Hochschule Ostwestfalen-Lippe
TECHNISCHER UMWELTSCHUTZ

Lehrkonzept

EDV-Übung in der Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft war in den letzten 25 Jahren in Deutschland sehr erfolgreich. Die Verwertung von Abfällen wurde wesentlich gesteigert, und zu beseitigende Abfälle müssen vorbehandelt werden, um sie langfristig sicher ablagern zu können. In der Studienrichtung "Wasser und Abfall" des Bachelor - Studienganges „Umweltingenieurwesen“ wird diesen aktuellen Entwicklungen Rechnung getragen. Im Vordergrund des Hauptstudiums steht die praxisnahe Ausbildung für künftiges Führungspersonal in der Siedlungsabfallentsorgung, um auf Aufgaben in der Planung abfallwirtschaftlicher Maßnahmen, in der mittlerweile hoch differenzierten Entsorgungslogistik und in der verantwortlichen Leitung von Entsorgungsanlagen vorzubereiten. Deshalb werden auch ergänzend Wahlveranstaltungen zu Wirtschaftlichkeitsberechnungen und zum Arbeitsschutz in der Abfallwirtschaft angeboten. Die Tätigkeiten in der betrieblichen Abfallwirtschaft werden im Studienschwerpunkt „Abfallwirtschaft und Umweltgeotechnik“ behandelt.
 
Deponiegasmessung (FID) auf der Deponie Wehrden, Kreis Höxter
Weltweit erfährt die Deponietechnik, die wesentlich in Deutschland entwickelt wurde, einen starken Aufschwung, während in der Bundesrepublik heute nach der Einrichtung der Deponien vor 15 - 20 Jahren die sachgerechte Stilllegung vieler Deponien und ihre Nachsorge die zentralen Aufgaben darstellen. Um diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, werden die Grundlagen der Deponietechnik in Hinblick auf eine Tätigkeit im Ausland und als Basis der Arbeiten in Deutschland im Hauptstudium vermittelt. Die Rekultivierung und Nachsorge von Deponien stehen im Studienschwerpunkt „Abfallwirtschaft und Umweltgeotechnik“ im Vordergrund. Im Studienschwerpunkt nimmt außerdem die Untersuchung und Sanierung von Altlasten einen angemessenen Raum ein.
 
In dem sehr gut ausgestatteten Labor für Abfallanalytik werden im „Abfall-Praktikum“ des Hauptstudiums alle wesentlichen Abfalluntersuchungen von den Studierenden selbst vorgenommen. Beginnend mit Sortieranalysen, über die Untersuchung der biologischen Abbaubarkeit von Abfällen bis hin zu Auslaugversuchen zur Bestimmung der Ablagerungsfähigkeit werden alle erforderlichen Kenntnisse vermittelt. An den Versuchsanlagen zur Kompostierung und Vergärung von Abfällen, zur Membranfiltration von Sickerwässern und zur Bodenluftreinigung werden von den Studierenden im Studienschwerpunkt „Abfallwirtschaft und Umweltgeotechnik“ praxistypische Aufgaben zum Anlagenbetrieb und zur Anlagenoptimierung selbständig durchgeführt. Ergänzt werden die Laborarbeiten durch Messungen auf Deponien.
Sortieranalyse auf der Deponie Wehrden, Kreis Höxter

 
Ein weiteres, sich sehr schnell entwickelndes Arbeitsgebiet ist die Optimierung von Biogasanlagen und die energetische Nutzung von Biomasse. In der Studienrichtung „Klima und Energie“ des Bachelor-Studienganges „Umweltingenieurwesen“ wird eine Einführung in die energetische Nutzung Nachwachsender Rohstoffe gegeben, bevor auf die Auslegung und Planung von Biogasanlagen eingegangen wird. Im Praktikum dieses Moduls beginnt die Arbeit mit der Beprobung von Biogasanlagen, anschließend werden die Input-Materialien, Gärsubstrate und Gärreste analysiert. Zu den Untersuchungen gehören die Bestimmung des Gasbildungspotentials, die FOS/TAC-Analyse der Gärsubstrate und die Ermittlung des Heizwertes der Gärreste.
 
Im Fachgebiet „Abfallwirtschaft und Deponietechnik“ nimmt die Umsetzung der in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gewonnenen Erkenntnisse in Entwicklungs- und Schwellenländern ständig mehr Raum ein. Zur Verbesserung der Umwelt- und Lebensbedingungen gerade in den Ballungsgebieten dieser Länder können viele unserer technisch-wissenschaftlichen Methoden verwendet werden, müssen aber an die lokalen klimatischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen angepasst werden. Über Mitarbeit in Projekten, Tagungen und die Arbeit in der international ausgerichteten Arbeitsgruppe „Landfill Technology“ wird ein Know-how Transfer versucht. Im Master-Studiengang „Environmental Sciences“ wird diesen Aspekten mit der Lehrveranstaltung „Waste Management in Developing Countries“ intensiv Rechnung getragen.
 
Praktikum zur Bioenergie
Die numerische Modellierung ist zu einem unverzichtbaren Arbeitsmittel für Ingenieure geworden. Die Modellierung der Prozesse in Deponiekörpern und in Abdichtungssystemen von Deponien (Wasser- und Stoffhaushalt, Stoffaustrag) ist deshalb ein Arbeits- und Forschungsschwerpunkt des Fachgebietes. In mehreren Lehrveranstaltungen in der Studienrichtung „Environmental Engineering and Modelling“ des Master-Studienganges werden Kenntnisse in der numerischen Modellierung von Grundwasser­strömungen, des Stofftransport im Grundwasser und der Modellierung von Prozessen in Deponien vermittelt. Außerdem trägt das Fachgebiet mit der Lehrveranstaltung „EDV in der Abfallwirtschaft“ zur berufsqualifizierenden Ausbildung im Bachelor-Studiengang „Angewandte Informatik - Umweltinformatik“ bei.
 
In allen Lehrveranstaltungen des Fachgebiets wird versucht, die Studierenden durch „aktivierendes Lehren“ intensiv mit den Methoden und Inhalten des Fachgebietes vertraut zu machen. Die verhältnismäßig kleinen Gruppengrößen auch in den Vorlesungen lassen häufig eine seminaristische Veranstaltungsform mit intensiven Diskussionen zu. Die Arbeiten in den Übungen reichen von den klassischen Entwurfs- und Berechnungsaufgaben der Ingenieurwissenschaften über Planspiele („Case Studies“), z.B. zur Abfallwirtschaftsplanung, bis hin zur Erstellung von Excel-Applikationen und der Anwendung von Simulationsmodellen in den EDV-Seminarräumen.
 
Studierende aller Studiengänge werden durch praxisnahe Projektarbeiten und Abschluss­arbeiten, die in Kooperation mit Betrieben und Institutionen durchgeführt werden, auf ihre künftigen Tätigkeiten vorbereitet.
 
In den letzten Jahren werden die Studierenden vermehrt in die F&E-Projekte des Fachgebietes, besonders auf dem Gebiet der energetischen Biomassenutzung, durch Projekt- und Abschlussarbeiten eingebunden und dadurch intensiv sowohl praktisch als auch wissenschaftlich ausgebildet.