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02. Mai 2018 17:39

An der Hochschule OWL die besondere Lernleistung fürs Abi abgelegt

Kim Noelle Dreier beim Experimentieren

Fabian Deckers betreute Kim Noelle Dreier bei ihrer Arbeit im Werkstoffprüflabor

Der Abiturjahrgang 2018 befindet sich aktuell im Endspurt. Für die Abiturientinnen und Abiturienten eine arbeitsintensive Zeit, denn es galt in den letzten Wochen in vier Fächern Prüfungen abzulegen. Nur wenige Schülerinnen und Schüler nehmen dabei die Herausforderung an, zusätzlich eine besondere Lernleistung zu erbringen. Kim Noelle Dreier hat sich für dieses fünfte Prüfungsfach entschieden und dafür ein Praktikum an der Hochschule OWL im Werkstoffprüflabor absolviert.

Die 17-jährige Schülerin des Marianne-Weber-Gymnasiums (MWG) Lemgo hat eine experimentelle Arbeit zum Thema Supraleitung mit dem Titel „Herstellung des Hochtemperatursupraleiters YBa2Cu3O7-x und experimentelle Nachweise der supraleitenden Eigenschaften“ durchgeführt. Supraleiter sind Materialien, deren elektrischer Widerstand beim Unterschreiten der sogenannten Sprungtemperatur abrupt auf null fällt.

„Kim Noelle hat in ihre experimentelle Arbeit einen Zeitaufwand von 125 Stunden gesteckt für die Einarbeitung in den theoretischen Hintergrund, Recherchen, praktische Versuche, Auswertung und Dokumentation“, erklärt Heike Balzer, Labor-Ingenieurin im Werkstoffprüflabor an der Hochschule OWL, die gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Fabian Deckers die fachliche und organisatorische Unterstützung bei der selbständigen Durchführung der Arbeiten betreute. Von Seiten des MWG übernahm diese Aufgabe Kim Noelles Physiklehrer Herr Rogalsky.

Im Rahmen der Arbeit stellt Kim Noelle Supraleiter aus Sinterpulver durch Verpressen zu einem Pellet her und ermittelte anschließend die supraleitenden Eigenschaften in diversen Versuchsaufbauten ermittelt. Unterstützung erhielt die Schülerin dabei von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Labors für Werkstoffkunde des Fachbereiches Maschinentechnik und Mechatronik der Hochschule OWL. „Die Herstellung eines Supraleiters aus Sinterpulver war bereits Bestandteil einer studentischen Arbeit. Ein Team von zwei Studierenden ist allerdings an der Herstellung der Supraleiter gescheitert. Das Pulver konnte nicht so dicht gesintert werden, dass funktionsfähige Supraleiter dabei herauskamen. Bei Kim funktionierte es im ersten Versuch“, lobt Balzer und ergänzt: „Das Sintern eines Supraleiters ist ein komplexer Prozess, bei dem mehrere Parameter wie Temperatur, Aufheiz- und Abkühlraten und die Atmosphäre im Ofen eine Rolle spielen. Es erfordert viel Know-how, den Ofenprozess gut zu führen. Kim hat das wunderbar hinbekommen."

Auf die Idee, sich Unterstützung an der Hochschule OWL zu suchen, kam Kim, weil sie in der 10. Klasse bereits ein zweiwöchiges Praktikum bei Professorin Claudia Jonas in der Lebensmittelchemie des Fachbereiches Life Science Technologies gemacht hat. „Das Umfeld Hochschullabor ist mir vertraut und ich fühle mich dort wohl“, sagt Kim.

Wer sich für den Supraleitungseffekt interessiert, hat am Tag der offenen Tür am 5. Mai zwischen 10 und 16 Uhr Gelegenheit, sich im Werkstofflabor darüber zu informieren.

Die 17-Jährige aus dem Kalletal ist Schülerin des MWG in Lemgo. Ihr besonderes Interesse gilt den naturwissenschaftlichen Themen wie Chemie oder Physik. Sie betreibt in ihrer Freizeit mit Begeisterung den Kampfsport Kempo. Als erstes Abifach hat sie Mathematik gewählt. Als zweites Chemie. Englisch ist das dritte Fach, Erdkunde Bilingual das vierte.

In Nordrhein-Westfalen haben angehende Abiturienten die Chance, ihren Fächerkanon um eine besondere Lernleistung zu erweitern, die wie ein fünftes Abiturfach gewertet wird. Dabei kann es sich um die Teilnahme an einem Wettbewerb oder ein Projekt handeln. Es sind nicht viele Schülerinnen und Schüler, die diese zusätzliche Belastung auf sich nehmen: Am MWG sind es in diesem Jahrgang zwei.