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Ökoaudit

Bei dem System-Öko-Audit geht es um die Überprüfung des betrieblichen Umweltmanagementsystems, also um die Art und Weise, wie die Unternehmensleitung und die verschiedenen Unternehmensbereiche den Umweltschutz angehen.
Im Juli 1993 erließ die Europäische Union die "Verordnung (EWG) Nr. 1863/93 des Rates über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung" meist kurz "EG-Öko-Audit-Verordnung" (engl. EMAS für Environmental Management Auditing Scheme) genannt. Ihre Anwendung in den EU-Mitgliedsstaaten ist nach Ablauf einer Frist für die Umsetzung in nationales Recht seit dem 13. April 1995 möglich.
Das Ziel der EG-Öko-Audit-Verordnung ist es, im betrieblichen Umweltschutz einen langfristigen kontinuierlichen Verbesserungsprozeß in Gang zu setzen.
Die EG-Öko-Audit-Verordnung steht für einen neuen Typus umweltpolitischer Instrumente, mit denen die EU versucht, die Umweltsituation über indirekte Regelungen zu verbessern. Grundgedanke dabei ist, Umweltschutz nicht allein durch Grenz- und Richtwertvorgaben, Steuern oder Abgaben unter hohem Verwaltungsaufwand voranzutreiben, sondern vermehrt auf die Kräfte und Dynamik der freien Marktwirtschaft zu setzen.

Ökoaudit für das nicht produzierende Gewerbe:

Mit der am 10.02.1998 in Kraft getretenen Erweiterungsverordnung zum Umweltauditgesetz ist das Umwelt-Audit-System in Deutschland auch auf Dienstleistungssektoren wie z.B.

- den Handel, den Verkehr,
- das Gastgewerbe,
- Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung,
- Unternehmen des Abwasserbeseitigung,
- Post- und Fernmeldedienste,
- Hochschulen,
- Krankenhäuser,
- die Kredit- und Versicherungswirtschaft und Kommunalverwaltungen

ausgedehnt worden.


Mit der "Erweiterungsverordnung" wird geregelt, in welchem Umfang das Instrument des Ökoaudit über das produzierende Gewerbe hinaus auf andere Unternehmen und Verwaltungen erstreckt wird. Bislang konnten sich an dem System der EG-Umweltaudit-Verordnung nur Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, der Energieerzeugung und der Abfallwirtschaft sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden beteiligen. Das auf der Grundlage der EG-Umweltaudit-Verordnung erlassene Umweltauditgesetz ermächtigt die Bundesregierung aber zur Einbeziehung weiterer Branchen in das Umweltmanagementsystem. Ziel der Bundesregierung ist es, durch Anreize den Umweltschutz auch in den neuen Sektoren zu verbessern.
Eine vorausschauende, umweltorientierte Unternehmensführung kann intelligente Lösungen für Produkt- und Prozeßgestaltung sowie für organisatorische Strukturen identifizieren und umsetzen. Das Umweltmanagement dient dabei nicht nur dem Umweltschutz, sondern eröffnet durch vielfältige ökonomische Vorteile auch neue Chancen im Wettbewerb. Daß dies bereits viele Unternehmen erkannt haben, zeigen die mehr als 1600 Unternehmensstandorte, die im Rahmen des Audit-Systems registriert sind.

EMAS II:

Nach fünf Jahren wurde die EG-Ökoaudit-Verordnung (EMAS) erstmals einer grundlegenden Revision unterzogen. Ein entsprechender Entwurf der EMAS II wurde der EU-Kommision im Oktober 1998 vorgestellt. EMAS II wird aus einem allgemeinen Artikelteil und acht Anhängen bestehen.
Eine der wesentlichsten Änderungen ist die vollständige Integration der Anforderungen der ISO 14001 an das Umweltmanagementsystem. Im Anhang I A wird auf das Abdrucken des ISO-Textes verzichtet und nur auf ihn verwiesen. Außerdem werden in Zukunft auch für die erste Validierung Nachweise über die Durchführung interner Umweltmanagementsystem-Audits sowie eines Management-Reviews verlangt.
Die EMAS II hebt in Anhang I B einige Punkte gegenüber der ISO 14001 besonders heraus:

