Sobald Sie mit mehr als einem Computer arbeiten, müssen Sie Ihre elektronischen Helfer unterscheiden. Nehmen wir an, Sie wollen dem Techniker des Rechenzentrums mitteilen, daß Ihr Computer das Zeitliche gesegnet hat, so könnten Sie sagen: "Hey Willi. Idefix hat seinen Geist aufgegeben!".
Computer möchten sich selbst gerne unterscheiden können. Zum Beispiel, wenn Sie über Ihren Computer eine Mail an einen Kollegen auf einen anderen Computer schicken wollen, können Sie den Befehl "elm willi@Idefix" benutzen.
In beiden Fällen bezeichnet "Idefix" einen bestimmten Computer. Wie sich ein Mensch oder eine Maschine so einen Namen merkt, soll uns hier erst einmal nicht stören.
Indem Sie einen "guten" Namen für Ihren Computer auswählen, vermeiden Sie von vorneherein Probleme, über die die Leute immer und immer wieder stolpern.
Wörter mit einer strengen semantischen Bedeutung stiften in einem unüblichen Kontext nur Verwirrung. Das ist besonders in mündlichen Gesprächen der Fall, wo Zeichensetzung nicht ersichtlich und Grammatik oft unvollständig ist.
Stellen Sie sich zum Beispeil vor, Sie haben eine Anzahl von Computern, die für Sie eine spezielle Aufgabe erfüllen. Eine Maschine heißt "hoch", weil sie die Daten für das Hochregallager speichert. Das allmorgentliche Gespräch zwischen Ihnen und der Bedienungsmannschaft könnte dann so lauten: "Ist hoch hoch?" Nein, hoch ist unten." "Boote hoch hoch!".
Obwohl Ihre Kollegen nach ein paar Tagen sicher dahinterkommen, was Sie eigentlich von ihnen wollen, werden Sie einsehen, daß es keine "gute" Wahl für einen Computernamen ist.
Ein Biologielabor wickelt sämtliche Arbeiten auf seinem einzigen Computer ab, der "Bio" genannt wird. Einige Zeit später wird eine zweite Maschine angeschafft, um einen Teil der Aufgaben zu übernehmen und den ersten Computer zu entlasten. Überflüssig zu sagen, daß diese Maschine nicht auch "Bio" genannt werden kann. Mit der Zeit werden auf den beiden Computern immer speziellere Arbeiten erledigt, die eine präzisere Eingrenzung des Namens erlauben. Ein Jahr später werden fünf weitere Computer beschafft und die beiden alten Maschinen werden an ein anderes Projekt abgegeben. Es ist einfach nicht möglich, generelle Namen zu finden, die für eine längere Zeit ihre Bedeutung behalten.
Man hätte den zweiten Computer auch "Bio2" usw. nennen können. Aber dann unterscheiden sich die Computer nur noch durch ihre Ziffern und man könnte sie gleich "1", "2" oder "3" nennen. Diese Art der Namensgebung ist eine Ausnahme, die nur dann sinnvoll ist, wenn eine größere Anzahl von Computern existiert und kein Bedarf für irgendjemanden besteht, die einzelnen Maschinen zu unterscheiden. Zum Beispiel ein Steuercomputer, der regelmäßig Meßdaten von einhundert Sensorcomputern einsammelt, kann diese Computer über einen numerischen Index ansprechen.
Obwohl Computer nicht mit Menschen vergleichbar sind, ihre Namen sind es. Niemand lernt irgendetwas schneller über einen anderen Menschen, als dessen Namen. Aber weil jemand "Gotthilf" heißt, bedeutet das noch lange nicht, daß er dem Schöpfer gelegentlich mal zur Hand geht (egal, was das Buch "Wählen sie einen Namen für ihr Baby" sagt). In der Realität sind Namen eher frei gewählte Bezeichnungen. Der Name sagt nichts darüber aus, was für ein Leben die Person führt, welche Hobbies sie hat und ob sie in der Mensa vegetarisch ißt.
Auch wenn ein Computer auf Ihrem Schreibtisch steht, so ist es doch ein Fehler, wenn Sie ihm Ihren Namen geben. Dieses wäre ein weiterer Fall von semantischer Überladung, der nur Verwirrung stiften würde. Würde "Gib Charly die Diskette!" sich auf einen Computer oder auf einen Menschen beziehen?
