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23. Mai 2018 08:39

Detmolder bauen im Senegal eine Schule aus Rohrkolben

Professor Manfred Lux erläutert die Linsenträgerkonstruktion. Foto: Frederic Hellmann und Mario Möller

Der Entwurf des Architekturstudenten Edgar Neufeld (im Bild das Modell) soll gebaut werden. Foto: Edgar Neufeld

Fischerboot mit Männern. Foto: Naciye Lux

Fischerboote in Saint-Louis. Foto: Frederic Hellmann und Mario Möller

Detmolder Studierende werden 2019 eine städtische Schule im Senegal bauen. Dazu fand Ende April eine zweite vorbereitende Reise in die Lagunenstadt Saint-Louis statt, an der 14 Studierende der Architektur und Innenarchitektur gemeinsam mit ihrem Professor Manfred Lux teilnahmen. Begleitet wurden sie von einem Fotografen- und Filmteam des Fachbereichs Medienproduktion. Für die Realisierung werden noch Spenden benötigt.

Ermöglicht hat das Vorhaben die Projektgruppe „Schulen für die Welt“, die sich seit mehreren Semestern intensiv mit einer Lagunenschule für Saint-Louis auseinandersetzt. Auf den Senegal ist Professor Manfred Lux gekommen, weil es dort große Mengen an Rohrkolben gibt. Diese Sumpfpflanzen eigneten sich hervorragend als natürliches Dämmmaterial, ist der Architekt überzeugt. Seit mehreren Jahren erforscht er diesen nachwachsenden Baustoff.

In der afrikanischen Lagunenstadt präsentierten die Detmolder der zweiten Bürgermeisterin von Saint-Louis vier vorab ausgewählte studentische Entwürfe. „Verantwortliche des senegalesischen Kultusministeriums sowie die Ortsteilbürgermeister waren begeistert vom Entwurf des Studenten Edgar Neufeld, der eine Schule basierend auf traditionellen Strukturen mit zeitgemäßen regionalen und ökologischen Baustoffen entwickelt hat“, berichtet Lux. „Funktionalität und Hitzeschutz sind hier besonders gut gelungen.“ Der 24-jährige Masterstudent der Architektur habe seine Arbeit analog zur traditionellen Rundhütte angelegt. Seine Arbeit wurde für die Realisierung ausgewählt.

Seine Idee: Es werden so genannte Linsenträger auf massiven Lehmwänden positioniert. Der Linsenträger ist den Menschen in Saint-Louis laut Lux nicht unbekannt. So wurde die Brücke über den Senegalriver von einem Schüler Gustav Eiffels mit Linsenträgern konstruiert. Diese Linsenträgerkonstruktion wird auf der Unterseite mit Rohrkolben gedämmt, im Zwischenraum kann dann die Luft zirkulieren. „Dabei entsteht im Innenraum eine ausgeglichene klimatische Situation“, so Lux.

Ein weiteres Ziel der Reise war die Erkundung der regionalen Baustoff-Ressourcen. Während einer Fahrt Richtung Norden, die Stadt grenzt hier an Mauretanien, konnten die Studierenden feststellen, dass Lehm, Schilf und Rohrkolben in großen Mengen vor Ort vorhanden sind. Die damit verbundene Hoffnung: einen Boom für den Rohrkolben als nachwachsenden Baustoff auszulösen.

Während einer zweiten Projektpräsentation vor Lehrern und Elternbeiratsbeteiligten bekamen die Detmolder persönliche Eindrücke vom Alltag an der Schule in KharYalla. Vor Ort wurde der Entwurf an dem Bestandsgebäude optimiert und das Gelände ausgemessen. Neben der Präsentation, deren Realisierung mit Handschlag besiegelt wurde, ergaben sich beeindruckende Momente des Austausches: Lag erst einmal ein Fußball im Schulhof war es egal, ob man in Detmold Architektur studiert oder in KharYalla die Grundschulschulbank drückt. Die Schüler sangen und zeigten zahlreiche Handspiele.

Mit diesen Eindrücken – gepaart mit Momenten von atemberaubenden Situationen auf dem Fischmarkt, an der Flussmündung des Senegalrivers in den Atlantik oder beim Abendessen in Familien – kehrten die Studierenden nach einer Woche nach Lippe zurück. Ganz nebenbei machten die Studierenden wertvolle Erfahrungen im Bauherrengespräch, in der Grundstücksanalyse und in der Aufgabenstellung im Dialog mit dem Auftraggeber. „Diese erste Praxiserfahrung ist absolut wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung der angehenden Architektinnen und Innenarchitektinnen“, sagt Lux.

Begleitet wurde das Team der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur von Frederic Hellmann und Mario Möller, zwei „hochmotivierten und sehr professionellen Studenten vom Fachbereich der Medienproduktion“ (Lux), die neben ihren Fotografien auch einen Dokumentarfilm gedreht haben. Dieser wird demnächst fertig gestellt und der Öffentlichkeit präsentiert.

Wie geht es jetzt weiter? Bis zum Ende des Sommersemesters sollen ein Kooperationsvertrag erstellt, die Werkplanung entwickelt und weitere organisatorische Schritte unternommen werden, die für die Realisierung des Projektes notwendig sind. „Die Arbeit geht jetzt erst richtig los“, so Lux weiter.

Die Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur unternehme dabei einen weiteren Schritt zur Internationalisierung mit einem realen Projekt, das ab 2019 realisiert wird. Ziel ist es, die Studierenden während der Bauphase bei Familien unterzubringen. Die Baukosten schätzt Lux auf ca. 100.000 Euro. Der Bau soll über Spenden finanziert werden.

Einen unerwarteten Nebeneffekt hat die Reise schon jetzt: Ein Student aus Saint-Louis will sich für ein Auslandssemester an der Hochschule OWL bewerben. Ein Kulturaustausch im Kleinen.

Spendenkonto: https://www.schulen-fuer-die-welt.de

Kontakt: Professor Manfred Lux, Telefon 05231 769-6012, E-Mail manfred.lux(at)hs-owl.de