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Am Mittwoch den 05.04.17 hat das Preisgericht in Lippstadt getagt - und entschieden. Wir möchten Sie nicht mehr länger warten lassen und Ihnen die Preise und Ankäufe verkünden. Insgesamt hat die Jury 5 Preise und 3 Ankäufe vergeben. Zwei weitere Arbeiten befanden sich in der engeren Wahl. Die 10 besten Arbeiten wurden vom 11.04.-23.04. im Stadtmuseum der Stadt Lippstadt und im Rahmen der feierlichen Preisverleihung auf den Bielefelder Stadtentwicklungstagen unter zahlreichen Fachpublikum am 17.05. ausgestellt. 

Im Namen der Wohnungswirtschaft Ostwestfalen-Lippe und dem urbanLab der Hochschule OWL möchten wir uns bei allen Teilnehmern für die zahlreichen Einsendungen, interessanten Ideen und Impulse bedanken. Den Preisträgern unter Ihnen gratulieren wir von Herzen.

1. Platz – Kleine Experimente in Lippstadt

Jakob Langner, Philipp Kuhlenkötter, Timon Schwafert, Mattia de Virgilio

(TU Dortmund)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Verfasser gehen von einem vollkommen anderen Planungs- und Umnutzungsprozess aus und erhalten so zunächst den Bestand. Sie zeigen mit ihrem innovativen Beitrag eine Entwicklung unter starker Beteiligung der Betroffenen, die ein plausibles Bild einer nutzergetragenen Transformation des Plangebiets entwirft. Das tragfähige und nachvollziehbare Konzept als Raumlabor wird begrüßt. Hervorzuheben ist die Nachvollziehbarkeit des komplexen Transformationsprozesses. In gelungenen Plandarstellungen werden Raumbilder erzeugt, die Impulse für die Debatte um mögliche neue Quartiersentwürfe bieten. Die entstehende architektonische Vielfalt im Entwurfsszenario erscheint angemessen für den Standort und bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Das Mobilitätstool als Bestandteil des Konzepts wird ebenfalls begrüßt erscheint aber in seiner Wirkung zu optimistisch.

 

1. Platz – Vielfalt (er)leben

Julia Tesch

(TU Dortmund)

Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf erzeugt mittels klarer und präziser Gestaltungsstrukturen ein verdichtetes und nutzungsgemischtes Quartier. Durch die Ausbildung zweier Achsen mit durchdachten Dichten und Nutzungsprofilen entsteht ein Quartiersplatz im Achsenkreuz der in seiner Dimensionund Ausprägung auch durch die baulich gesetzten Hochpunkte für den Standort angemessen erscheint. Die klare städtebauliche Figur schafft im Vertiefungsbereich vier Blöcke die baulich unterschiedlich gefasst sind. Die erzeugten gemeinschaftlichen Höfe erzeugen ein plausibles Bild von Begegnungsräumen in der Nachbarschaft und eine angemessene Trennung zwischen öffentlichen und privaten Räumen. Die Fortführung der städtebaulichen Gestaltungsstrukturen über das Vertiefungsgebiet hinaus ist gelungen und erzeugt eine harmonische Einpassung in den Stadtkörper.

2. Platz - Quartier Feuerwache

Jannik Cikursch, Max Glaser, Joel, Prang, Pia Sophie Schwanenberg, Mette Siedler, Lennart Werblow

(HCU Hamburg)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Arbeit entspricht konzeptionell dem Ziel des Bildes eines zukünftigen sozialen Lebens in Vielfalt. Die räumliche Integration auch unter Berücksichtigung der höheren Verdichtung ist gelungen und fördert vermutlich die zu lösenden Fragen aufgrund der Zuwanderungsthematik. Die vorgeschlagenen Architekturformen lassen die Entwicklung von erschwinglichem Wohnraum zu. Der Entwurf fügt sich angemessen in die Umgebung ein und bereichert auch das Quartiersumfeld durch zusätzliche Angebote und Begegnungsmöglichkeiten. Insbesondere die Einbindung des Grünen Winkels im Norden des Plangebiets wird begrüßt und verbindet das Quartier plausibel mit den nahegelegenen Naherholungsmöglichkeiten. Die Fragen der Mobilität werden plausibel, aber konventionell gelöst. Insgesamt wird die Arbeit als plausible städtebauliche Antwort auf die Anforderungen in Lippstadt gewürdigt.

