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Detmold, 08. Mai 2018 09:21 Alter: 190 Tage

2. RMB-Konferenz: Teaching through Design

Fotos: T. Kellner

Die Architekturausbildung steht aufgrund von Globalisierung und Klimawandel vor neuen Herausforderungen, die sich heute stark auf die Rolle des Architekten und seine Profession auswirken. Der klassische Architekturberuf verändert sich, und daher müssen differenzierte Ausbildungswege für Architekten konzipiert und gefordert werden. Diese Frage ist besonders relevant für die Renovierung und Umgestaltung von städtischen Gebieten, in denen Gebäude der Moderne aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf strategische Eingriffe warten - um repariert, erneuert, rekonstruiert oder demoliert zu werden. Das Projekt "Reuse of Modernist Buildings" (RMB) entwickelt Designtools und Strategien für eine nachhaltige Umnutzung von Gebäuden der 50er bis 80er Jahre.

Am 06./07.04.2018 tagte in Coimbra (Portugal) zum zweiten Mal die RMB-Konferenz, welche vom Department for Architecture und dem Centre for Social Studies der University of Coimbra, eines der Projektpartner im RMB Consortium, organisiert wurde. Dieses Mal stand das Thema "Teaching Through Design" im Mittelpunkt. Der Architekt braucht neue Werkzeuge, weil nicht mehr nur Zeichnen ausreicht, um Gebäude und die darin lebenden Menschen zu verstehen. Die Methoden sind komplexer denn je. So müssen neben den technischen und räumlichen Komponenten, auch die soziale Dimension integriert werden. Dieser integrative Ansatz erfordert auch den Dialog mit anderen Disziplinen. Unter Berücksichtigung dieser Themen wird die Architekturlehre zu einem Labor- und Workshopraum, in dem neue Werkzeuge und Methoden untersucht und erforscht und Hypothesen entwickelt werden, die anschließend in den Designstudios getestet werden.

Zahlreiche internationale Gastreferenten und Mitglieder des RMB-Projektes fragten in ihren Vorträgen nach geeigneten Lehrmethoden für eine ganzheitliche Ausbildung des Architekturberufes. Die vorgestellten Themen - von konkreten Architekturprojekten bis hin zu pädagogischen Lehransätzen - basieren auf Lehrtätigkeiten, fundierten Forschungsprozessen und der Bezugnahme zahlreicher Referenzprojekte aus dem internationalen Raum. Die Konferenz fokussierte in vier Sessions die Themen - Werkzeuge, Methoden, Interdisziplinarität, Forschung - und konzentrierte sich auf pädagogische Methoden und Grundlagen, aber auch auf den fortgeschrittenen Designprozess und die professionelle Umsetzungspraxis im Zusammenhang mit der Wiederverwendung modernistischer Gebäude.

Der niederländische Architekt Tim Peeters von Zones Urbaines Sensibles (ZUS) thematisierte im ersten Themenblock "Tools" in seinem Vortrag "Incomplete & Unfinished" seine jahrlange Erfahrung urbaner Designpraxis im Rotterdamer Zentralbezirk. Verwurzelt in der Überzeugung, dass Städte stets als unvollständig und unvollendet angesehen werden sollen, diskutierte er eine Reihe von Projekten und Entwurfsmethoden, die diesen Ansatz veranschaulichten. Die vorgestellten Werkzeuge und Techniken dienen als Strategie für das öffentliche Kapital, um Krisen von instabilen Märkten und politischen Veränderungen etwas entgegenzusetzen und letztendlich zu überstehen.

Professorin Alben Yaneva, Direktorin der Manchester Architecture Research Group (MARG), legte im zweiten Themenblock "Research" ihre Untersuchungen zum Thema "Mapping Controversies: The Extensions of the Whitney Museum of American Art" in New York City dar. Sie beschrieb in ihrem Vortrag, was es bedeutet, eine Erweiterung für das Whitney Museum für amerikanische Kunst - eine Ikone der Moderne - zu entwerfen und wie es Architekten gelingen kann, solch eine schwierige Aufgabe zu realisieren. Yaneva benennt in ihrem Vortrag neuartige Perspektiven der sozialen und kognitiven Komplexität im Erschaffen von Architektur und zeigte seltenes ethnografisches Material von Arbeiten des Office for Metropolitan Architecture (OMA) von Rem Koolhaas in Rotterdam der Jahre 2001 - 2004. Anhand dieses ausgewählten Bildmaterials zeichnete sie ein faszinierendes Bild der Geschichte zur Erweiterungen eines der schönsten modernistischen Gebäude in New York - das Whitney Museum für amerikanische Kunst, welches vom Bauhaus Architekt Marcel Breuer in den 1960er Jahren entworfen wurde.

Die dritte Session zum Thema "Methods" wurde von den Architekten Désirée Pedro und Carlos Antunes vom Atelier do Corvo eröffnet. Pedro beschrieb in ihrer Keylecture eindrücklich die Renovierung einer High School in Pombal, Portugal. Dabei legte sie den Schwerpunkt auf die Erläuterung der Techniken des Entwurfes. Dieser beabsichtigte die Mehrdeutigkeit des Gebäudes von 1958, die sich aus den ständig veränderten Funktionen und einer unbestimmten Struktur und Konstruktion ableitete, aufzulösen und ihm zu einer neuen Klarheit zu verhelfen. An dieser Stelle betonte das Atelier do Corvo, ausgehend von dem Verständnis, die Schule sei Schlüsselelement des sozialen Gefüges im Quartier und die Nutzung und Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit unabdingbar, den Einbezug der Kontinuität zwischen der Vergangenheit und Gegenwart und zwischen den alten und neu ergänzten Gebäudeabschnitten. Auch der Soziologe Dr. Carlos Fortuna von der Universidade de Coimbra konnte mit seinem Vortrag "Reapproaching the modern(ist) city" einen wichtigen Betrag zur Konferenz in der vierten Session "Interdisciplinarity" leisten. Fortuna referierte über die heutige Gewichtigkeit von Metropolen und versuchte eine Vielzahl von Bedeutungen für die Moderne aufzustellen, um letztendlich - von philosophischen Standpunkten der gebauten Stadt über undefinierte soziale und kulturelle Nutzungen städtischer Räume - für ein multidisziplinäres Verständnis der heutigen Stadt zu plädieren.

Hintergrund: Das ERASMUS+ Projekt "Reuse of Modernist Buildings" (RMB) ist eine Kooperation von fünf Universitäten und einer Nichtregierungsorganisation (NGO) aus dem europäischen Raum (Docomomo International) sowie einem internationalen assoziierten Partner (The Energy and Resources Institute, Indien). Das RMB-Projekt, welches durch die Hochschule Ostwestfalen-Lippe koordiniert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, einen europäischen Masterstudiengang zu initiieren. Die Lehre fokussiert technologische, konzeptuelle und soziale Aspekte der modernen Architektur nach dem zweiten Weltkrieg und fragt nach der technischen und konzeptionellen Adaption heutiger Gebäude- und Wohnstandards, der Erfüllung von Wohnbedürfnissen sowie nach der Akzeptanz modernistischer Wohnkomplexe. Das ausführliche Programm zur 2. RMB-Konferenz mit allen Referenten und Referentinnen samt der Themen finden sie hier. (Text und Fotos: Theresa Kellner)

Weitere Informationen: http://www.rmb-eu.com/

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