Auch die eigenen Initialien taugen nicht als Computername. Was passiert, wenn Sie im nächsten Jahr einen anderen Computer bekommen? Irgendjemand anderes wird sich dann mit "Charly" herumplagen, während Sie sich mit "Helmuth" abgeben müssen. Gut, die Computer könnten umbenannt werden. Aber das ist eine Menge überflüssiger Arbeit. Und abgesehen davon, ein Programm, das üblicherweise auf ein spezielles Pheripheriegerät oder eine Datenbank auf "Charly" zugreift, würde scheitern, weil "Charly" auf einmal eine ganz andere Aufgabe hätte. Seien Sie ehrlich: Wissen Sie wirklich, welcher nette Kollege Ihren Rechnernamen nicht in sein neues Programm "hardcoded" hat?
Es ist natürlich sehr verführerisch, seinen ersten Computer nach einem selbst zu benennen. Aber denken Sie darüber nach! Benennen Sie irgend ein anderes Ihrer Besitztümer nach Ihnen selbst? Nein. Ihr Hund hat seinen eigenen Namen, ebenso Ihre Kinder. Wenn Sie zu den Zeitgenossen gehören, die ihrem Auto oder anderen Dingen einen Namen geben, so werden Sie sicher nicht Ihren Namen nehmen. Andernfalls werden Sie ganz schön Probleme bekommen, wenn Sie im nächsten Gespräch zwischen Ihrem Auto und Ihrem Hund unterscheiden müssen.
Aus dem selben Grund folgt, daß Sie Ihren Computer auch nicht nach Ihrem Hund, Ihrem Auto oder Ihren Kindern benennen sollten.
Das ist schwer zu quantifizieren, aber die Erfahrung zeigt, daß Namen mit mehr als acht Zeichen einfach nur nervig sind.
Viele Systeme erlauben die Definition von eigenen Abkürzungen für Computernamen. Jeder Benutzer hat da wohl seine eigenen Vorlieben. Aber warum wählt man nicht von Anfang an einen Namen, der garnicht erst abgekürzt werden muß? Das verhindert von vorneherein Verwirrungen.
Wir hatten einmal einen Computer "czek" genannt. Andere Kollegen dachten immer, wir würden über einen Computer namens "check" sprechen. In der Tat ist "czek" noch nicht einmal ein vernünftiges Wort (obgleich "Czech" eines ist).
Mit einer inkorrekten Aussprache kann man sich viele Feinde machen. Das gilt besonders für fremdsprachliche Wörter oder Mundartbezeichnungen.
Sie werden jetzt sagen, "Das ist doch ziemlich verrückt ... Leute, die wissen müssen, wie man einen Namen buchstabiert, haben das zu lernen und fertig!" Auch wenn Sie vermutlich recht haben, daß Sie allen Ihren Kollegen das Buchstabieren beibringen können, irgendwo werden Sie bestimmt noch auf Probleme stoßen.
Ein Beispiel. Eines Tages spielte in irgendeinem Labor ein Computer namens "Pythagoras" (sic!) verrückt und begann, über das Netzwerk eine gewaltige Menge an Fehlermeldungen an einen Administrator im Rechenzentrum zu senden. Der Administrator, der außer dem "Szaziki" aus der Mensa keine weiteren griechischen Philosophen kannte :-), hatte diesen Computer nie zuvor gesehen (ein anderer hatte ihn eingerichtet und den Namen vergeben), aber er mußte dieses Problem jetzt lösen, denn das Netzwerk verstopfte sich zunehmend und sein eigener Computer wurde durch die Protokollierung der vielen Fehlermeldungen immer langsamer. Es war klar, daß der Administrator jedesmal Nachschlagen mußte, wie man "Pythagoras" schreibt, als er den Computernamen eintippen mußte. (Er hatte den Verdacht, daß es für den Computernamen eine Abkürzung gibt, aber dazu hätte er sich wiederum in einen anderen Computer einloggen müssen, und das Netzwerk verstopfte sich immer mehr.)
Aus technischen Gründen sollten Domain-Namen vermieden werden. In der Praxis ist es nicht immer ganz einfach, einen nicht-absoluten Domain-Namen zu vervollständigen ("full qualified domain name"). Die Resolver prüfen unvollständige Namen zuerst gegen Domain-Namen, bevor sie sie mit Computernamen vergleichen. Wir haben schon Mailprogramme gesehen, die Mails deswegen ablehnten, weil sie nur einen Namen im Domainteil hatten. Wenn Sie zum Beispiel von "foobar.de" eine Mail an "jniehaus@ada" (unvollständiger Domainteil) schreiben, so könnte die Mail je nach Mailprogramm entweder an "jniehaus@ada.foobar.de" oder an "jniehaus@ada.de" zugestellt werden, wenn wir einmal davon ausgehen, daß beide Domains existieren.
