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03. Juli 2018 14:17

Damit sich die Öffentlichkeit mehr Gehör verschafft

Die Bevölkerung gut zu informieren, kann die Akzeptanz von Bauvorhaben erhöhen – so eine der Thesen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Foto: Boris Stemmer

Wenn Straßen gebaut oder Windkraftanlagen errichtet werden, ist der Protest bei betroffenen Anwohnern oft groß. Allerdings kommt er meistens zu spät, denn wenn die Bagger rollen sind die wesentlichen planerischen Entscheidung bereits vor Jahren getroffen. Insbesondere die Regionalplanung und die Landschaftsrahmenplanung sind für solche vorbereitenden Entscheidungen von Bedeutung. Das Fachgebiet Landschaftsplanung und Erholungsvorsorge der Hochschule OWL ist an einem Forschungsprojekt beteiligt, das darauf zielt, Bürgerinnen und Bürger besser in diese Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubinden.

Entscheidungen zum Beispiel über Bauprojekte werden oft in weit entfernten Büros und mit wenig Bezug zum Ort des Geschehens getroffen – so ein in der Bevölkerung verbreiteter Eindruck. Dabei hätten die Anwohner der betroffenen Gebiete nicht nur eine Meinung, sondern auch Know-how: „Die Menschen vor Ort wissen viel über schützenswerte Tier- und Pflanzenarten. Und sie kennen beispielsweise Gebiete mit einem hohen Symbolcharakter, an denen Bauvorhaben von der Bevölkerung besonders abgelehnt werden“, sagt Franziska Bernstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Landschaftsplanung und Erholungsversorge der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Das Team des Fachgebietes erforscht aktuell innovative Methoden der öffentlichen Mitwirkung in der Landschaftsrahmenplanung. Im Fokus steht dabei die regionale Ebene – also eine Ebene, auf der Vorhaben zwar schon vorbereitet werden, aber das Gefühl der Betroffenheit in der Bevölkerung noch gering ist. Wie können Bürgerinnen und Bürger besser motiviert werden, auf dieser Ebene an Planungsprozessen mitzuwirken und ihre Expertise und Meinungen einzubringen? Fragen wie diese bilden den Kern des Forschungsprojektes, das im Mai 2018 gestartet ist.

Neuer Methodenmix in Praxis überführt

Aktuell läuft eine Metastudie: Franziska Bernstein recherchiert in der Literatur, welche Formate der Beteiligung möglich sind und wie sie beispielsweise auf der lokalen Ebene bereits eingesetzt werden. Hierbei sind bereits mehr als 100 unterschiedliche Verfahren zusammengekommen – von Ideenwerkstätten über Bürgerversammlungen und Ortsbegehungen. Ab Sommer 2018 folgen dann als nächster Projektschritt mehrere Befragungen: Das Projektteam führt qualitative Interviews mit Planungsträgern und quantitative Befragungen mit Bürgerinnen und Bürgern durch, die sich in der Vergangenheit bereits in Planungsprozesse eingebracht haben. Die Ergebnisse der Projektschritte führen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anschließend zusammen: „Das Tolle an dem Projekt ist, dass wir einerseits einen neuen Methodenmix entwickeln, ihn andererseits aber auch erproben“, sagt Bernstein. Hierfür sollen zwei Regionen in Sachsen und Baden-Württemberg ausgewählt werden. Dann wird sich zeigen, ob eine der wissenschaftlichen Hypothesen des Projektes aufgeht: dass eine bessere Einbindung und Information der Bevölkerung Planung mehr Akzeptanz verschaffen kann.

Das Projekt „Innovative Methoden der öffentlichen Mitwirkung in der Landschaftsrahmenplanung“ wird von Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit insgesamt rund 180.000 Euro gefördert, etwa 85.000 Euro entfallen auf die Hochschule OWL. Weitere Projektpartner sind die Professur für Landschaftsplanung der Technischen Universität Dresden sowie das Planungsbüro Hage+Hoppenstedt Partner aus Rottenburg. Im April 2019 werden Zwischenergebnisse des Projektes bei einer öffentlichen Veranstaltung in Sachsen präsentiert; ein halbes Jahr später folgt die – ebenfalls öffentliche – Abschlusspräsentation.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.

Kontakt: Franziska Bernstein, Telefon 05271 687-7221, E-Mail franziska.bernstein(at)hs-owl.de