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13. Januar 2017 13:59

Handwerk und Gewalt

Die Hocker machen Gewalt sichtbar und laden gleichzeitig ein, über gewaltfreie Lösungen von Konflikten zu reflektieren. Der linke Hocker steht für das Thema Verwesung. Der rechte zeigt ein Hochhaus in einem Brennpunkt-Viertel – als Beispiel eines Ortes, wo Gewalt entsteht. Fotos: Firat Ulus

Zum Thema Gewalt haben junge Gefangene der JVA Herford und Innenarchitektur-Studierende der Hochschule OWL gemeinsam drei Tage lang in der gefängniseigenen Tischlerei gearbeitet und sich dabei kritisch mit dem Thema Gewalt auseinandergesetzt. Es entstanden 13 Hocker mit sichtbaren Zeichen von Gewalt. Die Arbeiten sind jetzt in die permanente Ausstellung des Museums für Kunst & Gewerbe Hamburg aufgenommen worden und dort in der Sammlung Design zu sehen.

Gewalt ist in vielen Gefängnissen und Gefängnisbiografien eine Alltagserfahrung. Sie zeige sich physisch – etwa als Angriff, Zerstörung und Aggression – oder psychisch in Formen von Missbrauch, Ausschluss und Verweigerung, so die Ausstellungsmacher. In dem Projekt „Handwerk und Gewalt“ wurde Handwerk benutzt, um mittels einer artfremden Bearbeitung gewöhnlicher Hocker Gewalt sichtbar zu machen. Drei Tage lang haben die Gefangenen mit den Studierenden zusammen geredet, gearbeitet und gegessen. Die Gefangenen haben sich auf eine für sie völlig neue Ausdrucksmöglichkeit eingelassen. Es entstanden zum Teil sehr persönliche Transforma¬tionen der Hocker – und neue Formen der Kooperation. Eine Weiterführung des Projekts ist in Planung.

„Am meisten beeindruckte, wie schnell durch die gemeinsame Arbeit Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut wurden“, sagt Professorin Verena Wriedt vom Fachbereich Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, die den Workshop gemeinsam mit der Hamburger Möbeltischlerin Hendrike Farenholtz leitete. Auslöser sei ein geplantes Projekt von „Aktion Mensch“ gewesen, das die Teilnahme von Gefangenen an gesellschaftlichen Prozessen mittels kreativer Gestaltung stärken sollte. Am 19. Januar 2017 sowie am 5. Februar 2017 werden Professorin Wriedt und Hendrike Farenholtz vor Ort von dem außergewöhnlichen Projekt berichten. Die Hocker werden in der Sammlung Design im zweiten Obergeschoss des Museums für Kunst & Gewerbe Hamburg präsentiert.

Konzept und Leitung:
Hendrike Farenholtz, info(at)hendrike-farenholtz.de;
Professorin Verena Wriedt, verena.wriedt(at)hs-owl.de

Projektbericht: mit Hendrike Farenholtz und Verena Wriedt am
Donnerstag, 19. Januar 2017, 18 bis 19 Uhr, und als Sonntagsfokus am 5. Februar 2017, 12 bis 13 Uhr

Ort:
Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg, Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 21 Uhr