Sonntag, 21 Jan 2018
 
 

wohlfühlen und ruhen

wohlfühlen [fc-foto:9801480]

Foto: Martin Berlin (2007)

Schlaf- und Badezimmer werden eine Einheit, verschmelzen zu einem privaten Wohlfühl- und Rückzugsraum. Hier entsteht der intime Bereich der Wohnung. Wellness und Ruhe finden hier eine Heimat.

Auch hier stagniert die Entwicklung der Schlafzimmereinrichtung seit geraumer Zeit und reduzieren sich auf neue Bettenkonstruktionen mit sehr großen Kopfteilen und immer voluminöseren Matratzen.

Minimale technische Rahmenbedingungen von wohn-vision-textlogo für Wohlfühlräume:

  • barrierefrei
  • Dusche befahrbar (? 150 x 150 cm) mit Sitzmöglichkeit, Einhandarmaturen, voreinstellbare Mischbatterie. Fixer großer Duschkopf in der Decke, flexible Schlauchdusche zusätzlich.
  • Waschbecken unterfahrbar, flache Beckenkonstruktion, Einhandarmaturen
  • Apothekerschränke sind die erste Wahl, da von zwei Seiten leicht zugänglich und - falls das Konzept passt - in jeder Tiefe einbaubar.
  • Kombinationen von Wannen und Liegen (erste Entwürfe: Duravit) sparen Platz und erfüllen künftige Nutzungsansprüche.
  • hohe, schmale Spiegel um sowohl stehenden, als auch sitzenden Personen eine Benutzung zu ermöglichen.
  • LED-Nachtlicht
  • Helle Ausleuchtung, ruhige, spiegelarme Böden, zu- und abschaltbare Beleuchtungsoptionen (ältere Menschen versuchen nachlassende Hörfähigkeiten durch Ablesen von den Lippen zu kompensieren. Dazu muss eine helle Ausleuchtung möglich sein. Andererseits werden Badräume immer stärker als Rückzugs- und Ruheräume genutzt, so dass eine lichtechnisch clevere Minimalausleuchtung möglich sein muss.)
  • Flexible Lichtstärken z.B. durch mehrfache Touch- oder Geräuschsysteme.

Dazu gibt es Tendenzen, die das Konzept eines "Wohlfühlbereichs" kennzeichnen:

  • Ruhe, Entspannung, Wohlbehagen werden durch ein sehr zurückhaltendes Interieur begünstigt. Einfache Materialien, puristisches Design und sparsame Möblierung sind dafür beste Voraussetzungen.
  • Lichtkonzepte (wechselbare Lichtfarben) gehören selbstverständlich zu jedem Wohlfühlraum der Zukunft.

Unser Ziel: Entwürfe zu gestalten, die diesen Ansprüchen genügen, die auf der Nutzung gebrauchter Rohstoffe beruhen und zu deren Realisierung ein durchschnittliches Einkommen ausreicht.

Dazu gibt es einige - gegenüber den heute angebotenen traditionellen Konzepten - offensichtliche Einsparpotenziale:

  • Böden: warum teure Fliesen? Entweder man nutzt eine teure Fußbodenheizung oder man greift auf natürliche Rohstoffe zurück, die keine Fußkälte erzeugen - z.B. Holzfußböden. Das Bäder gekachelt werden müssen, entspringt einer veralteten Badideologie. Es galt dadurch den "Hygienebereich" in der Wohnung zu kennzeichnen. Viele Fliesen glänzen, was Reinheit signalisiert. Man war der Meinung, dass bei jedem Waschgang Unmengen Wasser großräumig verteilt würden, die jeden Holzboden in kurzer Zeit durchfaulen ließen. Und schließlich sind Fliesen für den Sanitäthandel ein riesen Geschäft. Während man Wohnzimmer, Küchen etc. in regelmäßigen Zeitabständen gestrichen hat, wanderte die Moderne der Badkeramik von Beige über Badgrün zu Weiß und Schwarz. Zugegeben, die Renovierungsintervalle von Bädern sind bisher viel größer als die anderer Räume. Das ist dem damit verbundenen finanziellen Aufwand geschuldet. Der Umkehrschluss ist wichtig: wer sich jahrelang unzufrieden in einem subjektiv ungemütlich empfundenen Raum wäscht, wird nie mehr in diesem Raum machen, als eben dies. Einen solchen "Missachtungsluxus" sollten wir uns in Zukunft nicht mehr leisten.
  • Badewannen: warum Badewannen, wenn man unter der Dusche auch sauber wird? Badewannen waren in der Vergangenheit das zentrale Möbel im Bad. In ihnen lag die Heimat des Wohlfühlens. Wer Zeit und Muse aufbrachte, verbrachte darin seelige Stunden bei Kerzenlicht und psychedelic Rock, Pop, Klassic oder ähnlichem. Dies ist und wird sicher für alle Zeiten ein wunderbares Erlebnis bleiben. Aber: es ist hoher Luxus, den sich 2020 nicht jeder leisten können wird und deshalb werden Liegen oder Ruheflächen einen Teil dieses Genusses übernehmen und nebenbei die Kosten für die Badeinrichtung erheblich senken (weniger Rohrleitungen, geringerer Wasserverbrauch und geringere Einrichtungskosten).
  • Duschkabinen: warum beengte Duschkabinen, wenn es viel einfachere Lösungen gibt? Duschkabinen entspringen erneut der traditionellen Auffassung möglichst wenig Wasser auf Böden zu verspritzen und den zu reinigenden "Emissionsbereich" so zu minimieren. Wenn schon keine Badewanne, dann will man wenigstens einen überragenden Duschkopf. Die Minidinger verschwinden und Eimerdeckel große Spritzteile benetzen den ganzen Körper mit warmem Sommerregen (eine Durchflussmenge von 9 bis 12 l/Min. macht die Tellerkopfbrausen zu sparsamen Duscheinrichtungen). Dazu sind große Duschareale hilfreich und deshalb nimmt die Zahl der Mauern in Bädern zu. Eine einfache Mauer mit seitlichem Zugang und einem gekachelten oder gefliesten Bodenbereich (Rohstoffe am richtigen Platz sind hilfreiche Produkte und hier sind Fliesen eben nachhaltig) bietet Privatsphäre, Großzügigkeit und kann locker mit dem Rollstuhl genutzt werden. Die heutige Beleuchtungstechnik hat beliebig viele Optionen um den Duschbereich zum Highlight des Bades zu machen.

