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Höxter, 13. Juli 2010 13:44 Alter: 2 yrs

Multimediale Tests, um die unterschiedlichen Ursachen der Legasthenie festzustellen

Höxteraner Bildungskooperation
Höxteraner Bildungskooperation mit (sitzend v. l.) den Studierenden Matthias de Vries, Andreas Henschel und (stehend v. l.) Schulleiter Gerd Mnich (Hoffmann von Fallersleben Realschule), Deutschlehrerin und Legasthenietrainerin Karen Wolf und Prof. Dr. Stefan Wolf (Hochschule OWL).

Die individuelle Förderung auch von Legasthenikern ist ein Schwerpunkt der Hoffmann von Fallersleben Realschule in Höxter. Da es sehr unterschiedliche Ursachen der Legasthenie gibt, die ebenso unterschiedliche Förderungen bedürfen, sei es von zentraler Bedeutung, die Art genau zu bestimmen, meint Karen Wolf, Lehrerin und Legasthenietrainerin an der Schule. Um diese Analyse zu optimieren, wurde jetzt von den Studierenden Matthias de Vries und Andreas Henschel unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Wolf an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Höxter ein System entwickelt, das mit Hilfe unterschiedlicher multimedialer Tests die Ursachen der Legasthenie beim einzelnen Schüler feststellen kann.

Untersucht werden die auditive und visuelle Wahrnehmungsverarbeitung, die Verarbeitung von Sprache und die so genannte phonologische Bewusstheit, also die Fähigkeit, Wörter in Silben oder Laute zu zerlegen, Anlaute zu erkennen und aus Lauten ein Wort zu bilden. Aus dem Ergebnis können dann einerseits individuelle Lernstrategien und Fördermaßnahmen erarbeitet und andererseits durch Wiederholung Fortschritte messbar gemacht werden.

Erstellt wurde das System als eines von mehreren Projekten in der Lehrveranstaltung ‚Internet und Multimedia’ am Fachbereich 'Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik’. „Die Durchführung praxisnaher Projekte führt bei den Studierenden nicht nur zu einer erhöhten Motivation, da sie mitbekommen, wie wichtig ihre Arbeit ist. Auch die Ausbildung wird dadurch deutlich realitätsnäher. Die Studierenden lernen beispielsweise den Erfahrungs- und Erwartungshorizont von Nicht-Informatikern besser kennen“, betont Prof. Wolf. Neben technischen Aspekten sei bei einem solchen System, auf dem personenbezogene Daten verarbeitet werden, die Beachtung von Datenschutzbelangen von zentraler Bedeutung, so der für die Arbeitsgebiete ‚Software und Internet’ zuständige Hochschullehrer.

Auf Seiten der Realschule Höxter wurde das Projekt durch die Lehrerin Karen Wolf vorangetrieben, die dort für die individuelle Förderung der Legastheniker verantwortlich ist. Karen Wolf hat sich mit der Aufstellung der Anforderungen an das System, mit zahlreichen fachlichen Beiträgen, Diskussionen und Entscheidungen sowie nicht zuletzt mit dem Testen des Systems überaus intensiv am gesamten Projekt beteiligt. „Die Entwicklung eines derart fachlich anspruchsvollen Systems funktioniert nur, wenn sich die fachliche Seite aktiv beteiligt“, betont Prof. Wolf.

Das System wird ab dem kommenden Schuljahr an der Hoffmann von Fallersleben Realschule eingesetzt werden. Es ist offen gehalten, sodass Erweiterungen, beispielsweise neue Testverfahren, leicht einzubauen sind. Durch eine Feinanpassung und Verbesserung der Auswerteverfahren kann unter Umständen die Aussagekraft geschärft werden.