Die Einhaltung der Rechtsvorschriften wird als Anforderung explizit formuliert. Werden bestehende Umweltrechtsvorschriften nicht erfüllt, darf die Organisation nicht validiert werden.
Die Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung wird betont.
Die kontinuierliche Verbesserung soll in der Umwelterklärung erkennbar sein.
Die Vermeidung der Umweltauswirkungen entsprechend EVABAT (Anwendung der besten verfügbaren Technik, soweit wirtschaftlich vertretbar) ist nicht mehr vorgesehen. Das Kriterium der wirtschaftlichen Vertretbarkeit soll gestrichen werden, so daß nur noch die beste verfügbare Technik berücksichtigt wird.
Der Standortbegriff soll durchgehend durch den Begriff der Organisation ersetzt werden. Dadurch soll Organisationen mit einer Vielzahl von Liegenschaften (z.B. filialisierende Unternehmen, Kommunen) die Teilnahme am System erleichtert werden.
Die Branchenbeschränkung soll entfallen, so daß alle Organisationen teilnehmen können.
Die Erstellung einer Umwelterklärung ist weiterhin erforderlich, die aber mehr als eine Zusammenstellung von Informationen zu verstehen ist. Sie muß nicht mehr als gedruckte Fassung vorliegen.
Die EMAS II sieht nur noch die Beschreibung der wesentlichen Umweltaspekte vor. Eine Beurteilung der Umweltauswirkungen und die detaillierte Beschreibung der beeinflussenden Parameter ist nicht mehr erforderlich.
Es ist nur noch die Darstellung der Umweltziele vorgesehen. Das gesamte Umweltprogramm muß nicht mehr dargestellt werden.
Die Umwelterklärung muß künftig jährlich aktualisiert und von einem Umweltgutachter für gültig erklärt werden.
Die Teilnahmeerklärung soll durch ein neues Logo ersetzt werden. Die Werbewirksamkeit soll durch die Möglichkeit der Verwendung auf Produktbeschreibungen und -informationen erhöht werden.
Bei den zu berücksichtigenden Umweltaspekten wird nun zwischen direkten Umweltaspekten (Emissionen, Abwasser, Abfälle usw.) und indirekten Umweltaspekten (Investitionen, Versicherungen, Kredite usw.) unterschieden.
Die Mitgliedsstaaten werden dazu aufgefordert, die Berücksichtigung der EMAS-Registrierung bei der Anwendung und Kontrolle der Umweltgesetze zu prüfen, um die Verwaltungsvereinfachung und Entbürokratisierung voranzutreiben.
Die Arbeitnehmerbeteiligung und die Qualifikation der Beschäftigten werden explizit in der EMAS II gefordert.
Umweltgutachter müssen jetzt vor ihrer Zulassung mindestens die Teilnahme an drei Umweltaudits unter Aufsicht eines seit drei Jahren tätigen erfahrenen Prüfers nachweisen. Eines der Audits sollte im Ausland stattgefunden haben.

 

Mit der EMAS II wird zusätzlich das Forum der Akkreditierungsstellen geschaffen. Dieses neue Gremium soll Leitlinien zu Fragen der Zulassung und Aufsicht von Umweltgutachtern erarbeiten sowie ein Verfahren zur gegenseitigen Überprüfung der Akkreditierungsstellen entwickeln.
Die Attraktivität der EMAS wird durch die Neuregelungen in der EMAS II deutlich erhöht.
Mit ihrem Inkrafttreten wird eine weitaus deutlichere Privilegierung der teilnehmenden Organisationen durch Fördermittel und gesetzliche Maßnahmen (z.B. Privilegierungs-
verordnung zum Umweltgesetzbuch) erfolgen.

alte EMAS EMAS II
eher marginale rechtliche Vorteile deutliche Erleichterung in der Gesetzgebung geplant
Brancheneinschränkung Ausweitung auf alle Branchen
unübersichtliche Struktur des UMS Organsationsbezug
geringe Öffentlichkeitswirkung verbesserte Werbung durch EMAS-Logo

Als wesentliche Aspekte der Verordnung sind folgende Punkte zu nennen:

Die Eigenverantwortung der Industrie für die Bewältigung der Umweltfolgen ihrer Tätigkeiten,
Die Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes und zur Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften,
Die Information der Öffentlichkeit über die Umweltaspekte der betrieblichen Aktivitäten.