wohn-vision-textlogo versucht kostengünstige, aber effektive Einrichtungen zu entwickeln. Barrierefreiheit steht dabei ganz vorne. Natürlich genügen alle Überlegungen den Vorgaben der DIN 18025. Da viele Menschen auf eine Unterstützung angewiesen sind, finden Sie hier auch eine Kurzinformation zur Frage: "Wer übernimmt welche Kosten?"

Aber auch im Schlafbereich gibt es diverse Ideen:

Schäfchen zählen, Baldrian schlucken, Milch mit Honig trinken – die Zeiten sind vorbei. Wie man sich bettet, so schläft man, auch im Schlafzimmer der Zukunft. Dann räkeln wir uns auf dem Multimedia-Bettlaken und kuscheln unter der sensorgesteuerten Daunendecke. Den Rest besorgen mobile Datenträger, Projektoren und das Internet. Einschlafen: ein Event!

So jedenfalls will es eine Design-Studie des niederländischen Elektronik-Konzerns Philips. "Noah's Ark" heißt diese Studie, Arche Noah, was so ähnlich klingt wie Abrahams Schoß.

Technisches Herzstück ist der eiförmige Projektor Nebula, der mit einer Internet-Datenbank vernetzt ist und Bilder an die Decke wirft. Dazu schiebt der Nutzer Datenträger, die wie zu groß geratene Tabletten aussehen ("Pebbles"), in eine Tasche über der Bettkante. Schon ziehen Wolken über die Zimmerdecke, erscheinen Sternenhimmel, Landschaften oder Farbspiele dort oben, untermalt von einschläfernden Sphärenklängen oder aufmunterndem Vogelzwitschern.

Wahre Tausendsassas sind die in Bettlaken und Bettdecke eingelassenen Sensoren. Damit lassen sich Raumtemperatur und Licht steuern. Außerdem tasten sie die Körperbewegungen des Schläfers ab und werfen die Daten ebenfalls über den Projektor als Bild an die Zimmerdecke.

Der zwischenmenschliche Gedankenaustausch kommt trotz High- Tech nicht zu kurz. Im Gegenteil: Will der Ehemann seiner Frau spätabends aus dem Büro noch einen geschriebenen oder gemalten Gute-Nacht-Gruß zukommen lassen, beamt er ihn via Internet an die Zimmerdecke im heimischen Schlafzimmer. Dort oben könnte auch die Erinnerung prangen: "Morgen bitte ausschlafen lassen!" Die lästige Zettelwirtschaft ist passé.

Auch der Wecker hat es in sich: Sobald seine Weckfunktion eingeschaltet ist, leitet er zwei Farbpunkte an die Wand, die sich langsam aufeinander zu bewegen. Vorteil für den Schläfer: Sollte er nachts aufwachen, weiß er sofort, wieviel Zeit noch bis zum Aufstehen bleibt. Sobald sich die Punkte berühren, befreit das individuell programmierte Weckprogramm den Schläfer aus Morpheus' Armen.

Kann das die Schlafzimmer-Zukunft sein? Überall Sensoren, meine Körpertemperatur im Diagramm an der Decke und lächerliche Weckerpunkte, die man nicht mit dem Hausschuh auswerfen oder mit einem frustrierten Faustschlag den Garaus machen kann. Stattdessen virtuelle Botschaften an der Zimmerdecke, als zwischenmenschlicher Gedankenaustausch deklariert, oder gefakter Sonnenschein, wenn draußen die Welt bei -20 °C untergeht. In Noah`s Arche war es vielleicht ganz praktisch, unkontrollierte Körperbewegungen auf dem Schirm zu haben, sonst hätte das Boot Schlagseite bekommen – aber welcher Mensch will seine sportlichen Aktivitäten des nachts im Deckendiagramm verfolgen? Das erinnert doch alles schwer an die zweckmäßige Überwachung pflegebedürftiger Menschen – nur dahin kommen wir alle noch früh genug und dann kann eine solche Sensortechnik wirklich gute Dienste leisten.

Wir sehen den Menschen im Mittelpunkt unserer Wohn-Visionen. D.h. es gibt Zeiten, da ist jeder Sensor und technische Schnick-Schnack im Ruhebereich der Wohnung fehl am Platze und es gibt andere, da retten sie Leben. Das feine Abwägen zwischen Elektrosmog, medialer Kommunikation und Erleichterung von Pflegetätigkeiten wird unser Wohnen in Zukunft ganz entscheidend prägen.