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Civitas Corvey

Hafen und Weserbogen

Die besonderen Umstände, die in diesem Areal vorherrschen, werden bedingt durch die Nominierung des Klosters Corvey samt Westwerk zum Weltkulturerbe. Im Laufe der Jahre wurde die Lage und Ausdehnung der karolingischen Klosteranlage durch verschiedenste Ausgrabungen und Prospektionen erschlossen. Dies ergab, dass die Umgrenzung dieser Stätte, welche sich als Weltkulturerbe bewirbt, weitestgehend der bebauten Fläche der Klosteranlage entspricht. Diese nominierte Fläche wird zudem durch eine Pufferzone begleitet. Diese Pufferzone definiert sich durch die befestigte, aber im 12. Jahrhundert wüstgefallene Stadt Corvey. Diese mittelalterliche Stadt befindet sich in der Fläche des Weserbogens, südlich der Klosteranlage gelegen, und reicht bis zum heutigen Hafenbecken der Stadt Höxter. Funde von Bauresten der St. Paul Kirche aus dem Jahre 863 und freigelegte Frauengräber gaben Anlass zur Vermutung, dass dem nachweisbaren Stift Nova Ecclesia (1155 n. Chr.) ein Frauenstift vorangegangen war.
(vgl. Ringbeck et al.)

Leitidee

Die zukünftige Stätte der Anlage ‚Civitas Corvey – Auf dem Pfad einer mittelalterlichen Stadt‘ soll unmittelbar über die Sinne als eine bedeutende Landschaft erfahrbar werden. Es wird bewusst auf Ablenkungselemente im Entwurf verzichtet. Nur so wird dieses einzigartige Stück Kulturhistorie sichtbar. Erst der Abstand vom Fragmentartigen, der Kleinteiligkeit und Unvollkommenheit der Ausgrabung, lässt es als Ganzes sichtbar werden. So wird in der Pufferzone der landschaftliche Bezug zwischen Stadt und zukünftigen Weltkulturerbe Corvey gestärkt.
Es existiert eine Vielzahl von Ausgrabungen und Prospektionen bezüglich der im 12. Jahrhundert wüstgefallenen Stadt Corvey (vgl. Ringbeck et al.). Dies zu Tage gebracht, benötigt es nur wenige Markierungen und Informationsmedien, damit sich der Besucher die Geschichte dieses besonderen Ortes vergegenwärtigen kann.

Gesamtkonzept Hafen Höxter & ‚Civitas Corvey – Auf dem Pfad einer mittelalterlichen Stadt‘

Die Erschließung bzw. das Erkunden des Gebiets wird von Westen nach Osten, entlang der an der Weser verlaufenden Promenade geschehen. Über den Verlauf der Promenade gelangt man an die Durchwegung der historischen Stadtwüstung Corvey, welche bereits seit den 1970er Jahren als Hauptstraßenzug bekannt ist und im Südosten der mittelalterlichen Stadt Corvey liegt  (vgl. Ringbeck et al.).
Diese Erkundung ermöglicht dem Besucher gleichzeitig den Aufenthalt am Stadthafen Höxter, welcher die westliche Grenze der zukünftigen Anlage ‚Civitas Corvey – Auf dem Pfad einer mittelalterlichen Stadt‘  bildet.
Die Brücke über den wasserwärtigen Eingang des Hafens komplettiert die Weserpromenade auf dem Weg zum nominierten Weltkulturerbe Kloster Corvey und überbrückt somit unnötige Zerschneidungen.
Die genaue Inszenierung von Sichtbeziehungen entlang der Promenade verspricht dem Besucher ein besonderes Erfahren, Erleben und Erkunden von Landschaft und Raum in Verbindung mit historisch aufgeladenem Naturschauspiel.

