten mit dem Publikum thematisierte Möglichkeiten und Grenzen der Planungsdisziplinen bei der Schaffung von Heimat. Zwar kann Planung auch unter dem Einfluss rechtlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen Möglichkeitsräume bereitstellen, innerhalb derer Menschen gerne leben möchten. Heimat entsteht aber in den Menschen selber. Mindestens genauso wichtig seien deshalb Nischen für eigene Lebensentwürfe, Chancen zur aktiven Mitwirkung und eine den zukünftigen Nutzern und ihren Wünschen zugewandte Haltung der Planer und Architektinnen. Die etablierte Planungspraxis steht dem noch häufig entgegen, aber die diskutierten Beispiele machen Freude auf die Vielfalt von Stadt und auf die Buntheit möglicher Heimaten.