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Mit elektromagnetischer Wasserbehandlung umweltfreundlich vor Kalksteinablagerungen schützen
Lemgo / Bad Wünnenberg (hs-owl / aqua-fair). Gemeinsam beantragt, gemeinsam gefördert: rund 400.000 Euro Forschungsgelder haben Prof. Dr.- Ing. Holger Borcherding von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und die Firma ‚aqua-fair’ GmbH aus Bad Wünnenberg jetzt aus dem ZIM-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie eingeworben. Sie werden sich in den kommenden anderthalb Jahren um neue Verfahren kümmern, die wasserführende Anlagen und Systeme mit Hilfe der elektromagnetischen Wasserbehandlung umweltfreundlich vor Kalksteinablagerungen schützen. Die Partner hoffen, „einen Quantensprung in großindustriellen Anlagen zu erreichen“, so 'aqua-fair'-Geschäftsführer Hans-Jörg Rother. ZIM steht für „Zentrales Innovationsprogramm für den Mittelstand“. Es ist das Basisprogramm des Bundes für eine marktorientierte Technologieförderung.

Forschen jetzt gemeinsam (v. l.): Heinrich Loer (Prokurist und Teilhaber 'aqua-fair' GmbH), Prof. Dr.-Ing. Holger Borcherding (Hochschule OWL), Hans-Jörg Rother (Geschäftsführer 'aqua-fair' GmbH) und Dipl.-Ing. Benjamin Sprenger (Technischer Umweltschutz 'aqua-fair' GmbH).
Prof. Borcherding leitet am Fachbereich ‚Elektrotechnik und Technische Informatik’ das ‚Labor für Leistungselektronik’. Der Fachbereich ist bundesweit eine der führenden Einrichtungen an Fachhochschulen bei der Einwerbung von Drittmitteln. Die Labore eignen sich dank ihrer exzellenten Ausstattung und Mitarbeiter als hervorragender Forschungs- und Innovationspartner.
Kalkablagerungen an Sanitärinstallationen und Haushaltsgeräten sind ein fast alltägliches und genauso hartnäckiges Problem. Kalk – oder besser: Calciumcarbonat - ist eben ein Bestandteil der meisten natürlichen Gewässer und zugleich ein bedeutendes Mineral in unserem Trinkwasser, lebenswichtig für den Aufbau von Knochen, Haaren, Nägeln.
Das Ärgernis mit den Kalkablagerungen in den Rohrleitungen trifft die Industrie ganz besonders, da rund 80 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs industriellen und gewerblichen Zwecken dient. Das Max-Planck-Institut in Potsdam taxiert die jährlichen Schäden durch Kalkablagerungen weltweit auf etwa 50 Milliarden Dollar. Eine gigantische Summe.
Die bisher im Markt gängigen Kalkschutz-Verfahren sind jedoch einerseits teuer und chemiebasiert, andererseits entziehen sie dem Trinkwasser das lebenswichtige Mineral und belasten die Umwelt durch das Zuführen von neutralisierenden Salzen. Jährlich viele tausend Tonnen, die die Ressource Wasser belasten.
Das muss nicht sein, und hier setzt nun die Forschungsarbeit der Partner aus Wirtschaft und Hochschule an. Mit der elektromagnetischen Wasserbehandlung wird eine äußerst umweltfreundliche und kostengünstige Alternative angeboten. Sie basiert auf physikalischen Prinzipien, die bereits seit Jahrzehnten bekannt, vielfältig erprobt und inzwischen durch fundierte Testreihen wissenschaftlich untermauert sind: Durch elektromagnetische Induktion wird die Kristallisation von im Wasser gelösten Mineralien beeinflusst. Es bilden sich sehr viele sehr kleine Kristalle, deren Größe in Nanometern angegeben wird. Wenn durch die Behandlung nun sehr viele mineralische Nanokristalle erzeugt werden, binden diese wiederum zuverlässig weitere Mineralien, beispielsweise den Kalk. Die Nanokristalle bleiben jedoch sehr klein, haften nirgends an und werden im Wasser schwebend mitgeführt. So wird die Entstehung von harten Kalksteinablagerungen unterbunden.
'aqua-fair' verfügt bereits seit 10 Jahren über eine hoch funktionale Technologie, die vor allem in häuslichen Installationen und kleineren gewerblichen Anwendungen erfolgreich läuft. In Pilotanwendungen werden nun seit einigen Monaten auch übergroße Dimensionen in der Industrie erprobt.

Kooperationsvertrags-Unterzeichnung mit (v. l.) Hans-Jörg Rother (Geschäftsführer 'aqua-fair' GmbH) und Prof. Dr.-Ing. Franz-Josef Villmer (Vizepräsident der Hochschule OWL).
Hier setzt die Bundesförderung an: zusammen mit der Hochschule OWL soll die Technologie in industriegerechte Anlagen umgesetzt werden. Das innovative Potenzial dieser Entwicklung sei, so Prof. Borcherding, ein maßgebliches Kriterium gewesen, das Projekt in dieser Größenordnung gefördert zu bekommen. „Ist die Forschungskooperation ein Erfolg – und davon gehen wir aus“, so Geschäftsführer Rother, „werden wir mit dieser Technologie ein Alleinstellungsmerkmal im Markt haben mit einem enormen Einsparungspotenzial für industrielle Anlagenbetreiber“.
Die Hochschule OWL sieht Rother „mit dem Institut für Leistungselektronik als ideale Ergänzung für die Forschungskooperation“. Sie gilt als sehr engagiert im Bereich der Technologieförderung und des Technologietransfers. In diesem Jahr verzeichnete sie bei der leistungsorientierten Mittelvergabe landesweit die größten Zuwächse. Belohnt werden Hochschulen, die sich bei der Ausbildung und der Forschung besonders hervortun. „Wir freuen uns über jede gelungene Kooperation“, so Prof. Borcherding. Für die Hochschule sei es wichtig, durch praxisorientierte Forschung im aktuellen Marktgeschehen zu stehen und die Studenten durch die Kooperation mit Unternehmen an vielfältige Fragestellungen und Aufgaben heranzuführen.
Mit der Forschungskooperation und der daraus gewonnenen Innovation will 'aqua-fair ' den Markt der physikalischen Wasserbehandlung nachhaltig revolutionieren. Sie sei, so ihr Geschäftsführer, „in den nächsten Jahren auf hohes Wachstum eingestellt“. Das europäische Ausland sei ebenfalls auf die Technologie aufmerksam geworden, erste Anlagen laufen bereits erfolgreich.





