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Detmold, 29. September 2015 11:28 Alter: 2 Jahr/e

"Die Zukunftsstadt ist bereits gebaut und muss weiter optimiert werden"

Mit dem Thema "Mensch, Raum und Technik 2050" richteten die Referenten aus Hochschule und Wirtschaft am zweiten Tag des Symposiums "Zukunftsstadt 2050" den Fokus auf den gebauten Raum. Dabei versetzten sie die Zuhörer und Zuhörerinnen in die Welt der Ingenieure, Architekten, Innenarchitekten und Arbeitswissenschaftler. Die Hochschulkonferenz wurde von der Hochschule OWL und dem Unternehmen Schüco International KG ausgerichtet und fand im Rahmen des Wissenschaftsjahres "Zukunftsstadt" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) statt.

Professor Thomas Auer von der TU München referierte aus der Perspektive eines Ingenieurs über die heutigen baulichen Anforderungen an Ingenieure, insbesondere mit Hinblick auf eine CO2-neutrale Bauweise. Professorin Dr. Uta Pottgiesser (Hochschule OWL) sprach aus der Perspektive einer Architektin. Heutzutage gebe es viele Probleme in der Stadt: Luftverschmutzung, Lichtverschmutzung, etc. Doch es sollte deswegen nicht alles neugebaut werden, sondern Altes sollte baukulturell erhalten werden. Außerdem rücke die nutzerorientierte Gestaltung, das Human Centered Design immer mehr in den Fokus. Durch praktisch gestaltete Workshops und die folgende Anwendung und Forschung bringe man auch Studierenden diese Thematik näher.

"Die Zukunft des Raums" war das Thema von Professor Ulrich Nether (Hochschule OWL), der aus der Sicht der Innenarchitektur über die Raumveränderung durch technischen Fortschritt berichtete. Der digitale Raum dränge sich zunehmend in den realen Raum. Darüber hinaus verändere sich auch das gesellschaftliche Zusammenleben durch Technik. Das Mobiltelefon verändere schon heute das Verhältnis von Nähe und Distanz und müsse künftig in die Gestaltung miteinbezogen werden. Dr. Alexander Rieck (Fraunhofer IAO) erläuterte daraufhin die Perspektive der Arbeitswissenschaft. Wissensarbeiter arbeiteten oft in virtuellen Räumen und einer virtuellen Welt. Doch zum effizienten Arbeiten bedürfe es mehr, denn es herrsche eine Kreativitätslücke in Deutschland, d.h. es existiere eine Kluft zwischen unserem Wunsch nach Kreativität und unserer tagtäglichen Arbeitspraxis. Und genau darauf hätten räumliche Faktoren Einfluss: Licht, Akustik, Geruch, Corporate Identity und Architecture Identity. Der Arbeitsplatz der Zukunft sollte Menschen zum Austausch zusammenbringen, um neue Ideen zu entwickeln. Warum sollten Menschen künftig allein an einem Arbeitsplatz sitzen, wo sie nur wenig kreativ sein können? Die Zukunft liege eher darin, eine Oase der Kommunikation zu schaffen.

Im darauffolgenden Themenblock präsentierten die Referenten neueste Informationen aus der Forschung zu innovativen Bauprodukten und Bauprozessen 2050. Dr. Hans Kespohl (Covestro AG) erklärte, welche zukünftigen Anforderungen an die Firma Covestro als Materialhersteller gestellt werden und inwiefern diesen Anforderungen durch einen interdisziplinären Austausch begegnet werden kann. In Vertretung von Professor Horst Wildemann sprach Maximilian Offizier über die Modularisierung im Fertighausbau.

Der letzte Themenblock "Fassaden im städtischen Umfeld 2050" begann mit dem Vortrag von Professor Holger Techen (Frankfurt University of Applied Sciences) über akustische Stadtberuhigung durch eine veränderte Gebäudekubatur. Professor Ulrich Knaack (TU Delft) erläuterte im Anschluss das große Potential von 3D-Druckern in der Fassadenherstellung und die neuen Möglichkeiten die dadurch entstehen. Abschließend redete Professor Winfried Heusler (Schüco International KG) über das Thema "Zukunftsfähige Konzepte und Prozesse". Beim Bauen gehe es häufig um Qualität, Kosten und Termine, wobei der Mensch im Mittelpunkt all dessen stehe. Es müssten daher verstärkt auch regionale Unterschiede miteinbezogen werden, denn es sei nicht möglich, überall die gleichen Häuser zu bauen. Des Weiteren müsse es künftig eine Konvergenz der Gewerke, mehr Generalisten (Ingenieure und Architekten) sowie eine gemeinsame Lehre und Zusammenarbeit geben.

Abschließend wurde in einer Podiumsdiskussion - moderiert von Boris Schade-Bünsow (Chefredakteur der Bauwelt) - ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben. Es habe sich gezeigt, dass die Hochschulkonferenz "Zukunftsstadt" ein ressourcenübergreifendes bzw. interdisziplinäres Projekt sei. Junge Menschen seien der Schlüssel zum Erfolg, darin waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig. Deswegen müsse mehr in diese Richtung getan werden. Praxisprojekte müssten schneller umgesetzt werden und die Studierenden müssten selbst Erfahrungen sammeln können. Die Lehre sollte ihnen dafür die nötigen Grundlagen bieten und ihnen verschiedene Blickwinkel zeigen, um über den Tellerrand schauen zu können. "Das Leitbild des Symposiums zeigt nicht die Zukunftsstadt 2050, sagen die Studierenden", betonte Dr. Alexander Rieck, "die Zukunftsstadt in Deutschland ist bereits gebaut und muss weiter ausgebaut und optimiert werden." Dazu müsse künftig verstärkt interdisziplinär zusammengearbeitet werden. Die Hochschulkonferenz half schlussendlich dabei, Ebenen zu schaffen, auf denen auch weiterhin über die Zukunftsstadt kommuniziert werden kann. (Yvonne Berthiot)