Domain-Namen sind entweder organisatorisch (z.B. "cia.gov") oder geographisch (z.B. "owl.de") orientiert. Durch Domain-Namen werden gewisse Verbindungen impliziert. So würde man einen Computer namens "Tahiti" auch ebendort vermuten. Auf jeden Fall kann das zu einiger Verwirrung führen, wenn das einmal nicht der Fall ist (Der Computer "tahiti.cia.gov" steht beispielsweise in Langley, Virginia. Wir dachten immer, das der Computer im CIA-Büro in Tahiti steht!) Und wenn der Computer dort wirklich in Tahiti stehen würde, so könnte man aus dem Namen schliessen, das dieses der einzige Computer dort ist. Und selbst wenn das jetzt zutreffen würde, wie lange noch?
Es gibt organisatorische und geographische Namen, die sich sehr gut als Computernamen eignen. Das sind genau diese Namen, die sich nicht sehr gut als Domain-Namen eignen. Als da wären Namen von Flüssen, mythologische Stätten und andere gestaltlose Namen ("Earth" ist derzeit noch nicht als Domain-Name vergeben).
Namen wie "Trottel" oder "Idiot" sind gute Namen, solange sie niemand anderes zu sehen bekommt. Aber wenn Sie jemals einem anderen Menschen ein Demo auf Ihrem Computer zeigen wollen, werden Sie vielleicht auf seinem Gesicht ein nervöses Zucken erkennen, sobald er Ihren Computernamen entdeckt hat. (Wer weiß, vielleicht mußte er sich dieses Schimpfwort heute morgen schon von seiner Gattin anhören?).
Viele Programme akzeptieren sowohl eine numerische Internet-Adresse als auch einen alphanumerischen Computernamen. Unglücklicherweise können aber nicht alle Programme zwischen diesen beiden Formen unterscheiden, vor allem dann nicht, wenn ein alphanumierischer Name mit einer Ziffer beginnt.
Namen, die ausschließlich aus hexadezimalen Zeichen bestehen, beispielsweise "beef", können ebenfalls problematisch sein. Auch sie können im Zweifelfalls sowohl als Hexadezimalzahl oder als alphanumerischer Computername interpretiert werden.
Ihr eigener Computer kann vielleicht mit Kommata, Sonderzeichen oder Kontrollzeichen im Namen umgehen, aber die meisten anderen Computer können es sicher nicht. Wenn Sie jemals daran denken, Ihren Computer an ein heterogenes Netzwerk anzuschließen, werden Sie die unterschiedlichen Philosophien der Hersteller kennenlernen, wer welches Zeichen als Sonderzeichen interpretiert und wer nicht.
Groß- und Kleinschreibung wird von der meisten Internet-Software ignoriert. Dieses wird in einigen Bereichen sogar vorausgesetzt. Schreiben Sie am besten alle Computernamen klein (und Sie ersparen sich zusätzlich das Festhalten der Shift-Taste).
So, nachdem wir gehört haben, was wir nicht tun dürfen, hier einige Anregungen zur Namensgebung, die erfolgversprechend sind.
Da Wörter wie "hoch" oder "bio" nicht gerade Computer-Jargon sind, kommen sie doch recht häufig in Diskussionen vor und rauben uns die Aufmerksamkeit, weil wir zuerst einmal darüber nachdenken müssen, wann nun der Computername gemeint ist und wann die ursprüngliche Bedeutung.
Wenn Sie Ihren Computer "Helmuth" nennen, können Sie sich in Sicherheit wähnen, solange niemand Ihrer Kollegen so heißt. Aber Sie bekommen ein Problem, wenn Ihr Boss beschließt, einen "Helmuth" einzustellen. Es ist weniger wahrscheinlich, daß Sie mit Namen wie "Sphinx" oder "Phoenix" Probleme bekommen werden.
Es ist sehr beliebt, eine zusammengehörende Gruppe von Computern in der gleichen Art und Weise zu benennen, wobei Sie Ihr Wissen und Ihr Einfallsreichtum unter Beweis stellen können. Ein simples Beispiel ist es, Farben wie "rot" oder "blau" zu benutzen. Auch persönliche Vorlieben lassen sich so dokumentieren, z.B. "bourbon" und "scotch".
Verschiedene Namensreihen sind endlich, so zum Beispiel die Sieben Zwerge. Wenn Sie also Ihre ersten sieben Computer bestellen, denken Sie daran, daß sie im nächsten Jahr vielleicht weitere bekommen. Farbnamen werden Ihnen nicht so schnell ausgehen.
