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Gemeinkostenmanagement über Elastizitätskennzahlen (2014)

Hinrichsen, S.: Gemeinkostenmanagement über Elastizitätskennzahlen. In: Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung. 26 (2014) 6, S. 328 - 333.

Vor dem Hintergrund des Trends steigender Gemeinkosten im Fertigungs- und Verwaltungsbereich ist der Anwendung von Methoden des Gemeinkostenmanagements eine zunehmende Bedeutung beizumessen. Im Rahmen dieses Beitrags werden bestehende Methoden kurz erläutert und beurteilt. Im Anschluss daran wird ein neuer Ansatz des Gemeinkostenmanagements auf Basis von Elastizitätskennzahlen anhand eines Fallbeispiels vorgestellt.

Zweck dieser neu entwickelten Methode ist es, Unternehmen ein einfaches, aber wirksames Instrument des Kostenmanagements bereitzustellen. Der Fokus der Methode und des sich anschließenden Fallbeispiels liegt auf den Personalkosten, da diese in Deutschland in vielen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes von besonderer Relevanz sind. Die Methode basiert auf der Hypothese, dass es keine fixen Personalkosten gibt, sondern nur Personalkosten mit unterschiedlicher Elastizität in Bezug zum Auftragsvolumen. Zentrale Kenngröße der Methode ist die vor allem in der Volkswirtschaftslehre genutzte Größe der Elastizität. Als abhängige Variable wird die prozentuale Änderung der Personalkosten k der Periode i im Vergleich zu den Personalkosten der Referenzperiode R verwendet. Als unabhängige Variable fungiert die prozentuale Änderung des Auftragsvolumens q der Periode i im Vergleich zum Auftragsvolumen der Referenzperiode R.

Die Methode des Managements der Personalkosten über Elastizitätskennzahlen soll dazu beitragen, Führungskräfte und Beschäftigte in Betrieben dafür zu sensibilisieren, dass das Modell einer strikten Trennung von (Personal-) Einzel- und Gemeinkosten sowie von variablen und fixen Kosten vielfach nicht annährend der Realität entspricht. Vielmehr ist es im Rahmen des Kostenmanagements hilfreich, Kosten nach dem Grad ihrer Elastizität in Bezug zum Auftragsvolumen zu unterscheiden und die Flexibilisierungspotenziale von Kosten zu nutzen.

Die vorgestellte Methode ist als ergänzende Methode des Kostenmanagements zu verstehen. Ihre Anwendung kann sowohl im Rahmen des gesamten Budgetierungsprozesses als auch im Rahmen des Zielkostenmanagements hilfreich sein, da eine Kenntnis der Elastizität einzelner Kosten insbesondere in der Planung von Relevanz ist. Im Rahmen des Budgetierungsprozesses kann die Methode dazu beitragen, diesen Prozess zu objektivieren, indem vergleichbare Bedingungen in einzelnen Kostenstellen zu gleichen Anforderungen an die Kostenelastizität führen.

Die Methode zielt darauf ab, sogenannte Gemein- bzw. Fixkosten zu flexibilisieren, kann aber ebenso in Bezug auf typischerweise als Einzelkosten bezeichnete Kosten angewendet werden. In diesem Fall stellt sich die Frage, inwieweit sich die als Einzelkosten klassifizierten Kosten tatsächlich im Zeitverlauf proportional elastisch entwickeln.