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Umweltcontrolling

Seit Mitte der 80er Jahre wurde mit dem Ökocontrolling ein Konzept entwickelt, das auf einen vorbeugenden und chancenorientierten Umweltschutz abzielt. Als Instrument zur erfolgreichen Steuerung und langfristigen Existenzsicherung von Unternehmen hat das betriebliche Umweltcontrolling in den vergangenen Jahren insbesondere in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen. Umweltcontrolling schließt die Planung, Steuerung und Prüfung des Unternehmens unter Berücksichtigung von Umweltbelangen ein. Es zeigt nicht nur Umweltkosten und ökologische Einsparpotentiale, sondern ebenso umweltrelevante Risiken und Chancen auf.

Wichtige Instrumente des betrieblichen Umweltcontrollings sind Ökobilanzen, Ökoaudits und Umweltkennzahlen. Beim betrieblichen Umweltcontrolling handelt es sich um eine führungsunterstützende und abteilungsübergreifende Querschnittsfunktion, die innerhalb des betrieblichen Umweltmanagements die Informationsfunktion, Planungsfunktion, Kontrollfunktion und Koordinationsfunktion umfaßt. Umweltcontrolling geht damit über das formale Ökoaudit hinaus. Für Unternehmen, die sich kein umfassendes Umweltmanagement oder teures Ökoaudit leisten können, bietet sich zumindest der schrittweise Auf- und Ausbau eines Umweltcontrollingsystems an. Mit ihm können die Ziele der langfristigen Gewinnmaximierung und der Existenzsicherung des Betriebes sichergestellt werden.

Da sich die ökologischen Herausforderungen für jedes Unternehmen unterschiedlich darstellen, müssen die Ansätze des Umweltmanagements entsprechend differenziert sein. Die Herangehensweise an die Umweltproblematik hängt dabei von der ökologischen Relevanz der Produktion und der Produkte ab. Aber auch die Entwicklung der branchenspezifischen Umweltschutzanforderungen, die Sensibilisierung der Marktpartner und Kunden sind Punkte, die berücksichtigt werden müssen. Entsprechend vielfältig sind die Aufgaben, die dem Umweltcontrolling-System zukommen.

Betriebliches Umweltcontrolling:

Das betriebliche Umweltcontrolling konzentriert sich auf:

interne technische Risiken (gehen direkt oder indirekt von der Produktion aus),
politische Risiken (sind im Zusammenhang mit Gesetzesvorhaben oder umweltpolitischen Forderungen zu sehen),
Marktrisiken (die beispielsweise dann bestehen, wenn die Verbraucher ihr Kaufverhalten zugunsten von Produkten ändern, die weniger umweltbelastend sind).

Danach sind für das Ökocontrolling insbesondere folgende Ansatzpunkte von Bedeutung:

Erfassung und Identifizierung umweltbedingter technischer Risiken (Ziel: Bewertung der Umweltrisikokosten) Hier werden beispielsweise die Störfallrisiken, die durch technisches und menschliches Versagen, durch Sabotage oder höhere Gewalt entstehen können, hinsichtlich ihrer Kostenwirksamkeit erfaßt. Im Rahmen einer "kostenorientierten Strategie" besteht die Aufgabe des Umweltcontrollings darin, eine umfassende ökologische Revision aller Funktionsbereiche des Unternehmens und aller Stufen des Materialflusses vorzunehmen, ökologisch überlegene Verfahren hinsichtlich ihrer längerfristigen Wirtschaftlichkeit mit den bestehenden Verfahren zu vergleichen und ein entsprechendes ökologisches Anpassungskonzept zu entwickeln. Erfassung und Identifizierung umweltbedingter politischer Risiken:
Eine weitere wichtige Aufgabe des Umweltcontrollings besteht darin, festzustellen, was aus rechtlicher Sicht auf den Betrieb zukommt. Mit anderen Worten: Der Stand und die Entwicklung der Umweltgesetzgebung in Deutschland und in Europa muß genau beobachtet werden. Zukünftige Rechtsvorschriften sollten – soweit erkennbar – bei heutigen Entscheidungen bereits berücksichtigt werden. Erfassung und Identifizierung umweltbedingter Marktrisiken und –chancen:
Im Rahmen einer "absatzorientierten Strategie" muß der Markt für Umwelttechnik, Umweltdienstleistungen und umweltfreundliche Produkte beobachtet werden. Denn die Bereitschaft der Kunden, bei ihren Kaufentscheidungen Wirkungen der Produkte auf die Umwelt mit einzubeziehen, ist nach wie vor hoch ("Umweltschutz – ein Qualitätsmerkmal").9

Ziele:

Unter Controllingzielen sollen jene Ziele verstanden werden, die Grundlagen und Ursachen für den Aufbau von Controllingsystemen sind. Auf die Unternehmung bezogen, können sich die Zielinhalte primär auf die Wirtschaftlichkeit in Form des Erfolges, der Rentabilität oder der Produktivität und auf die Liquidität beziehen.
Die wesentlichen Ziele des Controlling sind:

die Unterstützung der Planung,
die Koordination einzelner Teilbereiche und
die Kontrolle der wirtschaftlichen Ergebnisse.

