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26. Juli 2017 14:47

Wie viel sind wir bereit, für nachhaltige Lebensmittel zu zahlen? Ergebnisse eines ökonomischen Laborexperiments

Prof. von Blanckenburg (Foto Bernhard Preuß, LZ)

Sind Konsumenten bereit, mehr für Lebensmittel zu bezahlen die mit einem Nachhaltigkeitslabel gekennzeichnet sind als für konventionelle Produkte? Und wenn ja, steigt die Zahlungsbereitschaft für ein Produkt proportional zu der Zahl der Nachhaltigkeitslabel auf diesem Produkt? Diesen Fragen sind Eva Tebbe und Professor von Blanckenburg vom Lehrgebiet Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsmathematik des Fachbereichs Produktion und Wirtschaft im Rahmen eines verhaltensökonomischen Laborexperimentes nachgegangen. Dabei wurden mittels ökonomischer Anreizmechanismen reale Zahlungsbereitschaften von Studierenden für gelabelte und ungelabelte Lebensmittelprodukte erhoben. Die Ergebnisse des Experiments bestätigen ein Muster, welches vermutlich viele intuitiv erwarten würden: Zwar gibt es eine Mehrzahlungsbereitschaft für nachhaltig gelabelte Produkte, jedoch beträgt diese im Schnitt gerade mal ca. 14% dessen, was die Studierenden für ein konventionelles Produkt ausgeben würden – und ist somit weit entfernt von dem Preisaufschlag, der oftmals für nachhaltig gelabelte Produkte am Markt zu zahlen ist. Außerdem kennen nur die wenigsten Experimentteilnehmer die Kriterien zur Vergabe der getesteten Labels. Entsprechend steigt die Zahlungsbereitschaft nicht signifikant stärker, wenn ein Produkt mit mehr als einem Label ausgestattet ist, als wenn es nur mit einem Label assoziiert wird. Das Bild, welches die Ergebnisse der Analyse abzeichnen, deutet auf ein verhaltensökonomisches Phänomen namens „Embedding Effect“ hin: Die Mehrheit der Experimentteilnehmer bewertet Nachhaltigkeit gemäß eines „Alles-oder-Nichts“-Prinzips, sodass es in ihren Augen keine verschiedenen „Stufen der Nachhaltigkeit“ gibt. Diese Ergebnisse – obwohl intuitiv zu erwarten – konnten in diesem Forschungsprojekt erstmals für eine große Zahl von Produkten und Nachhaltigkeitslabels gezeigt werden und sind in der referierten Fachzeitschrift „Agricultural Economics“ zur Veröffentlichung angenommen

Die Lippische Landeszeitung berichtete am 25.07.2017.