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29. Mai 2018 07:48

Botanischer Garten bietet Nistplätze für Bienen

Die Zweifarbige Mauerbiene nutzt für ihre Brutzellen die leeren Schneckenhäuser von Schnirkelschnecken. Foto: Mathias Lohr

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Weiterbildungsseminare erhalten eine Einführung in die Bestimmung und Ökologie von Wildbienen. Foto: Mathias Lohr

In Mitteleuropa gibt es rund 550 Arten von Wildbienen. Die Weiterbildung vermittelt Handwerkszeug für die Bestimmung der Arten. Foto: Mathias Lohr

Bienen kommen aktuell aus den Schlagzeilen nicht raus. Was es mit dem Insektensterben auf sich hat und was im heimischen Garten und in der städtischen Grünflächenpflege zum Wohle der Bienen getan werden kann, vermittelt die Hochschule OWL regelmäßig in Weiterbildungsseminaren. Im Botanischen Garten der Hochschule findet die Zweifarbige Mauerbiene Nistplätze, die ihre Eier in leeren Schneckenhäusern tarnt.

Immer mehr Pflanzenschutzmittel und immer weniger Blütenpflanzen in Gärten und auf Wiesen machen Bienen das Leben schwer. Doch wenn es weniger Bienen gibt, gerät auch die Bestäubung der Pflanzen ins Stocken. „Das ist ein sehr fein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen den Blütenpflanzen und den Insekten“, sagt Dr. Mathias Lohr vom Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Er vermittelt diese Zusammenhänge nicht nur in Lehrveranstaltungen des Fachbereichs, sondern auch in jährlich stattfindenden Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Einführung in die Bestimmung und Ökologie von Wildbienen“. Im Fokus stehen dabei die rund 550 Wildbienen-Arten, die es in Mitteleuropa gibt. Als Anschauungsort dient neben dem Botanischen Garten der Hochschule OWL vor allem der Bielenberg in Höxter.

Im Botanischen Garten konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Seminars eine besondere Beobachtung machen: Sie fanden die Zweifarbige Mauerbiene beim Nestbau. Das Einzigartige an dieser Bienenart: Die Weibchen nutzen für ihre Brutzellen die leeren Schneckenhäuser von Schnirkelschnecken. Sie legen ihre Eier in das Schneckenhaus und versorgen sie mit einem Pollenvorrat als Nahrung. Dann verschließen sie die Brutzellen und tarnen das Schneckenhaus mit einem Pflanzenmörtel, den sie durch das Abnagen von Pflanzen gewinnen. Anschließend baut die Biene einen Haufen aus Pflanzenteilen und Stängeln rund um das Schneckenhaus, um es noch besser vor Feinden zu schützen. „Die Zweifarbige Mauerbiene braucht Flächen mit vielfältigen Standortbedingungen: je kalkhaltiger der Untergrund, desto mehr Schneckenhäuser finden sich. Außerdem mögen sie eine hohe Sonneneinstrahlung und nicht zu dichten Bewuchs. Alles das bietet unser Botanischer Garten“, sagt Lohr.

Was Bienen brauchen

Was Bienen sonst noch benötigen, vermittelt das Weiterbildungsseminar. „Alle Bienen brauchen Nahrung. Einerseits benötigen sie Nektar als Kraftstoff für ihren energieaufwändigen Flug. Andererseits brauchen sie den eiweißreichen Pollen, um ihren Nachwuchs zu ernähren“, erklärt Lohr. Beides finden die Bienen in Blütenpflanzen. „die meisten auf Insekten spezialisierten Blütenpflanzen produzieren Nektar, aber beim Pollen gibt es Unterschiede. Rund 30 Prozent der Wildbienen sind auf den Pollen von ganz bestimmten Pflanzen spezialisiert. Das macht sie abhängig“, sagt Lohr. Geht nun die Vielfalt der Pflanzen zurück, sind die Bienen in Gefahr. Was hilft den Bienen? „Weniger mähen, weniger düngen und Raum für Blütenpflanzen lassen, also weniger Gartenfläche mit Steinen verbauen“, fasst Lohr die wichtigsten Tipps zusammen, die für den heimischen Garten gelten, aber auch für jede öffentliche Freiraumgestaltung.

Das Wochenendseminar „Einführung in die Bestimmung und Ökologie von Wildbienen“ ist Teil eines Weiterbildungskonzeptes für die Vermittlung von Biodiversität am Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, bei dem sich Studierende, Alumni, Berufstätige und Ehrenamtliche zu Themen rund um den Naturschutz und die Artenvielfalt fortbilden können. Partner der Veranstaltung ist die Natur- und Umweltschutzakademie NRW. Bisher werden neben dem Seminar zu Wildbienen auch Kurse zu Libellen, zu Laufkäfern und zur Naturfotografie angeboten. Aktuell arbeitet der Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung daran, solche Angebote weiter auszubauen.

Botanischer Garten lädt ein

Den Botanischen Garten der Hochschule OWL können alle Interessierten am 9. und 10. Juni 2018 kennenlernen: Dann beteiligt er sich am Tag der Gärten & Parks in Westfalen-Lippe. Die Besucherinnen und Besucher erwarten Führungen, Vorträge, Spaziergänge, Ausstellungen und Vorführungen. Angebote für Kinder und Tipps für die heimische Gartenarbeit runden das Programm ab. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Am Samstag um 16 Uhr lädt Mathias Lohr zu einer Führung ein zum Thema „So viel Leben in meinem Garten! Von Schmetterlingen, Wildbienen und anderen wilden Bewohnern…“.

Weitere Informationen: www.hs-owl.de/fb9

Kontakt: Dr. Mathias Lohr, Telefon 05271 687-7940, E-Mail mathias.lohr(at)hs-owl.de