Im Vordergrund steht die Einrichtung eines Umweltmanagementsystems, das die Unternehmen in die Lage versetzen soll, ihre Umweltziele und ihre Umweltverantwortung mit modernen Mitteln wahrzunehmen.
Das Umweltmanagementsystem koordiniert und steuert die verschiedenen umweltbezogenen Aufgaben im Unternehmen und setzt sie effizient um. Die EG-Öko-Audit-Verordnung verschiebt damit im Umweltbereich den Handlungsschwerpunkt vom technischen auf den organisatorischen Bereich.
Das EG-Öko-Audit ist die logische Weiterentwicklung von Instrumenten, die in den letzten Jahren in verschiedenen Ausprägungen für das betriebliche Umweltmanagement entwickelt wurden. Hierzu zählen:

 

Der Umweltcheck,
Das Umweltcontrolling und
Die betriebliche Ökobilanz.

Zielsetzung:

Die Zielsetzung eines Ökoaudits ist es, den Umweltschutz eines Betriebes kontinuierlich zu verbessern. Dies wird erreicht, wenn:

Umweltpolitik, Umweltprogramm und Umweltmanagementsystem standortbezogen festgelegt und umgesetzt werden. Nur angemessene Managementstrukturen sorgen dafür, daß der Umweltschutz kontinuierlich betrieben und fortschrittliche Umwelttechnik wirksam eingesetzt wird.
Die Umweltleistung eines Betriebes systematisch, objektiv und regelmäßig bewertet wird. Ein regelmäßiger Soll-Ist-Vergleich von Zielvorgaben und praktischer Zielerfüllung zeigt den Fortschritt an und liefert Ansätze für eine weitere Verbesserung.
Informationen über die betrieblichen Umweltleistungen für die Öffentlichkeit bereitgestellt werden. Informationen sind die Basis für den Dialog mit der Öffentlichkeit. Nur der offene Dialog schafft Vertrauen.

Der Aufbau eines Umweltmanagementsystems erfordert eine ganze Reihe unterschiedlicher Schritte. Am Anfang steht vor allem eine gründliche Bestandsaufnahme des betrieblichen Umweltschutzes, während später die regelmäßige Überprüfung der Umweltpolitik und -leistung von Bedeutung ist.


Elemente:

Die Schritte im ersten Durchlauf sind:

Formulierung einer Umweltpolitik,
Durchführung einer Umweltprüfung,
Festlegung eines Umweltprogrammes,
Aufbau eines Umweltmanagementsystems,
Erstellung eines Umwelthandbuches,
Durchführung der Umweltbetriebsprüfung,
Erstellung einer Umwelterklärung,
Prüfung durch einen Umweltgutachter,
Eintragung beim Standortregister.

Was sich genau hinter den einzelnen Begriffen verbirgt und welche konkreten Tätigkeiten von den Unternehmen zu leisten sind, ist im Glossar erläutert.
Ein erfolgreich bewerteter Betrieb muß sich nach spätestens drei Jahren erneut bewerben, um die Berechtigung zum Führen des Emblems nicht zu verlieren. Die einmal erhaltene Teilnahmeerklärung ist damit kein Endergebnis oder gar Siegel für einen Idealzustand, sondern – im Gegenteil – die Verpflichtung zu einer kontinuierlichen Verbesserung des Umweltschutzes im Unternehmen. Ist die Umwelterklärung für gültig erklärt und eingetragen, gilt es die langfristigen Aufgaben zu erfüllen:

 

Fortschreibung der umweltrelevanten Daten,
Umsetzung des Umweltprogrammes,
Überprüfung und Anpassung der Umweltziele und Umsetzung,
Überprüfung und ggf. Anpassung des Umweltmanagementsystems.

Umweltmanagementsysteme:

Neben den Aktivitäten der EU-Kommission gibt es auch im Bereich der nationalen und internationalen Normung – also der privatrechtlichen Vereinbarungen der Wirtschaft – die Bestrebung, für die Umsetzung von Umweltmanagementsystemen einheitliche Vorgaben zu schaffen. Auf internationaler Ebene sind diese Anstrengungen im Technischen Komitee (TC) 207 der International Standardization Organisation (ISO) zusammengefaßt. 

Um die Anbindung an internationale Standards zu ermöglichen, sieht die EG-Verordnung in Artikel 12 die Einbeziehung entsprechender Normen vor. Die ISO 14001 ist eine rein privatwirtschaftliche Lösung und erlaubt daher keine Überprüfung und Registrierung durch hoheitliche Einrichtungen wie der EG-Kommission.

