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Hochschule Ostwestfalen-Lippe

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Motivation und Intention

Die Pflege und Entwicklung des kulturellen Erbes ist ein hochrangiges gesellschaftliches Anliegen. Zum kulturellen Erbe gehören nicht nur historische Schriften und geschichtsträchtige Baudenkmäler oder die Brauchtumspflege, sondern insbesondere auch Landschaften.

Kulturlandschaften verkörpern anthropogene Nutzungsabsichten (Werte und Ziele) und Nutzungsweisen der natürlichen Umwelt (Techniken), sichtbar z.B. in regionaltypischen Siedlungsformen oder Produktionsflächen. Kulturlandschaften sind dynamisch oder „transitorisch“ (Lucius Burkhard), d.h. einem permanenten Wandel ihres ästhetischen Erscheinungsbildes und ihrer ökologischen Qualität unterworfen, weil sich nicht nur Werthaltungen, sondern auch technische Möglichkeiten und soziokulturelle Ansprüche verändern.

  • Als Zeitspeicher konservieren Kulturlandschaften die jeweiligen Nutzungsspuren verschiedener Epochen, sind als solche aber nicht nur museale Dokumente, sondern pädagogische Impulse zur Reflexion des aktuellen und künftigen Umgangs mit Natur und Landschaft.

  • Als mit vielen „Kulturzeitschichten“ angereichert ist die heutige Kulturlandschaft multifunktional, d.h. dient nicht nur der land- und forstwirtschaftlichen Produktion, sondern ebenso dem Erhalt der Biodiversität, der Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und den Menschen als vielfältiger, abwechslungsreicher Rekreations- bzw. Erholungsraum.

  • Als Zukunftsräume inspirieren sie (in Kenntnis der Historie und auf dem Hintergrund der Generationen-Gerechtigkeit) verantwortungsvolle Landschaftsentwicklung.

 

Kulturlandschaften stehen im Spannungsfeld retrospektiver Pflege und prospektiver Entwicklung. Der Forschungsschwerpunkt widmet sich daher kulturhistorischen Landschaftsanalysen vor allem in der Absicht, daraus Erkenntnisse für innovative Konzepte nachhaltiger Kulturlandschaftsentwicklung zu generieren. Dies dient nicht nur der Erfüllung des Schutz- und Entwicklungsauftrags im Bundesnaturschutzgesetz, sondern liefert auch Beiträge für die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes. Das Bundesraumordnungsgesetz fordert den Erhalt der gewachsenen Kulturlandschaft und das Land Nordrhein-Westfalen misst der Kulturlandschaftsentwicklung im Landesentwicklungsplan einen besonderen Stellenwert bei. Relevanz und Aktualität der Forschungen zur Kulturlandschaft werden des Weiteren darin deutlich, dass historische Kulturlandschaften ein Schutzgut des Gesetzes zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) darstellen und dass mit der Europäischen Landschaftskonvention und dem UNESCO-Weltkulturerbe-Programm internationale Anforderungen bzw. Verpflichtungen definiert sind.

 

Während in der ersten Forschungsdekade des seit 1993 aktiven und erfolgreichen Forschungsschwerpunktes die Dringlichkeit der substanzsichernden Pflege der Kulturlandschaften viele Projektideen inspirierte – plausibel aufgrund des anhaltenden Verlusts und der weitreichenden Qualitätseinbußen historischer Kulturlandschaften bzw. Kulturlandschaftselemente –, ergänzen heute Forschungs- und Entwicklungsansätze zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes das Aufgabenfeld.

 

(Foto: U. Riedl)
(Foto: U. Riedl)
(Foto: Dressler)
(Foto: W. Türk)
(Foto: M. Lohr)
(Foto: C. Hefke 2007)