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15. Dezember 2017 15:38

Regenerative Kraftstoffe bieten Wege aus der Dieselkrise

© innos - Sperlich

Expertinnen und Experten der Motor- und Kraftstoffentwicklung stellen neue, regenerative Kraftstoffe vor und betonen die weltweite unveränderte Notwendigkeit des Einsatzes von Dieselmotoren. Sie fordern die Innenstadtgrenzwerte für Partikel und Stickoxide auf den Prüfstand zu stellen.

Keinen Zweifel haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fuels Joint Research Group (FJRG) am Weiterbetrieb und steigenden Absatzzahlen des Dieselmotors, gleichzeitig unterstützen sie alle Bestrebungen in der Entwicklung neuer, klimaschonender Kraftstoffe und Abgasreinigungstechnologien. Schwerpunkte ihrer Fachinformation waren der neue Kraftstoff Diesel R33, die Rohstoffverfügbarkeit und die gesundheitliche Relevanz von Kraftstoffemissionen.

Der neue Kraftstoff Diesel R33 ist ein Beispiel für eine regenerative Kraftstofffamilie, die bereits praxisreif ist und im Rahmen eines vom Freistaat Bayern und der Europäischen Union geförderten Projekts gemeinsam mit namhaften Unternehmen auf den Markt gebracht wurde. Das machte Professor Krahl von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe deutlich, der über den Praxistest mit über 280 Dieselfahrzeugen an seiner alten Wirkungsstätte, der Hochschule Coburg berichtete. Aufgrund des hohen Regenerativgrads von 33 Prozent senkt Diesel R33 die Klimagasemissionen um nahezu 20 Prozent. Krahl sieht Kraftstoffe grundsätzlich als ein wichtiges motorisches Konstruktionselement an, das nicht nur technisch, sondern auch ökologisch von großer Bedeutung ist. Hier, so betont Krahl, liegt ein für die Klimaziele der Bundesrepublik wichtiges, ja bedeutendes Potenzial.

Ausdrücklich betonen die Wissenschaftler der Fuels Joint Research Group, dass es beim Einsatz von Dieselkraftstoff fossiler und regenerativer Herkunft, nicht um eine Konkurrenz zur Elektromobilität geht, sondern um Anwendungsbereiche, die von Elektromotoren nicht abgedeckt werden können. Die Experten verweisen auf die hohen Zuwachszahlen von LKW, auf die Schifffahrt, auf Baumaschinen und landwirtschaftliche Maschinen. Sie betonen die Differenziertheit der zu bewältigenden Transportleistungen insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, die ohne Dieselmotoren undenkbar sind und von neuen Antriebstechnologien in den nächsten Jahrzehnten nicht zu ersetzten sein werden.

Über die vorhandenen oder zu entwickelnden Potenziale regenerativer Kraftstoffe berichtete Professor Munack, ehemals Institutsleiter am Thünen-Instituts für Agrartechnologie in Braunschweig. Er verwies auf Potenziale von Reststoffen aus der Lebensmittelproduktion und auf landwirtschaftliche Reststoffe, Gräser und Gehölze. Darüber hinaus, so der Experte für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe, rücken heute bereits Algen als Lieferanten vielfältiger Produkte und eben auch von Kraftstoffen in den Fokus der angewandten Forschung. Munack sieht neben der Nahrungs- und Futtermittelproduktion weltweit noch größere Rohstoffmengen verfügbar und betont, dass regenerative Kraftstoffe gute Potenziale aufweisen, aufgrund ihrer erheblichen Einsparung bei der Emission klimarelevanter Gase (CO2) und auch sonst unkritischem Emissionsverhalten (NOx, PM) zu einer nachhaltigen Mobilität beizutragen.

Professor Bünger, Arbeits- und Umweltmediziner an der Ruhr-Universität Bochum legte das Augenmerk auf die seit 1995 bis heute bereits erreichte drastische Reduzierung bei Partikeln und Stickoxiden, die sicher zu einer weitreichenden Verminderung der in früheren Studien beobachteten Risiken geführt hätten. Die Frage, ob von den Partikelemissionen der modernen Dieselfahrzeuge noch ein relevantes Risiko ausgeht, sei derzeit nicht zu beantworten. Zu den Stickoxiden führte er aus, dass bei den derzeit viel diskutierten NOx für die Umwelt aussagefähige Daten fehlen. Die experimentellen Daten an Tieren und Menschen legen nahe, dass deutlich höhere Werte ausreichend wären.

Mit seinen Feststellungen zur Entwicklung des Absatzes von Dieselmotoren und Dieselfahrzeugen aller Klassen traf Professor Tschöke, Institut für Mobile Systeme der Otto-von Guericke- Universität Magdeburg auf größtes Interesse bei den Zuhörern. Seine Prognosen für Absatz und Einsatz von dieselbetriebenen Maschinen, sowohl für Gütertransport-, mobile Arbeitsmaschinen wie für Stationärmotoren, machten unmissverständlich klar, dass der Dieselmotor weder national noch international verdrängt oder ersetzt werden kann. Die vielfältigen Einsatzbereiche wie die bereits genannten Transport-, Arbeits- und landwirtschaftlichen Maschinen bis hin zur Schifffahrt sprechen für sich und lassen Alternativen auch langfristig nicht erwarten. Tschökes Ausblick bis 2030 bescheinigt dem modernen, also abgasreduzierenden Dieselmotor eine stabile Zukunft, auch im Betrieb mit regenerativen Kraftstoffen. 

Das Fachgespräch leitete die innos – Sperlich GmbH im Auftrag der Fuels Joint Research Group (FJRG) in Berlin. Die Fachexperten stehen gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung.