Verweis zur Startseite der Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Servicenavigation

News

28. Juli 2017 16:12

Wein-Anbau im Weserbergland?

Michael Rindermann (rechts), Inhaber des Corveyer Weinhauses in Höxter, erläutert die Historie der Weinbergskapelle.

Der Abschluss des Seminar fand im neuen Weinberg bei Höxter statt.

Im ganztägigen Fachseminar „Historische Weinbauanlagen“ an der Hochschule OWL in Höxter diskutierten zahlreiche Expertinnen und Experten über die zukünftige Rolle möglicher Weinbauanlagen in der Oberweserlandschaft. Eine Exkursion zum neu angelegten Weinberg an den Hängen des Räuschenbergs rundete das Fachseminar mit einer Verkostung von Weserbergland-Weinen ab.

Das Fachseminar „Historische Weinbauanlagen“ startete als Auftakt einer Seminarreihe, die jährlich andere Kulturlandschaftselemente der Region in den Fokus der Veranstaltung stellt. Daraus sollen sich wissenschaftliche und praktische Kooperations- und Transfermöglichkeiten für den Forschungsschwerpunkt Kulturlandschaft an der Hochschule OWL eröffnen. Zum Fachseminar „Historische Weinbauanlagen“ Ende Juli reisten Referentinnen und Referenten aus dem ganzen Bundesgebiet nach Höxter. Unter anderem referierte Professor Winfried Schenk von der Universität Bonn über die historische Entwicklung des Weinbaus in Deutschland. Er betonte in seinem Vortrag die Rolle der Klöster für die Ausbreitung des Weinanbaus. Über strategische Ansätze und Maßnahmen, das Natur- und Kulturerbe Wein erfolgreich zu vermitteln, sprach Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, aus Veitshöchheim. Die Wertschätzung in der Bevölkerung ist für den Erhalt von Weinkulturlandschaften unverzichtbar, um beispielsweise auch eine Nachfrage für die kostenintensiver produzierten und damit teureren Produkte aus Steil- und Terrassenlagen zu generieren, die ansonsten als Weinanbaugebiete aufgegeben werden müssten. Das Klima und die Landschaft haben Einfluss auf die Anbauformen des Weins – war die Botschaft von Marco Hofman  von der Hochschule Geisenheim, der die durch den Klimawandel beeinflusste Entwicklungen  und Herausforderungen für den Weinanbau aufzeigte.

Doch auch Expertinnen und Experten aus Höxter waren als Vortragende vertreten. Michael Koch  vom Stadtarchiv Höxter referierte über den Weinanbau im näheren Umfeld um das Jahr 1200. Rund um die damalige Abtei Corvey wurde Weinanbau zu diesem Zeitpunkt erstmals nachgewiesen. Heute lassen sich noch Relikte des historischen Weinanbaus in der Landschaft erkennen - beispielsweise Fragmente der ehemaligen Weinbergterrassen an den Hängen des Räuschenbergs. Die Potentiale für Weinanbaulagen für Flora und Fauna im Oberweserraum zeigten Professor Winfried Türk sowie Mathias Lohr von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe auf. Durch das Ausbilden klimatischer Sonderstandorte bieten Weinberge spezialisierten Tier- und Pflanzenarten  Lebensraum.  Zwei regionale Projekte boten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nachmittags Anlass, sich dem Thema auch in der freien Landschaft zu nähren. Ralf Pankoke berichtete über sein Dissertationsvorhaben. Er untersucht die Lage des historischen Weinanbaugebietes an den Hängen des Räuschenbergs, um bisher ausstehende, wissenschaftlich fundierte Aussagen zum Thema Weinanbau für diesen Standort liefern zu können.

Im Anschluss an die Fachvorträge gab es eine Führung durch den neu angelegten Weinberg des Corveyer Weinhauses, der die Bedeutung historischer Rebsorten verdeutlichte. Eine Verkostung von Weserberglandweinen in entsprechender Kulisse rundete die Veranstaltung thematisch ab.