‚Civitas Corvey – Auf dem Pfad einer mittelalterlichen Stadt‘

Die mittelalterliche Stadtwüstung Corvey liegt im Osten des Plangebiets. Dieses Areal umfasst den gesamten Weserbogen und wird im Westen vom Stadthafen Höxter begrenzt. In diesem Bereich wurden im Laufe der Jahre durch natürliche Freilegung aber auch durch spezielle Ausgrabungen und Schnitte archäologische Funde dokumentiert. Der im Südosten gelegene Hauptstraßenzug der damaligen Stadt Corvey außerhalb des Immunitätsbereichs des Klosters, sowie steinerne Keller von bürgerlichen Häusern und deren Hinterhäuser als auch Teile der repräsentativen romanischen Marktkirche bilden die wertvollen historischen Überreste (vgl. Ringbeck et al.).
Der Verlauf der Promenade geleitet den Besucher auf dem Weg zum Kloster Corvey an der Anlage ‚Civitas Corvey‘ vorbei. Am Selbigen beginnt bereits die Erforschung der Historie mit allen Sinnen.
Diese überlieferte historische Ordnung der Ausgrabungsfunde wird im Entwurf aufgegriffen. Für die Gestaltung des Areals des Weserbogens wurde die bestehende Planung des Managementplans als Ausgangspunkt genommen und weiterentwickelt.
(
vgl. Ringbeck et al.)
Die Ausgrabungen bilden das Gerüst, an welchem sich ein Stegesystem orientiert. Die Stege dienen zur Erschließung des Weserbogens und dessen Enthüllungen. Der Besucher bekommt so die Möglichkeit, sich einerseits sicher und andererseits auf erhöhter Position das Ausgrabungsgebiet zu erschließen. Somit sind die Funde allein als Fehlstellen in einem modularen Stegesystem zu erkennen.
Die modulare Struktur der Stege bietet eine flexible Weiterentwicklung der Anlage ‚Civitas Corvey- auf dem Pfad einer mittelalterlichen Stadt‘. Erneute Funde können somit problemlos in das System integriert werden. Es kommt zu keiner architektonischen Nachempfindung. Die Abstraktion des Vorhandenen bietet dem Besucher die Möglichkeit seine eigene Rekonstruktion des Historischen zu kreieren. Dies steigert sowohl die Fremdartigkeit des Raums als auch den Bildungs- und Erlebniswert.
Entlang dieser Ausgrabungsfläche sind drei neue bauliche Markierungen in Form von Aussichtstürmen gesetzt.
Diese dienen sowohl als pädagogisches Angebot, um Informationen über den Ort zu erlangen, als auch dazu, der Aussicht ins Weserbergland Aufmerksamkeit entgegenkommen zu lassen. Die Türme sind fest konzipiert und heben sich deutlich von der umgebenden Landschaft ab, dennoch sind sie in ihrer Formensprache und Gestaltung dezent und zurückhaltend.

Um einen weiteren Sinn anzuregen, gibt es die Möglichkeit temporäre Klanginstallationen an den Türmen oder an unterschiedlichen Fehlstellen (Fundgruben) zu integrieren. Diese Klänge können sowohl die natürlichen Eindrücke verstärken als auch mittelalterliche Geräuschkulissen nachbilden.

Das wichtigste bei allen beschriebenen Maßnahmen ist es, dass sie sich in den Raum integrieren. Eine zurückhaltende und leise Gestaltung, die auf die Besonderheiten dieses historisch wertvollen Gebiets hinweist.

Modulares Stegesystem
Das Stegesystem dient zur Erschließung der Ausgrabungsstätten. Es basiert auf einer simplen Holzbalkenkonstruktion. Dies bedingt einen geringen Pflegeaufwand und einfachste Instandhaltungsbedingungen. Die Höhe des Stegesystems liegt bei ca. 70 cm, um einen gleichmäßig erhöhten Stand zu gewährleisten. Die Breite des Systems liegt bei ca. 200 cm, damit eine angenehme Begegnungsbreite gesichert ist.
Auf der damaligen mittelalterlichen Straße der Civitas Corvey verläuft die Gerade des Stegesystems, welche die konstante Hauptachse bildet. An dieser schließen die verschiedenen flexiblen Nebenarme des Systems an, die schlussendlich zu den Ausgrabungsstätten führen. Je nach Arbeitsstand der Ausgrabungen besteht die Möglichkeit, den Steg zur Ausgrabungsstätte zu erweitern oder aber ihn durch seine Flexibilität abzubauen. So kann ohne Unterbrechungen vor Ort gearbeitet werden.
Dieses modulare System ermöglicht eine Vielzahl von verschiedenen Erschließungswegen sowohl für die Besucher, als auch für die Ausgrabungsarbeiten. Auf Dauer gewährleistet dies eine interessante und abwechslungsreiche Anlage.

 

Quelle:

Ringbeck, B.: Anlage A| Managementplan. Das karolingische Westwerk und die Civitas Corvey

Lageplan
Perspektive Anlage 'Civitas Corvey'
Schnitt
Varianten Aussichtstürme