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18. November 2016 14:13

„Die neue und die alte Welt sollten Freunde werden“

Referentin Pinar Atalay ging in ihrem Vortrag auf Schattenseiten der sozialen Medien ein: „Hate Speech im Netz ist eines der größten Probleme der neuen Welt.“

Referentin Pinar Atalay ging in ihrem Vortrag auf Schattenseiten der sozialen Medien ein: „Hate Speech im Netz ist eines der größten Probleme der neuen Welt.“

Die Gesprächsrunde moderierte Klaus Eisert von Phoenix Contact. Er bestärkte die Referentin darin, Hass-Kommentare als Äußerungen einer Minderheit zu verstehen.

Die Gesprächsrunde moderierte Klaus Eisert von Phoenix Contact. Er bestärkte die Referentin darin, Hass-Kommentare als Äußerungen einer Minderheit zu verstehen.

Hochschulpräsident Dr. Oliver Herrmann leitete den Abend ein und betonte die lippische Herkunft der Referentin. Auch sie zeige: „Lipper sind überall in der Welt.“

Hochschulpräsident Dr. Oliver Herrmann leitete den Abend ein und betonte die lippische Herkunft der Referentin. Auch sie zeige: „Lipper sind überall in der Welt.“

Ein besonderes Geschenk hatte das Team von Phoenix Contact für die Referentin organisiert: Eine Büste, die die in Schlangen lebende Künstlerin Isolde Frepoli vor rund 20 Jahren von der gebürtigen Lemgoerin angefertigt hatte.

Ein besonderes Geschenk hatte das Team von Phoenix Contact für die Referentin organisiert: Eine Büste, die die in Schlangen lebende Künstlerin Isolde Frepoli vor rund 20 Jahren von der gebürtigen Lemgoerin angefertigt hatte.

Den Abschluss der Veranstaltung nutzte Klaus Eisert für eine Danksagung an Dr. Oliver Herrmann, der das Phoenix Contact-Kolloquium in diesem Jahr zum sechsten Mal eröffnet hatte.

Den Abschluss der Veranstaltung nutzte Klaus Eisert für eine Danksagung an Dr. Oliver Herrmann, der das Phoenix Contact-Kolloquium in diesem Jahr zum sechsten Mal eröffnet hatte.

Das „Phoenix Contact-Kolloquium“, das vom gleichnamigen Unternehmen mit der Hochschule OWL ausgerichtet wird, widmete sich in diesem Jahr der Frage, ob das klassische Nachrichtenformat ausgedient hat, seitdem jeder aktuelle Informationen auf seinem Smartphone empfangen kann. Für die Beantwortung  stand eine Anchorwoman der ARD-Nachrichten bereit: die gebürtige Lipperin Pinar Atalay.

„Was haben Sie heute Morgen als erstes gemacht?“ Pinar Atalay holte die Gäste in der Lipperlandhalle bei ihrer morgendlichen Routine ab – und ein Raunen im Saal verriet, dass sie mit ihrer vermuteten Antwort nicht falsch lag: „Wahrscheinlich hatten Sie nur Augen für eins: Ihr Smartphone.“ Atalay hob dabei nicht den Zeigefinger – schließlich sei ihr Morgen nicht anders gestartet und schließlich sind sowohl sie persönlich als auch die Nachrichtenformate der ARD in den sozialen Medien präsent. Dennoch rief sie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Angeboten von Facebook bis Twitter auf. Wenn jeder jederzeit an Informationen kommen, live seine Meinung sagen oder ungefiltert Inhalte verbreiten kann, bleibt das Handwerk des Journalismus bisweilen auf der Strecke. Auch die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten müssten bei Social Media dabei sein, findet die Moderatorin. Aber: „Wir müssen den Mut haben, uns nicht treiben zu lassen.“ Stattdessen sei es die Aufgabe des Journalismus, Informationen einzuordnen, zu sortieren, nachzuhaken und zu recherchieren.

Als Beispiel für die Gefahren, die die sozialen Medien für die Informationslage der Bevölkerung bergen, rief Atalay die Ereignisse des 22. Juli 2016 in München in Erinnerung: Durch die „online miterlebbare kollektive Angst“ sei aus einem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum ein Terrorangriff mit 67 Anschlagsorten in der ganzen Stadt geworden. „So viel Skepsis wie gegenüber dem Journalismus wünsche ich mir auch gegenüber den neuen Medien“, sagte Atalay und verwies auf ein Problem der Netz-Informationen: „Das Internet ist schnell. Aber wer entscheidet, was ich sehe? Algorithmen!“ Sie selbst als Nachrichtenmoderatorin wolle keine Meinungsmacherin sein. Stattdessen sei es die Aufgabe von Journalisten, verschiedene Meinungen darzustellen, damit die Leser und Zuschauerinnen sich ihre eigene Ansicht bilden können. „Die klassischen Medien müssen gute Inhalte liefern – sowohl im Netz, als auch im Fernsehen“, sagte Atalay und fasste zusammen: „Die neue und die alte Welt können Freunde werden – und sie sollten es auch!“

Das Format Fernsehen sei in Bewegung, aber verschwinden werde es nicht, betonte die Referentin. Eine Aussage, die Klaus Eisert von Phoenix Contact gefallen haben dürfte. Er moderierte die Diskussionsrunde, in der Pinar Atalay sich nach ihrem Vortrag den Fragen des Publikums stellte. „Ich gucke gerne Fernsehen. Und ich habe kein Smartphone“, verriet Eisert, um sich gleich wieder selbst zu relativieren: Er habe doch gerade ein Smartphone bekommen. „Aber ich habe es noch nicht benutzt!“, sagte der ehemalige geschäftsführende Gesellschafter der Phoenix Contact-Gruppe unter dem Applaus des Saals – in dem an diesem Abend nicht nur ein Handy klingelte.

Als die gebürtige Lemgoerin Pinar Atalay ihre journalistische Karriere als Praktikantin bei Radio Lippe begann, waren Smartphones und Facebook auch noch kein Thema. „Wir haben eine Referentin gewonnen, die ein echtes Lipper Gewächs ist“, fasste Hochschulpräsident Dr. Oliver Herrmann in seinen einführenden Worten zusammen, in denen er die Laufbahn der Referentin kurz umriss: Von Radio Lippe wechselte Pinar Atalay zum Lokalradio nach Münster und schließlich zur ARD, wo sie NDR- und WDR-Magazine moderierte. Seit zweieinhalb Jahren ist sie regelmäßig als Anchorwoman der Tagesthemen zu sehen. Und so schloss sie ihren Vortrag beim Phoenix Contact-Kolloquium mit der Frage: „Was machen Sie als letztes heute Abend? Vielleicht gucken Sie ja auf Ihrem Smartphone die Tagesthemen!“

Das nächste Phoenix Contact-Kolloquium findet am 16. November 2017 statt.