Ursprünglich stand das Kontrollziel und die daran anknüpfende Wirtschaftlichkeitskontrolle im Vordergrund der Überlegungen. Im Laufe der Entwicklung lassen sich deutlich Verschiebungen in Richtung auf Planunterstützung und Koordination erkennen.

Aufgaben:

Unter Controllingaufgaben ist eine Solleistung zu verstehen, die der Erfüllung des Controllingziels dient. Die Bestimmung solcher Solleistungen beschränkt sich im Zusammenhang mit dem Controlling im Wesentlichen auf Aktivitäten, die den Kommunikations- und Informationsverarbeitungsprozeß betreffen.


Aktivitäten wie Informationsbeschaffung, Informationsaufbereitung, Datenanalyse, Beurteilung und Kontrolle zählen zu den wesentlichen Aktivitäten des Controllers. Herleitungsbasis für die Bestimmung der Controllingaufgaben sind die jeweiligen Ziele. Im Folgenden wird von einem Erfolgsziel mit der Liquidität als wichtigster Nebenbedingung ausgegangen. Dem Controlling sind nur solche Aufgabenbereiche zuzuordnen, die im Hinblick auf die Beeinflussung des Erfolgszieles als wesentlich angesehen werden. Die einzelnen Aufgaben sind außerdem im Hinblick auf die Controllingrelevanz zu beurteilen.

Prozess:

Der Ablauf des Ökocontrolling entspricht weitgehend dem Verbesserungskreislauf wie ihn die EG-Öko-Audit-Verordnung vorsieht. Während es sich bei den Umweltzielen, dem Umweltprogramm, der Umsetzung, Ökobilanzierung und Umweltbetriebsprüfung sowie der Umwelterklärung/-berichterstattung um Bausteine handelt, die periodischer Natur sind und in einer zeitlichen Reihenfolge stehen, stellen die organisatorischen und mitarbeiterbezogenen Aufgaben, die Ablaufkontrolle und Dokumentation kontinuierliche Elemente dar, die mit den "Kreislauf-Bausteinen" in vielfältigster Beziehung stehen.

Der Controllingprozeß beginnt mit einem Zielworkshop, in dem das Unternehmensleitbild und die ökologischen Problembereiche des Unternehmens angesprochen werden. Anschließend erfolgt eine Einführung in die Methodik der Ökobilanzierung und die Eingrenzung des Untersuchungsgebietes.
In der ersten Phase erfolgt die Erfassung der Material-, Stoff- und Energieströme im Betrieb. Die Erhebungstiefe muß auf die betrieblichen Anforderungen abgestimmt sein. Das Schema für die Datenaufbereitung entspricht dabei der Input-Output-Systematik der Ökobilanz. Aufgrund des großen Informationsdefizits im Umweltbereich ist eine vollständige Stoff- und Energiebilanzierung eines Unternehmens im Detail meist mit unverhältnismäßigem Zeitaufwand verbunden. Es ist aber notwendig, damit zu beginnen und auf diese Art und Weise über eine Ist-Analyse zu einer Dokumentation des gegenwärtigen Zustandes zu kommen.


Die durch die Datenerhebung und Auswertung offengelegten Schwachstellen lassen sich vor allem durch organisatorische Änderungen und sorgsamen Umgang mit Materialien beseitigen. Abgeschlossen wird das Projekt mit der Umsetzung und Kontrolle der ausgewählten Maßnahmen. Nur dadurch kann gewährleistet werden, daß es nach der Iststandserhebung auch zu einer faktischen Entlastung der Umwelt kommt. Dementsprechend ist auch die Ökobilanz kein Produkt an sich, sondern ein Instrument zur strukturierten Datenerfassung im Betrieb.


Da das Instrument dem Controllingverfahren nachgebildet ist, sollte es nicht mit einer einmaligen Bilanzierung abgeschlossen sein, sondern in einen Kreislauf münden, der effizient und weitestgehend standardisiert eine laufende Kontrolle der betrieblichen Aktivitäten ermöglicht.
Über die Maßnahmenkontrolle mittels Abweichungsanalyse und die neuerliche Zieldefinition und Bestandsaufnahme wird der Kreis zu einem laufenden Controlling geschlossen.
Der Abschlußbericht dient auch der Dokumentation nach außen. Die Erfüllung der gesetzlichen Auflagen und die durchgeführten Maßnahmen im Umweltbereich können transparent gemacht werden.

Controlling und internes Audit sind aneinander geknüpft und ergänzen sich durch gegenseitigen Informationsaustausch. Die Verantwortung für diese Delegation verbleibt jedoch grundsätzlich bei der Unternehmensführung.