Verweis zur Startseite der Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Servicenavigation

News

09. Februar 2018 16:33

Digitalisierung: Potential des ländlichen Raums ausschöpfen

In Szene gesetzt wurde das Konferenzthema auf dem Campus von den Master-Studierenden von Professor Jörg Kiefel. Alle Fotos: Teschner

Verschiedene digitale Beteiligungsverfahren in Planungsprozessen stellte Dr. Oliver Märker (Zebralog GmbH, Berlin/Bonn) vor.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass gerade der metropol-ferne Raum von der digitalen Transformation profitieren könnte.

Die digitale Transformation ist nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine gesellschaftliche. Das wurde deutlich auf der ersten Konferenz des Forschungsschwerpunkts „nextPlace“. „Netzwerke der digitalen Region“ lautete das übergreifende Thema, zu dem rund 90 Fachleute am 7. Februar 2018 auf den Campus Detmold der Hochschule OWL gekommen waren.

Welche Räume und welche Akteure besitzen welche digitalen Bedürfnisse? Welche Regionen müssen zur Realisierung digitaler Strategien gemeinsam betrachtet werden? Und welche räumlichen Strukturen fördern kollaborative, digitale Innovationen? Im Kontext dieser Ausgangsfragen stellte Professor Jürgen Jasperneite (Fraunhofer IOSB-INA sowie Institut für industrielle Informationstechnik der Hochschule OWL) das Pilotprojekt „Lemgo digital“ vor. Er führte aus, wie das „Internet der Dinge“ Bewohnern einer Mittelstadt den Alltag erleichtern kann. „Ihr Bus kommt in 5 Minuten 34 Sekunden“: Anhand des Stadtbus Lemgo erläuterte Jasperneite die Vorteile einer künftigen Vernetzung im Alltagsleben. Dank Sensoren im Stadtumfeld wüsste dann jeder, wann der nächste Bus kommt. Denkbar wäre auch eine Erleichterung der Parkplatzsuche. Lemgo könnte zur Blaupause für 180 weitere Mittelstädte in NRW werden. Fünf Millionen Euro kostet das Projekt, das eine Laufzeit von drei Jahren hat und zur Hälfte vom Land NRW gefördert wird. Es würde die Attraktivität von kleineren Städten für junge Leute erhöhen und die Kommunen bei der digitalen Transformation unterstützen, zeigte sich Japerneite überzeugt. Der Vorteil von kleineren Städten: die kurzen Wege. Jasperneite: „Ich glaube, hier sollten wir wirklich anfangen."

Verschiedene digitale Beteiligungsverfahren in Planungsprozessen stellte Dr. Oliver Märker (Zebralog GmbH, Berlin/Bonn) vor. „Bürger und Bürgerinnen lassen sich weniger denn je auf die bloße Adressatenrolle bereits ausgehandelter Lösungen reduzieren“, merkte er an. Auch nehme das Vertrauen in institutionalisierte Lösungskompetenzen ab. Wichtig sei es, Bürger frühzeitig einzubeziehen, Bürgerbeteiligung müsse mit internen Prozessen verwoben werden. Dabei müssten Chancen, vor allem aber auch Grenzen eines Beteiligungsverfahrens frühzeitig klar benannt werden.

Digitale Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft stellte Dr. Georg Teichmann (PricewaterhouseCoopers, Frankfurt) vor. Veränderte Kundenerwartungen, neue Transportwege (zum Beispiel durch Drohnen), neue Marktteilnehmer, neue Geschäftsmodelle und veränderte Wertschöpfungsketten spielten hier eine Rolle. Ob flexible Buslinien, Smart Parking oder eine Car-to-Car-Kommunikation, die Staus vorhersagt – digitale Player müssten sich klar gegen Wettbewerber absetzen und Kompetenzfelder aufbauen.

Im Anschluss an die drei Impulsvorträge diskutierten die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer in drei Workshop-Gruppen zu den Themenfeldern „Technologie und Infrastrukturen“, „Standort und Geschäftsmodelle“ sowie „Kreative und Gesellschaft“. In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass gerade der metropol-ferne Raum von der digitalen Transformation profitieren könnte. Jedoch würden Konsumenten in Ostwestfalen-Lippe digitale Zugänge noch zu wenig nutzen. „Reden wir über gesellschaftliche Verantwortung oder über Geschäftsmodelle“, fragte Dr. Björn Stüwe (Stuewe Management Consulting GmbH, Köln). Vielleicht gebe es auch unterschiedliche Bedarfe in Köln und Detmold, diese müssten zunächst abgefragt werden. Stüwe: „Es gibt jedoch Dinge, die nicht über den Markt gelöst werden können.“

Das Potential des metropol-fernen Raums im Zeitalter der Digitalisierung stellte Annette Nothnagel (Regionale 2022, OWL GmbH) heraus. Unterstützt wurde sie dabei von Martin Herrndorf (Colabor, Köln). Gerade die Kreativbranche könnte dank der Digitalisierung auch fern der großen Städte arbeiten, schließlich seien hier die Mieten billiger im Vergleich zur Metropole. Auch lasse sich ein Ort vielleicht „re-branden“. Gerade in dünn besiedelten Gebieten sei mehr digitale Kommunikation nötig, ist Professor Klaus Greve (Universität Bonn) überzeugt. Doch das sei letztlich auch eine gesellschaftliche Aufgabe.

Hintergrund „nextPlace“

Organisiert wurde die Konferenz vom Forschungsschwerpunkt „nextPlace“ an der Hochschule OWL, dessen Sprecher Professor Axel Häusler gemeinsam mit Benjamin Dally die Veranstaltung moderierte. Der Forschungsschwerpunkt ist ein interdisziplinäres Forschungsteam aus den Feldern Stadtplanung, Informatik, Mensch-Maschine-Interaktion, Wirtschaftswissenschaften und Umweltingenieurswesen. „nextPlace“ erforscht und entwickelt digitale Lösungen in den Themenbereichen Smart City und Smart Mobility. Schwerpunkte der Forschungstätigkeiten liegen insbesondere in der Analyse und Visualisierung dynamischer Raumprozesse und der Entwicklung neuer Zukunftsbilder. Technische Fragestellungen werden bei „nextPlace“ grundsätzlich in einen gesellschaftlichen, unternehmerischen und räumlichen Kontext eingebettet.

Kontakt: Professor Dr. Axel Häusler (Sprecher „nextPlace“), Telefon 05231 769-6968, E-Mail axel.haeusler[at]hs-owl.de