Entscheidungshilfe

Die Einführung von Umweltmanagementsystemen bedarf der Planung, um die für das Unternehmen oder den Standort relevanten Aspekte wie rechtliche Vorgaben, eigene Ziele, die bestehende Organisationsstruktur und mögliche normative Vorgaben berücksichtigen zu können. In Abhängigkeit von der Größe des Standortes und den bestehenden Anforderungen gewinnt dabei ein erfolgreiches Projektmanagement an Bedeutung, um die Erfahrungen von Mitarbeitern in umweltrelevanten Schlüsselpositionen einbinden zu können. Durch verschiedene Arbeitshilfen läßt sich der Implementierungsprozeß unterstützen. Die Dokumentation des Umweltmanagements kann parallel zur Einführung erfolgen.


Der betriebliche Umweltschutz ist auch für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland schon seit längerer Zeit ein wichtiges Thema. Nicht nur wegen der großen Bedeutung von KMU für Wirtschaft und Umwelt, sondern auch aus dem Eigeninteresse dieser Unternehmen wird der Stellenwert von Umweltmanagement als Instrument vorausschauender Unternehmenspolitik in Zukunft zunehmen. KMU haben dabei besondere Schwierigkeiten mit einer in Art und Umfang dem Unternehmen angemessenen organisatorischen Umsetzung und Dokumentation des betrieblichen Umweltmanagementsystems. Eine sinnvolle und in der Praxis durch Schitag Ernst & Young erprobte Vorgehensweise sieht in einem ersten Schritt ein in der Tiefe begrenztes Umweltaudit vor, auf dessen Grundlage Maßnahmen formuliert und mit Prioritäten festgelegt werden. Für die erfolgreiche Umsetzung stellt auch in kleineren Unternehmen und Betrieben ein realistisches Projektmanagement eine unabdingbare Grundvoraussetzung dar. Weitere besonders für KMU wichtige Erfolgsfaktoren sind eine angemessene, möglichst einfache Dokumentation sowie das Nutzen externer Informationsquellen und Kooperationsmöglichkeiten.

Von zukunftsorientierten Unternehmen wird Umweltmanagement als Erfolgsfaktor angesehen. Unternehmen, die sich jetzt der Umwelt-Audit-Verordnung stellen, verschaffen sich Wettbewerbsvorteile, denn die Teilnahmeerklärung der EG-Verordnung ist ein wichtiges Gütesiegel für den Unternehmensstandort mit positiver Wirkung nach innen und außen.
Laut einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer e.V. lohnt sich die Einführung eines Umweltmanagements auch ökonomisch. Die Kosten haben sich bei etwa der Hälfte der befragten Unternehmen bereits nach weniger als 1,5 Jahren durch Ausschöpfen von Einsparpotentialen amortisiert. Von den meisten Unternehmen wird Umweltschutz und Umweltmanagement auch zukünftig als wichtig oder sogar sehr wichtiges Thema angesehen. Als zunehmend wichtig erachten auch Finanzdienstleister einen transparenten und effektiven Umweltschutz in den Unternehmen, da damit oft geringere Haftungs- und Kreditrisiken verbunden sind.

Umweltkommunikation:

Umweltkommunikation ist in vielen Unternehmen fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Information und Offenheit sind dabei wichtige Aspekte.
Einerseits intern, gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, andererseits extern, gegenüber Kunden, Behörden und der Nachbarschaft.
Wer zeigt, dass Umweltschutz nicht ausschließlich die Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften ist, sondern sich durch Transparenz und Engagement am Markt behauptet, geht einen großen Schritt in Richtung "zukunftsfähiges Wirtschaft".

Mitarbeiterinformation und -ausbildung ist eine notwendige Voraussetzung, um Umweltprojekte in Unternehmen umzusetzen. Dies wird in den bekannten Umweltmanagementsystemen wie Öko-Audit (EMAS) und ISO 14001 sogar gefordert.
Zentrale Aufgabe von Umweltschutzverantwortlichen ist es, Mitarbeiterschulungen zu organisieren, die "richtigen Leute" an einen Tisch zu bringen, um sie mit den entsprechenden Argumenten und Informationen zur Zusammenarbeit zu bewegen.