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Der Regionale Salon stärkt den inhaltlichen Austausch in der Region. In angenehmer Atmosphäre stellen wir Zukunftsfragen zwischen Forschern, Planern, Politikern, Künstlern und Aktiven aus der Region sowie überregionalen Impulsgebern zur Diskussion. Der Regionale Salon baut auf den Dialog zwischen Forschern des urbanLabs, Referenten und Publikum und entwickelt interdisziplinäre Lösungsansätze für aktuelle Fragestellungen durch ganz unterschiedliche Blickwinkel.

 

 

Gerne stehen wir Ihnen für persönliche Gespräche zur Verfügung:

MSc. Julia Krick

T +49 (0)5231 769-6376

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M urbanlab(at)hs-owl.de

 

Inhalt

Stadt der Zukunft

(1) Digital | (2) Gesund | (3) Sozial

Digitale Unübersichtlichkeit

In den letzten Jahren, spätestens seit Einführung des Smartphones, haben wir uns schon daran gewöhnt, unsere Geräte durch eine geleitete Assistenzführung zu bedienen. Wir nutzen selbstverständlich vorbereitete Kommunikationskanäle, akzeptieren weitestgehend gefilterte Informationsanfragen und wollen die Bequemlichkeitsvorteile einer geleiteten Wegeführung durch Fahrzeugnavigation nicht mehr missen.Da die meisten technischen Entwicklungen eine besonders anwendungsfreundliche Benutzeroberfläche und ein intuitives Produktdesign aufweisen, werden die vorgeschlagenen Informationen, Routen oder Assistenzvorschläge selten in Frage gestellt. Hinzu kommt, dass viele digitale Innovationen auf eine zunehmende Personalisierung der bereitgestellten Dienste abzielen. Es ist allgemein bekannt, dass zwei Personen, die das gleiche Suchwort eingeben, mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiedliche Ergebnisse erhalten. Zum Beispiel ist es nicht unüblich, dass eine kartenbasierte Smartphone-App einem Touristen auf der ersten Ebene bestimmte Restaurants empfiehlt, die einem anderen Touristen dagegen erst nach längerem, mehrmaligem Recherchieren angezeigt werden. Skaliert auf eine städtische Maßstabsebene, bedeutet dies, dass sich urbane Räume nur noch selektiv-individuell erfahren lassen. Insbesondere bei Karten und geografischen Inhalten kommt dies einer Zerbröselung der intuitiv erwarteten Objektivität gleich.Es stellt sich also die Frage, ob durch die Integration digitaler, personalisierter Dienste und die Automatisierung bestehender Alltagsprozesse die Komplexität städtischer Systeme insgesamt reduziert wird. Oder ob eher von einer zunehmenden, "digitalen Unübersichtlichkeit"  und von wachsenden Orientierungsschwierigkeiten auszugehen ist (vgl. Kraft 2016). Auch werden wir uns in der Raumforschung damit beschäftigen müssen, ob sich Städte in ihrer Funktionsweise und Benutzbarkeit zukünftig immer mehr aneinander angleichen oder ob sich der klassische "Genius Loci" in anderen uns noch unbekannten Bereichen bemerkbar macht.

KEYNOTE

Michael Lobeck [Universität Bonn, promediare.de]

AUS DER REGION

Carolin Lauhoff [Lauhoff Architekten, Melle] 

AUS DER REGION

Dr. Klaus Schafmeister [Kreis Lippe]

STATEMENT HOCHSCHULE

Prof. Dr. Thomas Schulte [Institut Future Energy]

Benjamin Dally [Forschungsschwerpunkt nextPlace]

MODERATION

Prof. Dr. Axel Häusler (urbanLab)

Räume im menschlichen Maßstab

Trotz der interdisziplinären Mischung an Referenten sind sich die Beiträge einig, dass Gesundheitsförderung in starkem Zusammenhang mit allgemeinem Wohlbefinden steht und daraus resultierend die Veränderung des Raums im Sinne des Settings-Ansatz das richtige Werkzeug auf dem Weg zur gesunden Stadt ist. Durch ein Gesundheitsverständnis, welches nicht mehr nur die Abwesenheit von Krankheit definiert, sondern ein körperliches und soziales Wohlbefinden ausdrückt, ergeben sich ganz neue Zugänge und Möglichkeiten für die Planungsdisziplinen, um ihrer Verantwortung für den alltäglichen Lebensraum gerecht zu werden. Mit der Verabschiedung des Präventionsgesetzes der Bundesregierung sind nun erstmals auch die Krankenkassen verpflichtet genau hier zu investieren. So zeigen die unterschiedlichen Fachvorträge zwar verschiedene Herangehensweisen an ein und dieselbe Thematik, machen dabei aber auch deutlich, wie wertvoll jede einzelne dieser Herangehensweisen und der jeweilige Blickwinkel ist. Denn Stadt ist ein komplexes System und ihre Wechselwirkungen vielfältig. Die Determinanten zur Gesundheit sind vielfältig und stehen in komplexer Verbindung zueinander, so dass die Stadtplaner den Weg zur gesunden Stadt nicht alleine gehen können. Was wir als generalistische Disziplin jedoch leisten können, ist die notwendigen Akteure zusammenzuführen und die Ein- und Auswirkungen von gebauter Umwelt auf den Menschen weiter zu untersuchen. Schlussendlich gilt es Räume zu schaffen, in denen sich das Leben entfalten kann.