Weitere Anregungen sind:
Haben Sie es begriffen?
Zufällig zusammengestellte Zeichen sind aus dem gleichen Grund ungeeignet, wie sie nützlich für Paßworte sind. Sie sind nur schwer zu merken. Benutzen Sie reale Worte.
Sehr bekannte Computernamen, wie "sri-nic", "uunet" oder "internic" sollten auf jeden Fall vermieden werden, weil sie im Gespräch auch ohne Domainangabe wie eine absolute Adresse interpretiert werden. In allen anderen Fällen unterscheidet der Domainteil gleiche Computernamen, so wie gleiche Telefonnummern durch die Vorwahl unterschieden werden. Innerhalb einer Domain darf ein Name natürlich nur einmal vergeben werden.
Mit anderen Worten, wenn Sie sich einmal für einen vernünftigen Namen entschieden haben, brauchen Sie nicht besorgt sein, daß jemand diesen Namen schon an einer anderen Hochschule oder in einer anderen Subdomain vergeben hat, die mit Ihrer nicht identisch ist. Die Anzahl an Computern in einer Subdomain ist klein und so sollte es Ihnen nicht allzuschwer fallen, einmalige Namen in Ihrer Subdomain zu wählen.
Hier ist wohl keine nähere Erklärung notwendig. Obwohl, an dieser Stelle sollte man Ihnen sagen, daß Sie mit einer Menge Frust zu kämpfen haben werden, wenn Sie sich später einmal dazu entscheiden sollten, den Namen Ihres Computers doch zu wechseln (in irgendetwas sinnvolleres, als Sie auf den ersten Blick vielleicht gewählt haben). Auch wenn sich der Wechsel des Namens in der Bedienungsanleitung recht einfach liest, werden Sie überrascht sein, wieviele Ihrer lieben Kollegen Ihren Computernamen fest in ihre Programme eingebaut haben, und Sie selbst haben das vielleicht auch getan. Alle Abhängigkeiten und Querverweise müssen gefunden und korrigiert werden. Ihre Kollegen hier und an anderen Hochschulen und Einrichtungen müssen über die neue Mailadresse informiert werden und Sie sollten sich immer vor Augen führen, daß auf Ihren alten Sicherungsbändern auch nur der alte Name steht.
Man könnte so fortfahren, aber dann wäre es einfacher, Sie würden diesen Text einfach vergessen.
Die meisten Leute kommen nicht in die Verlegenheit, mehr als einen oder zwei Computer benennen zu müssen, während Ihre Kollegen im Rechenzentrum wesentlich mehr Computer zu betreuen und zu benennen haben. Durch die bedachte Wahl eines Computernamens geben Sie sowohl den Anwendern als auch den Betreuern die Gelegenheit, sich leicht an den Namen ihres Computers zu erinnern, ihn leicht auszusprechen und einzutippen.
Ich habe versucht, nützliche Richtlinien aufzustellen, wie man Computer benennen kann. Zahlreiche Beispiele machen meinen Standpunkt einsichtig. Während meiner Zeit sowohl als Benutzer als auch als Betreuer von Computern konnte ich die meisten der hier genannten Erfahrungen selbst machen, ohne daß ich große Lust verspüre, diese Probleme noch einmal zu durchleben. Hoffentlich werden Sie jetzt alle diese Fallstricke umgehen, indem Sie einen "guten" Namen für Ihren Computer wählen.
Mein Dank geht an folgende Personen für Vorschläge zu diesen Richtlinien und Teilnahme an zahllosen Diskussionen zum Thema Computernamen: Ed Barkmeyer, Peter Brown, Chuck Hedrick, Ken Manheimer and Scott Paisley.
Dieses Essay erschien zuerst in "Communications of the ACM", November 1989, zusammen mit einem Cartoon von Gary Larson, nachgedruckt mit Erlaubnis des United Press Syndicate. Dieser Text ist nicht durch ein Copyright geschützt, weil es ein Werk des National Institute of Standards and Technology ist. Trotzdem, der Autor, CACM and NIST bitten darum, daß diese Informationen nur zusammen mit dem Text nachgedruckt werden.
Don Libes
Integrated Systems Group
National Institute of Standards and Technology
Gaithersburg, MD 20899
Phone: (301) 975-3535
Mail: libes(at)cme.nist.gov
Dieser Text basiert auf dem RFC 1178 / FYI 5 von Don Libes, "Choosing a Name for Your Computer", August 1990