Verweis zur Startseite der Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Servicenavigation

News

27. März 2017 14:17

Sauberes Wasser weltweit im Blick

21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Norwegen, Polen, der Ukraine, Sri Lanka und China waren vom 25. bis zum 27. März 2017 auf dem Höxteraner Campus der Hochschule Ostwestfalen-Lippe zu Gast. Hier fand ein Treffen des Projektes „Water Harmony“ statt. Kern des von der Europäischen Union geförderten Projektes sind die Entwicklung und der internationale Transfer von Lehreinheiten aus der Wasserwirtschaft.

Wasser – es ist auf der Welt im Überfluss vorhanden und doch sehr kostbar. Während es in Europa Standard ist, dass stets sauberes Wasser aus dem Hahn kommt, ist das in vielen anderen Ländern nicht selbstverständlich. Die Qualität von Grundwasser, Flüssen, Seen und Meeren nachhaltig zu schützen, ist Ziel des Projektes „Water Harmony“, das von der Europäischen Union mit 1,3 Millionen Euro für drei Jahre gefördert wird. Die zehn Projektpartner aus sechs Ländern arbeiten daran, das Studium in der Wasserwirtschaft international zu vereinheitlichen, um die Güte der Ausbildung weltweit zu standardisieren. Sie haben Ende 2015 mit der Entwicklung von Lehrplänen, Unterrichtsmethoden, Lehr- und Lernmaterialien begonnen. Regelmäßig stimmen sie sich bei Projekttreffen über den aktuellen Stand und die nächsten Schritte ab – jetzt war das Projekt erstmals an der Hochschule OWL in Höxter zu Gast.

Starke Kontakte

„Der Projektname ‚Water Harmony‘ steht für die Harmonisierung der Ausbildung zwischen den beteiligten Ländern“, erklärt der Projektleiter, Professor Harsha Ratnaweera aus Norwegen, und betont: „Der Transfer ist dabei keine Einbahnstraße. Alle Länder haben sowohl Stärken als auch Herausforderungen im Themenfeld Wasserwirtschaft.“ Ein besonders wichtiger Aspekt des Projektes ist die Vernetzung – gerade auch im Rahmen der Projekttreffen: „Die Water-Harmony-Familie wird immer stärker. Auch nach dem Ende des Projektes werden wir in Kontakt bleiben und weiter zusammen arbeiten", so Projektleiter Ratnaweera. Dazu zähle auch die Beantragung weiterführender Fördermittel. „Das Projekt war eine sehr gute Erfahrung und wir sind mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden“, fasst Ratnaweera zusammen.

Internationale Erfahrungen

Ein Augenmerk des Austausches liegt vor allem auf den Studierenden und Lehrenden. So finden beispielsweise einmal jährlich Summer Schools statt, bei denen Studierende aus allen am Projekt beteiligten Hochschulen zusammenkommen. 2016 war Sri Lanka das Ausrichtungsland – die beiden Höxteraner Studentinnen Ramona Ridder und Anna Busch nahmen seitens der Hochschule OWL teil und berichteten im Rahmen des Projekttreffens von ihren Erfahrungen. Die beiden Studentinnen des Umweltingenieurwesens erhielten einen Überblick über die Lehrsituation an der University of Peradeniya in Sri Lanka in den ingenieurwissenschaftlichen Fachbereichen, die den Gewässerschutz zum Ziel haben. Vor Ort haben sie Vorlesungen besucht und an Praktika und Exkursionen teilgenommen. Eine ihrer Beobachtungen: In Vorlesungen in Sri Lanka wird weniger über Themen diskutiert, als in Deutschland. Diese und weitere Eindrücke fließen unter anderem über Fragebögen direkt in das Projekt ein.

Europäischer Luxus

„Ich habe in Sri Lanka gemerkt, weshalb ich studiere, was ich studieren – ich liebe was ich tue“, diese Erfahrung hat Ramona Ridder mit nach Hause genommen, denn in Sri Lanka konnte sie für viele Dinge, die sie in der Heimat lernt, eine Anwendung sehen. „Das war sehr inspirierend“, so die Masterstudentin. Ihre Kommilitonin Anna Busch ergänzt: „Zuhause merkt man gar nicht, was man schon alles kann. Aber in Sri Lanka haben wir realisiert, was wir im Studium gelernt haben und schon anwenden können.“ Außerdem haben sie noch ganz andere Dinge zu schätzen gelernt: „In Deutschland ist qualitativ hochwertiges Leitungswasser immer verfügbar – das ist ein Luxus. Ich wünsche mir, dass das für alle Menschen Standard wird“, sagt Ramona Ridder. Ein erster Schritt dahin könnte sein, Studierende aus allen am Projekt „Water Harmony“ beteiligten Hochschule hierfür zu sensibilisieren und zu motivieren, sich selber und ihr im Studium gewonnenes Wissen rund um Wasserthemen für dieses Ziel einzusetzen.

Entscheider der Zukunft


„Es ist nicht genug, dass wir in Europa den Luxus genießen, gutes Wasser zu haben – wir müssen etwas dafür tun, dass alle Menschen Zugang zu gutem Wasser haben“, betont auch Professor Harsha Ratnaweera aus Norwegen. Auch er zählt auf die Studierenden, die wie Anna Busch und Ramona Ridder an den Summer Schools teilnehmen und anschließend ihren Kommilitonen gegenüber als Multiplikatoren wirken. Professor Martin Oldenburg von der Hochschule OWL unterstreicht den bisherigen Erfolg des Netzwerkens: “Ich bin überrascht, wie lange die Kontakte unserer Summer-School-Teilnehmerinnen mit den internationalen  Studierenden jetzt schon halten." Projektleiter Ratnaweera hebt hervor: „Die Studierenden sind die Ingenieure, Lehrenden und Entscheider der Zukunft.“ Deshalb sei es wichtig, sie schon jetzt so intensiv in das Projekt zu integrieren und ihnen die Möglichkeit zum internationalen Netzwerken zu geben.

Am Puls der Zeit

Der erste von sechs Ausbildungskursen, die durch „Water Harmony“ entstehen sollen, wird aktuell fertig gestellt. Die Lehreinheiten werden wie ein Baukasten aufgebaut – die Lehrenden können nutzen, was sie möchten, ohne alles verwenden zu müssen. Die entwickelten Lehreinheiten sollen über das Projekt hinaus allen Interessierten zur Verfügung stehen und auch an der Hochschule OWL in der Master- und Doktorandenausbildung genutzt werden. Dabei arbeiten die Projektpartner am Puls der Zeit: „Wir orientieren uns sehr stark an den aktuellen Herausforderungen. Beispielsweise thematisieren wir natürlich in den Lehrmaterialien die Einflüsse des Klimawandels auf die Wasserversorgung“, sagt Professor Joachim Fettig von der Hochschule OWL.

Weitere Informationen zum Projekt: www.waterh.eu