3. Platz - EW Quartier

Carina Fahl, Anna Holthenrich

(HS Ostwestfalen-Lippe)

Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf besticht durch seine städtebauliche Struktur, die die grenzgenau zonierten Freiflächen zugunsten von Allmenderäumen und Gemeinschaftsflächen weitestgehend aufgibt und damit einen diskussionswürdigen Beitrag zur Leitfrage des Wettbewerbs leistet. Die Erdgeschosslagen sind überwiegend als Produktions- und Verkaufsflächen vorgesehen und bieten damit Raum für StartUps und PopUp Stores, die zusammen mit Angeboten für kleine Produktionsbetriebe ein urban manufacturing ermöglichen und damit den öffentlichen Raum beleben. Kritisch diskutiert wird, ob die angestrebte Durchmischung und Urbanität sichergestellt werden kann, ohne genauer festzulegen, welche Art von gewerblicher Nutzung an welcher Stelle möglich ist. Insgesamt wird die vorgeschlagene Struktur als komplexes Zusammenspiel zwischen öffentlichen und gemeinschaftlichen, wie privaten Räumen begrüßt, dass insbesondere eine detaillierte Aufbereitung möglicher Grundrisse liefert. Die Bearbeitung der öffentlichen Räume und Freiräume, sowie die Einbindung in das Umfeld ist hingegen nicht in gleicher Qualität ausgearbeitet.

3. Platz – Zwischenräume

Eva Reidl, Dorina Kranzmann

(HS Ostwestfalen-Lippe)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Arbeit „Zwischenräume“ geht von der Grundannahme aus, dass bei der Gestaltung eines zukunftsfähigen Quartiers den Kriterien Flexibilität, Nachhaltigkeit und soziale Ausformung gleichermaßen Rechnung zu tragen ist und entwickelt im Entwurf diese zentralen Aspekte einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu einem grundsätzlich überzeugenden Gesamtbild. Der landschaftliche Rahmen am Bielefelder Stadtrand sowie die vorhandene Umgebungsbebauung werden sinnvoll aufgegriffen und unter den vorgenannten Prämissen nachvollziehbar weiterentwickelt. Wesentlicher Schwerpunkt sowohl des Neubaus wie der modernisierten und baulich ergänzten Bestandsgebäude ist die Schaffung von funktionierenden Nachbarschaften in den Zwischenräumen. Die MitMachHäuser als bauliche Hochpunkte wirken identitäts- und gemeinschaftsbildend und können überzeugen. Das Quartier Brockeiche erscheint in seiner angestrebten sozialen Durchmischung plausibel und grundsätzlich baulich umsetzbar, auch wenn die konkrete Grundrissumsetzung nur angedeutet wird. Zur Reduzierung des Individualverkehrs wird ein reduzierter Stellplatzschüssel von 0,4 angenommen. Eine konkrete Ausgestaltung der verkehrlichen Erschließung im Vertiefungsbereich bleibt leider offen.

Ankauf – Neo Agora

Jan Belger, Irina Oshkai, Verena von Ohlen, Thorsten Walper

(HS Ostwestfalen-Lippe)

Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf Neo Agora hat sich der Inklusion und dem gemeinschaftsbasierten Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft verschrieben. Vor diesem Hintergrund erscheint die räumlich-funktionale Geschossausbildung, wie auch die Freiraumgestaltung mit einer plausiblen Mischung von öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Räumen angemessen. Die Stärke des Entwurfs Neo Agora liegt in der konsequenten Ausformulierung eines gemeinwohlorientierten Wohnungs- und Städtebaus. Die innovative Projektentwicklung mit einem Anteil von 40% Sozialwohnungen basiert auf einem abgewandelten Baugruppenprinzip, welches das erforderliche Finanz- und Sozialkapital mobilisieren soll kann grundsätzlich überzeugen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass für eine Realisierung ein hohes Maß an kommunalen und bürgerschaftlichen Engagements notwendig erscheint. Die Höhenentwicklung, Dichte und Zahl der Wohneinheiten ist dem städtebaulichen Kontext angemessen. Die introvertierte Anmutung des Entwurfs erscheint hingegen kontraproduktiv für die Einbindung in die Gesamtstadt. Auch die Fragen der Mobilität erscheinen nicht ausreichend beantwortet.

Ankauf – Quartier Plus

Jekatarina Balles, Galina Heimbuch

(HS Koblenz)

Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf basiert sowohl auf einer Mischung von stadträumlichen und quartierstypischen Funktionen, als auch privater Flächen im Verhältnis zu teilöffentlichem und öffentlichem Raum. Die Freiraumachse welche das Gebiet von Süd nach Nord durchzieht und in einer neuen Brücke über die Lippe seine konsequente Fortsetzung findet, hat städtebauliches Potential und wird ausdrücklich begrüßt. Die urbane Achse von West (aus der Altstadt kommend) nach Ost findet in einem neuen Quartiersplatz im Kreuzungspunkt der Nord-Südachse seinen Endpunkt. Ob die hier angedachten Funktionen ausreichen werden, den Platz zu einem zentralen Punkt des neuen Stadtquartiers auszuprägen, wird angezweifelt. Der Entwurf sieht ein komplett autofreies engeres Plangebiet vor und schlägt ein Turm Schacht System im Nord Westen vor um den Stellplatzbedarf im Quartier abzubilden. Das Preisgericht stellt in Frage, ob diese Form für die Größe des Quartiers geeignet ist. Die Anmutung der gewählten Gebäudetypologie orientiert sich im Wesentlichen an bekannte städtebauliche Muster einer Mittelstadt wie Lippstadt und passt sich maßstäblich in die Umgebung ein. Die Innovationskraft des Beitrages könnte stärker herausgestellt werden, dennoch würdigt das Preisgericht die Arbeit als gute städtebauliche Antwort.

