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01. Oktober 2018 11:55

Neuberufung: Tillmann Wagner wird Professor für „Gebäudelehre und Entwerfen“

Professor Tillmann Wagner bei der Übergabe der Berufungsurkunde mit Kanzlerin Nicole Soltwedel (l.) und Professorin Kathrin Volk, Prodekanin des Fachbereichs Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur.

Die Hochschule OWL hat zum kommenden Wintersemester den Berliner Architekten Tillmann Wagner auf das Lehrgebiet „Gebäudelehre und Entwerfen“ berufen. Der 53-jährige gebürtige Saarländer wird künftig am Fachbereich Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur lehren.

Für die Studierenden auf dem Kreativ Campus Detmold ist Professor Tillmann Wagner kein Unbekannter: Er hatte nach einem Lehrauftrag zum Wintersemester 2017/18 bereits die Professurvertretung für sein jetziges Lehrgebiet übernommen. „Architekturgeschichte, -theorie und -praxis begeistern mich aufgrund der Verbindung von Ideengeschichte, Materialität und Sinnlichkeit in der Sprache der Architektur“, sagt Wagner über sein Fach. Für ihn setzt die Lehre auf dem grundsätzlichen Verständnis von Architektur als Sprache auf, deren Fundus die Bau- und Architekturgeschichte ist im Sinne einer imaginären Bibliothek, welche die Gebäudelehre erschließen und lesbar machen kann. Die gemeinsame Arbeit am „Abenteuer der Ideen“ (Katalogtitel der Internationalen Bauausstellung 1987) finde mit den Studierenden im Atelier am Tisch statt beim Entwerfen und bei Gesprächen darüber. Zentrales Ziel dieser dialogischen Entwurfsarbeit sei es, das Potential des einzelnen Studierenden herauszuarbeiten.

Neben Anschaulichkeit seien Klarheit und Unvoreingenommenheit in der Kommunikation weitere Grundlagen seiner Lehre. Interdisziplinäre Lehrformate mit den Studiengängen Stadtplanung, Landschafts- und Innenarchitektur sowie digitaler Medien sind bereits erprobt und werden weiter ausgebaut. „Die Themenschwerpunkte der Forschung sind auch Gegenstand der Lehre“, sagt der Berliner Architekt. Dazu gehörten die Beschäftigung mit vormodernen und heutigen hybriden Wohn- und Arbeitsformen im ländlichen Raum sowie in Stadt und Großstadt. „Die Themen finden sich zumeist im Dialog mit den Bau- und Stadtplanungsämtern der Region und darüber hinaus, so dass die Lehre an der Detmolder Schule mit den aktuellen und perspektivischen Fragestellungen der Land- und Stadtgesellschaften vernetzt ist und ihren Beitrag dazu einbringt.“

„Forschung bezeichnet für mich die konsequenteste Form lebenslangen Lernens und Neugier – welche für den Architekten eine Grundvoraussetzung für die Ausübung seines Berufs ist“, sagt Wagner. Schließlich müsse sich der Architekt mit den stets wandelnden Anforderungen und Aufgaben der Gesellschaft und der Umwelt auseinandersetzen, um neue bauliche Antworten vor dem Hintergrundwissen über historische Entwicklungslinien der Architektur- und Baugeschichte sowie des jeweiligen Ortes zu finden. „Forschung in der Architektur ist wie in der architektonischen Praxis notwendigerweise interdisziplinär.“

Forschungsthemen seines Fachgebietes seien die Untersuchung von Alltagstypus und Idealtypus in der Baukunst, Wechselwirkungen zwischen Typus und Topos sowie integrierte Wohn- und Arbeitstypologien. Hier könnten historische und konzeptionelle Grundlagen sowie Modelle architektonisch-räumlicher Konzepte für integrierte Wohn- und Arbeitsformen erarbeitet werden, die die sich wandelnden Wohn- und Arbeitsbedarfe der Gesellschaft widerspiegeln. Eine Einbeziehung der Wohnungswirtschaft (z.B. in Ostwestfalen-Lippe) in den Forschungsansatz sei wichtig, gemeinnützige Institutionen und öffentliche Stellen wolle er für das Thema gewinnen.

„Kooperationen mit der Wirtschaft und den Bauverwaltungen generieren bei sorgfältig abgestimmten Themen Synergieeffekte für Forschung, Lehre und Unternehmen“, meint Wagner. Gelinge dies, böten sie Studierenden bereits im Studium die Gelegenheit, sich mit konkreten Fragestellungen zu Bauwesen und Architektur aus ihrem Anwendungsbereich zu befassen und dabei wertvolle Kontakte für ihr berufliches Fortkommen zu knüpfen. Seitens der Hochschule könne im Gegenzug die stärkere Wahrnehmung von architektonischer Qualität in eher ökonomisch orientierten Branchen gefördert werden.

Sein eigenes Architekturstudium absolvierte Wagner von 1984 bis 1991 an der TU Berlin sowie 1991/92 an der Cooper Union New York. Daran anschließend war er zunächst bis 1998 als Wissenschaftlicher Assistent für Entwerfen am Lehrstuhl „Entwerfen Wohn- und Sozialbauten“ der BTU Cottbus beschäftigt. 1996 folgte ein Lehrauftrag für die Internationale Sommerakademie Berlin „Die Natur der Stadt“. Parallel zu seiner wissenschaftlichen Laufbahn gründete er bereits 1994 das Architekturatelier Tillmann Wagner Architekten. Sein Arbeitsspektrum umfasst dort vor allem die Themen Städtebau, Hochbauplanung, Öffentliche Bauten, Wohnungsbau, Bauen in der Denkmalpflege, Innenarchitektur und Möbelplanung. 2014 erfolgte die Berufung in den Bund deutscher Architekten Berlin (BDA) sowie ins Kuratorium der BDA Galerie Berlin, wo er für die „1zu1 Berliner Architekturdialoge“ verantwortlich zeichnet.