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19. November 2018 13:31

Warum wir heute leben, wie wir leben

Referent Professor Harald Meller ist Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt und Honorarprofessor der Universität Halle-Wittenberg für das Lehrgebiet „Archäologie Europas“.

Der erste Applaus des Abends gehörte Professor Guido Falkemeier (M.), der am selben Tag von Unicum zum bundesweiten „Professor des Jahres“ gekürt worden ist.

Hochschulpräsident Professor Jürgen Krahl stellte nicht nur den Referenten vor, sondern ordnete auch den Begriff der Bildung ein, der mehr umfasse, als die Konfrontation mit Faktenwissen.

Klaus Eisert von Phoenix Contact moderierte die anschließende Fragerunde, in der es unter anderem um die Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra ging, für die der Referent bekannt geworden ist.

Als Dank für seinen Vortrag erhielt Professor Harald Meller ein besonderes Geschenk: die „Himmelsscheibe von Blomberg“, wie Klaus Eisert bei der Überreichung formulierte.

Das „Phoenix Contact-Kolloquium“, das vom gleichnamigen Unternehmen mit der Hochschule OWL ausgerichtet wird, spannte in diesem Jahr den Bogen aus der Archäologie zum Hightech. Referent war Professor Harald Meller aus Halle (Saale).

Warum jubelt der Mensch gerne ausgelassen bei Sportveranstaltungen, fletzt vor dem Fernseher und gibt auf der Autobahn so richtig Gas? All dies ist in der Evolution begründet, wie Professor Harald Meller am 15. November 2018 beim Phoenix-Contact-Kolloquium auf dem Innovation Campus Lemgo erläuterte. Er nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise durch Millionen von Jahren: vom aufrechten Gang über den Faustkeil („das erste Multitool“) und die Speerschleuder („die raffinierteste Jagdwaffe“) zur Höhlenmalerei und über die Sesshaftigkeit in ein grenzenloses Europa.

Innovationen als Lebensgrundlage

„Warum lädt der Technologieführer Phoenix Contact gemeinsam mit einer Hochschule, die sich künftig Technische Hochschule nennen wird, einen provinzialrömischen Archäologen als Referenten ein“, fragte Hochschulpräsident Professor Jürgen Krahl in seinen einleitenden Worten. Die Antwort gab Meller sehr schnell, schließlich stand im Zentrum seines Vortrags das Thema Innovationen. Dabei betonte er, dass es Innovationen bereits gibt, seit der Mensch vom Baum kam und den aufrechten Gang erlernte: Nur durch eine rasante Weiterentwicklung – in diesem Fall den Verlust seiner Behaarung – konnte der Mensch überleben. Erst die Fähigkeit des Schwitzens ermöglichte es dem Menschen, länger zu laufen als die Tiere und somit einerseits seinen Feinden zu entkommen und andererseits Nahrung durch die Jagd zu erlegen.

Keine primitiven Menschen

„Innovationen treten immer dann auf, wenn es eng wird“, sagte Meller und erklärte, dass die bedeutendsten Erfindungen zu den Zeiten entstanden seien, wenn die Weltbevölkerung am stärksten gewachsen sei. Primitiv sei der Mensch dabei zu keinem Zeitpunkt gewesen, betonte der Referent, auch wenn dies aus der heutigen Perspektive häufig so gesehen werde. Im Gegenteil: „Der Neandertaler ist wie wir – und er ist sogar in uns.“ Auf dieser Grundlage erklärte Meller, dass es keine verschiedenen Menschenarten und -rassen gebe, sondern lediglich unterschiedliche Ausprägungen, die als Anpassungen an die Umwelt entstanden sind, und sich in Haut-, Haar- und Augenfarbe bemerkbar machen.

Fest verwurzelt in der Steinzeit

„Warum müssen wir wissen, wie Menschen in der Steinzeit lebten?“, fragte der Archäologe. „Wir rekonstruieren das Leben der Steinzeit.“ Und wie lebte ein Steinzeitmensch? „So wie Sie gerne leben würden – so wie Sie im Urlaub leben. Sie alle werden immer wieder Steinzeitmenschen, da fühlen Sie sich am wohlsten, weil sie Millionen Jahre so lebten.“ Zeigen würde sich dies in manch archaisch wirkenden Verhaltensmustern: beim Mitfiebern in Handball-Spielen, beim Fernseh-Schauen mit der Familie. Aber: „Wir können nicht zurück, sondern nur voran. Und nur mit Innovationen können wir überleben und unser Leben besser machen.“

Der Vortrag zum Nachhören: www.phoenixcontact.de/kolloquium

Termin: Das Phoenix Contact-Kolloquium 2019 findet am 21. November statt.