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Detmold, 12. Juli 2018 10:48 Alter: 6 Tage

Ein Krankenhaus für Kamerun

Präsentieren ein Modell der Klinik (v. l.): Prof. Andreas S. Lübbe, Anderson Kuetche, Johanna Brockmeyer und Prof. Manfred Lux. Foto: Heiko Appelbaum

Johanna Brockmeyer, Absolventin der Hochschule OWL, hat mit Ärzten eine Klinik entworfen. Zunächst war es nur eine Idee, dann entwickelte sich eine Bachelor-Arbeit mit Bestnote daraus, und am Ende könnte in der kamerunischen Stadt Bandjoun ein zukunftsweisendes Krankenhaus entstehen.

Anderson Kuetche ist seit 2016 als Oberarzt in der zum Medizinischen Zentrum für Gesundheit (MZG) Bad Lippspringe gehörenden Cecilien-Klinik tätig. Seit 2002 leitet der Arzt mit Kameruner Wurzeln ein Hilfsprojekt, das sich um die Verbesserung von Gesundheit und Bildung in Afrika kümmert. In diesem Rahmen entstand der Wunsch, in Zentralafrika ein Krankenhaus zu bauen, das Rehabilitation und Sportmedizin nach deutschem Vorbild vereint. Mit Prof. Dr. Dr. Andreas S. Lübbe, Chefarzt der Cecilien-Klinik und Ärztlicher Direktor des MZG, fand Anderson Kuetche einen Fürsprecher.

Die Anfrage in einem Architekturbüro in Bad Lippspringe war von Erfolg gekrönt: Johanna Brockmeyer studierte damals am Fachbereich "Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur" und war auf der Suche nach einem Thema für ihre Bachelorthesis. Einer ihrer Dozenten, Prof. Manfred Lux, gilt als Kenner afrikanischer Architektur. "Es entstand in kürzester Zeit ein kleines Netzwerk, und das Thema meiner Abschlussarbeit konnte festgelegt werden", erinnert sich Brockmeyer.

Nun galt es für die Bad Lippspringerin, sich mit den baulichen Gegebenheiten in Kamerun vertraut zu machen. Dass das Projekt nicht nur für die Schublade geplant ist, macht Kuetche deutlich: "Wir haben uns parallel um finanzielle Förderungen gekümmert und wünschen uns, dass eine Hilfsorganisation langfristig die Trägerschaft für das Krankenhaus übernimmt. Das Budget allein für den Bau und die Einrichtung liegt bei rund zehn Millionen Euro. Wir planen ein Zentrum für Prävention, Behandlung und Rehabilitation von zerebro- und kardiovaskulären Erkrankungen, decken also die Blutgefäße des Hirns und des Herzens ab. Dieses Konzept ist bisher in Zentralafrika neu, aber der Bedarf ist absolut da."

Johanna Brockmeyer konzipierte ein rundes Gebäude mit einem verschobenen Mittelpunkt. "Das ist zweckmäßig und passt auch zur regionalen Architektur. Zudem spiegelt es die Wünsche der Ärzte vor Ort", sagt die Bad Lippspringerin. Als ein mögliches Baumaterial hat sie Stampflehm vorgeschlagen, der sich in Zentralafrika seit Jahrhunderten bewährt hat. Der Entwurf hat alle Beteiligten überzeugt; die Studentin erhielt für ihren Vorschlag die Bestnote 1,0.

Bis zum ersten Spatenstich kann es noch etwas dauern. "Wir warten auf die finale Zusage der Behörden vor Ort", sagt Anderson Kuetche. Sobald diese vorliegt, könnte mit den Vorarbeiten begonnen werden. Und spätestens dann möchte Johanna Brockmeyer nach Kamerun reisen, um das Projekt in Augenschein zu nehmen.