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Lippische Landeszeitung vom 26.01.2007

 
Foto von Martin Hierling vor einem Netzwerkschrank
Martin Hierling vor einem Netzwerkschrank

Auch ohne lange Leitung

Fachhochschüler gehen kabellos ins Netz

Lemgo (tis). Vier Monitore hat Martin Hierling auf seiner Schreibtischplatte aufgestellt. Auf einem der Schirme schickt sich eine Fieberkurve im grafischen Steilflug an, eine rote Markierung zu durchstoßen. Was nach Börsenfeuerwerk aussieht, ist Alarmsignal: Der Datenfluss nähert sich dem, was das kabellose Netzwerk verkraften kann.Mit ein paar Mausklicks hat "Aufseher" Hierling den Übeltäter enttarnt: Er "saugt" seit neun Uhr große Dateien, nachdem er zuvor sein Informationsbedürfnis bei tagesschau.de befriedigt hat. "Er steht bereits bei 2,9 Gigabyte - das reicht für eine DVD", weiß Hierling.

Der Netzbetreuer an der Fachhochschule greift dennoch nicht ein - ob der Nutzer legale oder illegale Inhalte aus dem Internet zieht, müssen andere entscheiden. Wenn aber, wie dreimal geschehen, der Staatsanwalt an Hierlings Tür klopft, kann der Computerexperte helfen: Mittels Nutzungsprotokollen entlarvte Hierling den Absender einer Droh-Mail gegen einen Professor und einen Bezieher von Kinderpornografie.

Im Alltag gilt Hierlings Interesse nicht der gottähnlichen Machtdemonstration, sondern vielmehr der Aufrechterhaltung der Leistung des Wireless-Lan. Er richtet E-Mail-Konten ein, sorgt für Geräteaustausch oder versucht, virale Angriffe aus dem Internet im Keim zu ersticken. "Ich sitze aber nicht nur da und warte, dass etwas kaputt geht", fügt Hierling an.

Derzeit arbeite die Fachhochschule daran, die Leistungsfähigkeit des kabellosen Netzzugangs zu erhöhen - durch stärkere Einwahlpunkte, kleine viereckige Geräte, die mit 20 Zentimeter Kantenlänge unscheinbar unter der Decke kleben. Die "dritte Generation", schwärmt Hierling, vereinfache seine Arbeit, die durch natürliche Feinde bereits strapaziert ist: Stahlbetonwände und Feuerschutztüren - sie hindern Funkdaten, störungsfrei ihren Weg zu finden. "Die Luftgeschichte ist sehr fehlerhaft", bilanziert Hierling.

Von 5500 Studenten in Lemgo nutzt jeder dritte das kabellose Angebot. Mit im Netz: Frederik Frohne, der es sich mit seinem Laptop im Foyer gemütlich gemacht hat und die Flexibilität lobt. Der 23-jährige Student gibt zu: "In einer langweiligen Vorlesung ist das Internet auch schon mal Ablenkung." Das hat auch Hierling als Dozent gespürt: "Als ich Studenten am Laptop ansprach, haben die nicht mal hochgeguckt", erinnert er sich.

 

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2007

Dokument erstellt am 26.01.2007 um 03:01:54 Uhr

Erscheinungsdatum 26.01.2007 | Ausgabe: LZ_HP | Seite: 15

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