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16. Mai 2017 15:18

Energieversorgung im ländlichen Raum

Übergabe des Förderbescheids zum Projekt „Smart Country Storage“ – von links: Michael Stolte (Wirtschaftsförderung Höxter), Carsten Torke (Bürgermeister Steinheim), Christian Schmidt (Ernährungs- und Landwirtschaftsminister), Klaus Schumacher (Kreisdirektor), Professor Johannes Üpping (Hochschule OWL), Christian Haase (CDU-Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter). Foto: Brigitte Brand

Angesichts der steigenden Urbanisierung ist die Zukunft des ländlichen Raumes ein aktuelles Thema, das seitens Politik und Forschung immer weiter in den Fokus rückt. Auch während eines Besuchs von Ernährungs- und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt in Steinheim wurde das Leben auf dem Land und dessen Potential diskutiert. Innerhalb des Modellvorhabens „Land(auf)Schwung“ setzt das Projekt „Smart Country Storage“ von Professor Johannes Üpping an einer Zukunft auf dem Land an.

Vor dem Hintergrund der steigenden Energiepreise forscht Professor Johannes Üpping vom Fachbereich Elektrotechnik und Technische Informatik der Hochschule OWL in seinem Projekt „Smart Country Storage“  zu lokalen, elektrischen Energiespeichern im Rahmen einer nachhaltigen Energieversorgung im ländlichen Raum. Ziel ist es, die Machbarkeit eines Speichersystems auf Basis eines simulierten Speichereinsatzes zu überprüfen. Im Idealfall soll langfristig ein interkommunal übertragbares Versorgungskonzept außerhalb der Stadt bereitgestellt werden. Im Beisein des Bundesministers wurde Üpping für dieses Vorhaben der Förderbescheid überreicht.

Reduzierte Energiepreise

In der Modellregion Hagedorn im Kreis Höxter wird Üpping sein Konzept einer gemeinschaftlichen Energiespeicherung und -nutzung testen. Für eine bürgerseitige Teilnahme warb er bereits im Rahmen einer ersten Informationsveranstaltung Ende März 2017 in Hagedorn. Hier nahm auch Bürgermeister Carsten Torke als Vertreter des Projektpartners Stadt Steinheim teil. Ein weiterer Partner sind die BeSte Stadtwerke als lokaler Energielieferant der Stadt Steinheim.

Ein Teil der Wohngebäude in Hagedorn sind mit Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) ausgestattet und die Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer profitieren zur Zeit finanziell von den EEG-Einspeiseregelungen. Nach Auslaufen der EEG-Förderung wird diese Regelung nicht länger bestehen bleiben. „So ergeben sich insbesondere für Privatpersonen attraktive Möglichkeiten der eigenen – gegebenenfalls autarken – Stromerzeugung und -nutzung sowie dessen Veräußerung auf dem Strommarkt“, erklärt Üpping.

Intelligente Energiekonzepte im ländlichen Raum

„Eine gemeinschaftliche Energiespeicherung und -nutzung kann eine sinnvolle Anschlussnutzung darstellen, indem lokale Stromspeicher elektrische Energie zu einem günstigeren Preis als der übliche Marktpreis pro kWh an Privatpersonen verkauft wird“, so Üpping. Strombedarf und -verbrauch werden hierbei mittels Smart-Meter gemessen. Für die Modellregion bedeutet dies, dass die Anlage eigenständig feststellt, wann ein erhöhter Strombedarf in Hagedorn vorliegt und Strom aus dem lokalen Speicher abgerufen werden muss. Gleichzeitig erkennt das Smart-Meter eine geringe lokale Stromnachfrage und bietet in Folge des Überschusses diesen zum Verkauf auf dem Strommarkt an. „So können sowohl Betreiber als auch Nicht-Betreiber von PV-Anlagen mehr als die Hälfte ihrer Stromkosten einsparen“, sagt Üpping, der an der Hochschule OWL Gründungsmitglied des neuen „Future Energy – Institut für Energieforschung“ (iFE)  ist, und betont: „Die Modellregion Hagedorn hat durch die Projektteilnahme die Möglichkeit, ein innovatives Konzept zur lokalen Energiespeicherung zu begleiten und langfristig eine Vorreiterrolle im Bereich der nachhaltigen Energieversorgung in ländlichen Gebieten einzunehmen.“

Stichwort: ländlicher Raum

Mit seinen rund 47 Millionen Bewohnern macht der ländliche Raum knapp 90 Prozent der Fläche Deutschlands aus. Insgesamt erwirtschaftet dieser mehr als 60 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Das Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“ ist ein von dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördertes Projekt mit dem Ziel, die regionale Wertschöpfung zu stärken und die Daseinsvorsoge zu sichern. Hierbei können insgesamt 13 Regionen in ganz Deutschland jeweils ihre Region als Experimentierfeld zur Erprobung individueller und innovativer Lösungskonzepte für die Zukunft erproben.