KEYNOTE

Hendrik Baumeister [Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG 7 Umwelt & Gesundheit] 

Dr. Thomas Claßen [Landeszentrum Gesundheit NRW]

AUS DER PRAXIS

Anja Ritschel [Stadt Bielefeld, Dezernat 3 Umwelt & Klimaschutz]

AUS DER REGION

Philipp Ward [Heimatkrankenkasse]  

STATEMENT HOCHSCHULE

Prof. Dr.  Pilgramm [HNO-Arzt & Honorarprofessor] 

Marcel Cardinali [urbanLab] 

MODERATION

Prof. Kathrin Volk, Benjamin Dally

 

Das "Quartier" als Interventionsebene

Quartier und Nachbarschaft haben zweifelsohne Konjunktur. Dies wurde in allen Fachbeiträgen im Rahmen des Regionalen Salons mehr als deutlich. Generell kann das Programm "Soziale Stadt" heute als etablierter Politikansatz gelten. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat das Quartier sogar zu einer zentralen Förderkategorie erhoben. Mit dem aktuellen Zuschnitt eines Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung wird diese Fokussierung offenbar fortgesetzt.In seiner konfliktsoziologischen Betrachtung reflektiert Dr. Jörg Hüttermann die Ambivalenzen von Segregation im städtischen Kontext und hinterfragt die oftmals dominierende Engführung des Diskurses auf die sozialräumliche Konzentration bestimmter ethnisch-religiöser Minoritäten, heute zunehmend solchen muslimischen Glaubens. Gefahren der Ethnisierung sozialer Ungleichheit und der Zuspitzung von Konfliktpotenzialen sieht er vor allem dann, wenn sich Erfahrungen fehlender Teilhabe und Diskriminierung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (z.B. Arbeits- und Wohnungsmarkt, politische Partizipation) miteinander verschränken und verstärken.In seiner Bilanz des Programms "Soziale Stadt" stellt Ralf Zimmer-Hegmann sowohl die Chancen als auch die Restriktionen der Quartiersebene für die soziale Integration insbesondere der von Marginalisierung betroffenen Individuen und Gruppen heraus. Der Sozialraum bezogene Ansatz wird grundsätzlich als zielführend betrachtet, wenn auch dessen Reichweite in struktureller Hinsicht als begrenzt gelten muss. Insbesondere die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen und deutlichere gesamt-gesellschaftliche politische Prioritätensetzungen in der Armutsbekämpfung werden als Voraussetzung für den Wirkungserfolg von Quartierspolitik gesehen.Zwar würdigt Volker Kersting die integrativen Beiträge des Programms Soziale Stadt. Er sieht angesichts der starken Zunahme von Kinderarmut insbesondere in Städten des Ruhrgebiets und der vergleichsweise eher homöopathischen Dosierung darin aber kein Instrument zur Armutsbekämpfung. Trotz erkennbar zunehmender Armutskonzentration in benachteiligten und benachteiligenden Nachbarschaften darf dennoch die disperse Armut in den Städten nicht aus dem Blick geraten.Auf der Suche nach Ansatzpunkten zur politischen Gegen-steuerung bei residentieller Armutssegregation setzt Marcel Cardinali bei den push- und pull-Faktoren für sozial selektive Zu- und Wegzüge in der "Sozialen Stadt" an. Ohne sich in reduktionistischer Weise dem traditionellen "Container"-Verständnis von Raum zu verschreiben, kommt sein Beitrag einem Plädoyer für baulich- städtebauliche Qualitätsverbesserungen gleich, da er nur so eine Adressierung auch der benachteiligenden Umfeldbedingungen gewährleistet sieht. Während ihre Chancen beschränkenden Wirkungen minimiert werden, soll durch zusätzliche Attraktoren (z.B. lokale Bildungslandschaft, heterogene Wohnkarrieren, gruppenübergreifende Begegnungsorte) das Quartier als Chancen generierendes ("gesundes") Lebensumfeld und sozialer Erfahrungsraum für unterschiedliche Milieus entwickelt werden.Letztlich betonen alle Referenten, dass substanzielle Wirkungserfolge bei der Armutsbekämpfung und einer anti-segregativen Stadtpolitik nicht ohne stabile sozialstaatliche Sicherungssysteme und eine aktive öffentliche Förderung des sozialen Wohnungsbaus zu erreichen sind.

KEYNOTE

Dr. Jörg Hüttermann [IKG, Universität Bielefeld] 

Ralf Zimmer-Hegmann [ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung]

AUS DER PRAXIS

Volker Kersting [Stadtforschung, Mülheim an der Ruhr]

STATEMENT HOCHSCHULE

Marcel Cardinali [urbanLab] 

MODERATION

Prof. Dr. Reiner Staubach

 

Gerne stehen wir Ihnen für persönliche Gespräche zur Verfügung:
Dipl.-Ing. Benjamin Dally
B.A. Marcel Cardinali
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F +49 (0)5231 769-86051
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