Ankauf - Quartier am alten Feuerwehrturm

Jan-Hendrik Kühn, Henning Verst

(HS Ostwestfalen-Lippe)

Beurteilung des Preisgerichts:

Das städtebauliche Konzept sieht eine Teilung des Bearbeitungsgebietes in vier Teilflächen vor und erreicht so eine adäquate Maßstäblichkeit und einen fließenden Übergang zur näheren Umgebung. Dabei werden zwei Quartiersachsen ausgebildet. Die Nord-Süd-Achse wird entlang der nördlich angrenzenden Fläche bis zum Flusslauf weiterentwickelt und konsequent als Brücke über die Lippe geführt. Die Anbindung des „Grünen Winkels“ wird begrüßt. Die West-Ost-Achse mündet in den trapezförmigen Quartiersplatz, der durch einen fünfgeschossigen Kopfbau abgeschlossen wird. Die denkmalgeschützte Bausubstanz der alten Feuerwache wird erhalten und bildet mit einem verlängerndem Ergänzungsbau die prägende Nordseite des Platzes. Der Kreuzungspunkt der beiden Achsen wird durch überhöhte Eckgebäude markiert. Dabei gliedert sich der alte Schlauchturm in das neue Quartier ein und bleibt als Identitätsmerkmal erhalten. Bemängelt wird, dass das denkmalgeschützte Gebäude im südlichen Teil des Quartiers nicht in der Neukonzeption berücksichtigt wurde. Die vertiefende Bearbeitung zeigt eine nachvollziehbare Aufteilung in einzelne Nutzungseinheiten, wobei die Antworten zu den Anforderungskriterien Integration und Vielfalt nicht in gleicher Qualität ausgearbeitet sind.

Engere Wahl – Quartier Plus. Das Plus an Wohnen

Ronja B. Fischer, Nazan-Zeynep Tekin

(HS Ostwestfalen-Lippe)

Beurteilung des Preisgerichts:

Stadträumlich bindet der Entwurf das Quartier über die Luchtenstraße an die Fußgängerzone als Erweiterung an. Der sich aus der Luchtenstraße entwickelnde, durch die umgenutzten Feuerwehrgebäude abgeschlossene Dreiecksplatz wird dabei als Ergänzung zu den vorhandenen Stadtplätzen verstanden und ist nachvollziehbar. Die Belegung der Gebäude am Platz zumindest im EG mit Einzelhandel, Gastronomie, Sportangeboten und einer „Offenen Werkstatt“ ist folgerichtig. Dass der Bedarf an solchen Nutzungen in dieser Größenordnung derzeit nicht gegeben ist, berücksichtigt der Entwurf durch plausible Baustufen von Westen her. Die Blockstruktur wird aus der Analyse konsequent abgeleitet, und sieht eine starke Mischung von Nutzungen und Wohnformen mit vielen Gemeinschaftselementen vor. Die Entwicklung teils sechsgeschossiger Bebauung sieht das Preisgericht kritisch, da es die angestrebten Qualitäten des Freiraums gefährdet. Die Dimension der zweispurige Straße in Nord-Südrichtung mit abgesetzten Gehwegen wird hinterfragt. Insgesamt entwickeln die Verfasser einen städtebaulich plausiblen und in sinnvollen Baustufen umzusetzenden Entwurf, der allerdings hinsichtlich der Erschließungsstruktur, der Einbindung in die Umgebung und seinem Innovationspotential Fragen offen lässt.

Engere Wahl - Begegnen und Beleben

Lena Sievers, Joleen Winter

(HS Ostwestfalen-Lippe)

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Arbeit „Begegnen und Beleben“ überzeugt durch ihre solide Ausarbeitung auf dem städtebaulichen Maßstab. Ausgehend von der neuen Endhaltestelle baut sie eine verkehrliche Erschließungsachse nachvollziehbar von West nach Ost auf, welche das Quartier sinnvoll erschließt und zusammenbindet. Das dargestellte Nachverdichtungskonzept, welches Neu- und Altbebauung zu Hofstrukturen zusammenbindet, stellt ein funktionierendes Miteinander der neuen und alten Bewohnerschaft sicher und stärkt das soziale Miteinander durch die zentralen Gemeinschaftsbereiche. Positiv wird auch die Verankerung gewerblicher Nahversorgung im Zentrum, nahe der Endhaltestelle, bewertet. In Kombination mit dem vorgeschlagenen Quartiersplatz kann hier eine neue Mitte als Identifikationsort entstehen. Dagegen wird die Aufreihung weiterer gewerblicher Flächen Richtung Westen kritisch betrachtet. Sie schwächt aus der Sicht des Preisgerichts den Zentrumsgedanken und wird vermutlich nicht ausreichend frequentiert. Die Grundrisse des Vertiefungsbereichs erscheinen nicht in gleicher Qualität ausgearbeitet und erreichen nicht den im Erläuterungsbericht formulierten Anspruch.

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