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07. Februar 2018 08:44

In Nordfinnland dem Klimawandel auf der Spur

Rückblick: Im Februar 2017 hat das internationale Team eine erste Messperiode in Finnland durchgeführt - auf die Ergebnisse und Erfahrungen bauen sie jetzt auf.

Aus Höxter Richtung Polarkreis: Informatiker der Hochschule OWL nehmen vom 10. bis 27. Februar an einer Forschungsreise des internationalen Projektes ISOBAR teil. Auf der Insel Hailuto nahe der finnischen Universitätsstadt Oulu führen sie Drohnenmessungen durch, die helfen sollen, Wetterphänomene und Klimaveränderungen besser zu verstehen. In einem Online-Tagebuch berichten sie regelmäßig von ihren Erlebnissen vor Ort.

Frost im April, Regen im Sommer, heftige Stürme im Herbst: 2017 war ein Jahr der Wetterextreme, meldete der Deutsche Wetterdienst in seiner Jahresbilanz. Um Klimaveränderungen besser einschätzen zu können, reist ein Team des Fachgebiets Autonome Sensorsysteme der Hochschule Ostwestfalen-Lippe im Februar aus Höxter in den Norden Finnlands. Dort treffen die Informatiker auf Wissenschaftler aus Norwegen, Finnland, Kanada und den USA. Im Gepäck haben sie ihre selbst entwickelten Multicopter-Drohnen und Sensoren. „Unsere Drohnen sind dafür ausgelegt, bei schwierigen Wetterbedingungen zu fliegen, also bei bis zu minus 40 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten bis 70 Kilometer pro Stunde“, sagt Professor Burkhard Wrenger, der das Fachgebiet Autonome Sensorsysteme leitet.

Mit Hilfe der Drohnen messen die Forscher meteorologische Parameter wie die Temperaturen von Luft und Eis und die Windgeschwindigkeit. „Ziel des Projektes ist, meteorologische Daten auf einem neuen Qualitätsniveau zu liefern. Das ist aus unserer Sicht eine Voraussetzung für die Verbesserung von Wetter- und Klimavorhersagemodellen“, so Wrenger. Im Fokus stehen dabei Flächen, die mit See-Eis bedeckt sind: „Wir möchten die Entstehung und das Aufbrechen des See-Eises besser verstehen, da dies ein wichtiger Prozess für das Klima und für Wettervorhersagemodelle ist. Das Eis reflektiert viel Wärme, sodass das Klima kälter ist. Wenn das Eis schmilzt, wird es deshalb wärmer, wodurch dann noch mehr Eis aufbricht.“

Messungen auf unterschiedlichen Eisdecken

Im Dezember 2016 war das Projektteam bereits mit Testmessungen auf der norwegischen Insel Andoya aktiv. Im Februar 2017 fand die erste Messperiode ebenfalls in Nordfinnland statt – eigentlich stand für 2018 ein Aufenthalt auf Spitzbergen auf dem Plan. „Wir haben uns jedoch entschlossen, die Messungen wieder in Finnland durchzuführen. Dort haben wir optimale Rahmenbedingungen – außerdem besteht auf Spitzbergen inzwischen eine recht große Gefahr durch Eisbären“, erklärt Wrenger. Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler in Finnland voraussichtlich beide geplanten Messszenarien abdecken können: Messungen mit geschlossener Eisdecke sowie mit aufbrechendem Eis. Letztere sollten ursprünglich auf Spitzbergen stattfinden, doch bei dem Aufenthalt Anfang 2017 hat das Team beobachtet, dass auch im Norden Finnlands die Eisdecke aufreißen kann: „Wir hoffen nun, dass wir innerhalb der zweieinhalb Wochen beide Szenarien erleben – anfangs eine geschlossene Eisdecke, und wenn es gegen Ende Februar etwas wärmer wird, eine aufreißende.“

Premiere für neue Messtechnik

Die Auswertung der in der ersten Messperiode erzielten Daten läuft noch. Dennoch konnten die Wissenschaftler bereits einige Schlüsse ziehen, um ihre Messungen weiter zu optimieren. „Wir haben beispielsweise festgestellt, dass die Oberfläche des Eises deutlich kälter sein kann als die Lufttemperatur in unmittelbarer Nähe – jedoch schwankt dieses Phänomen mit der Zeit. Deshalb werden wir dieses Mal einen weiteren Sensor für die Messung der Oberflächentemperatur des Eises nutzen, um diesen Ansatz weiter zu untersuchen“, so Wrenger. Auch einen neu entwickelten Windsensor sowie eine Wärmebildkamera nehmen die Höxteraner Forscher dieses Mal zusätzlich mit auf die Reise.

Gefördert wird das Projekt ISOBAR von der norwegischen Forschungsgemeinschaft mit rund einer Million Euro für etwa drei Jahre. Partner sind die Universität Bergen als Projektleiter, das Finnische Meteorologische Institut, die Universitäten Tübingen und Hannover sowie die Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Hinzu kommt bei der aktuellen Forschungsreise ein Team der Universität Oklahoma aus den USA, das sich mit Drohnen beteiligt, die an die Höxteraner Bauart angelehnt sind. Mit dem jetzigen Aufenthalt wird die Datenerhebung abgeschlossen – die Auswertung der gewonnenen Daten läuft planmäßig bis Mitte 2019.

Regelmäßige Berichte und Fotos von der Forschungsreise veröffentlichen die Höxteraner Wissenschaftler in einem Online-Tagebuch.

Kontakt: Professor Dr. Burkhard Wrenger, Telefon 05271 687-7515, E-Mail burkhard.wrenger(at)hs-owl.de