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27. September 2017 12:15

Wenn Vorurteile auf die Realität treffen

In dreiteiligen Fotoserien hat Denise Großheim unterschiedliche Klischees vorgestellt: hier die „Tussi“. Sie erläutert dazu: „Auch Karin könnte man in diese Schublade stecken, da sie lange Haare hat und gerne auf ihr Äußeres achtet. Dennoch ist sie eine junge Frau, die alles in ihrem Leben selbst regelt und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen ist.“

Für das Klischee des „Pumpers“ hat Denise Großheim ein Fotoshooting mit Michael Dieckewied umgesetzt, der als Personal Trainer und Studioleiter im Buena Vista Fitnessclub in Lemgo arbeitet. „Aufgrund seines muskulären Äußerlichen wird ihm oft unterstellt, dass er ungebildet sei“, erläutert die Absolventin. „Auch hier schnappt die Schubladenfalle zu, denn in seiner Freizeit liest er gerne Bücher und interessiert sich für politische Themen.“

Als Bachelorarbeit im Studiengang Medienproduktion an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe hat Denise Großheim ein Magazin erstellt zum Thema „Vorurteil vs. Realität“. In acht Bilderserien geht sie dabei Klischees auf den Grund – von der „Tussi“ über den „Nerd“ bis zum „Arbeitslosen“.

Eine Frau mit langen blonden Haaren sieht im rosa Blazer anders aus als im weißen T-Shirt, ein tätowierter Mann im Muskelshirt anders als mit Hemd und Krawatte. Mit Bildern wie diesen arbeitet Denise Großheim in ihrer Studienabschlussarbeit im Fach Medienproduktion. Auf die Idee, sich mit Vorurteilen zu befassen, kam sie in einer Lehrveranstaltung, die ihr im Gedächtnis blieb, da sie selber mit dem Thema öfters in Berührung kommt: „Ich spiele Handball und bin schon häufig von neuen Teamkolleginnen darauf angesprochen worden, dass ich ja ganz anders sei, als sie zuerst dachten“, so Großheim, die während ihres Studiums mit der HSG Blomberg-Lippe in der Handballbundesliga aktiv war. „Mir fiel zunächst auf, dass Vorurteile besonders durch Kleidungsstile entstehen. Als ich dann durch die Stadt lief, fing ich an, meine Mitmenschen bewusster wahrzunehmen, und kam zu dem Ergebnis, dass auch Hobbys, Berufe oder Gesellschaftsstände Vorurteile hervorrufen.“

In ihrer Bachelorarbeit wollte sie das Thema fotografisch umsetzen. Entstanden ist ein Magazin mit acht Foto-Trilogien und kurzen Texten. „Ich wollte etwas erstellen, was es nicht nur digital gibt, sondern man auch in der Hand halten kann – so ist dann die Idee für das Magazin entstanden“, so die Absolventin, die acht vorurteilsbehaftete Typen ausgewählt hat: Tussi, Tätowierter, Flüchtling, Sportlerin, Nerd, Pumper, Punkerin, Arbeitsloser. Eine theoretische Ausarbeitung rundet die Arbeit mit dem Titel „Vorurteil vs. Realität: kritischer Umgang mit Stereotypen und Vorurteilen in der Porträtfotografie“ ab. Zielgruppe des Magazins sind 14- bis 45-Jährige. „Ich habe eine recht junge Zielgruppe gewählt. In den jüngeren Altersgruppen ist die Chance, an den Werten und Normen der Menschen noch etwas zu verändern, größer, als bei älteren Menschen“, erklärt Großheim.

Die fotografierten Personen hat die Studentin in ihrem Bekanntenkreis ausgewählt und mit jedem der Models einen Tag im Fotostudio gearbeitet – für jede Person sind drei Fotos in unterschiedlichen Outfits und Stylings entstanden. „Jedes Shooting war anders, da ich mit ganz verschiedenen Charakteren gearbeitet habe, von denen die meisten auch noch keine Erfahrung vor der Kamera hatten“, erzählt Großheim, die inzwischen nach Abschluss ihres Studiums in ihre Heimat Frankfurt/Main zurückgekehrt ist. Dort möchte sie nun beruflich in die Fotografie-Branche einsteigen.

Betreut wurde die Bachelorarbeit von Marietta Ehret und Martin Engeleit vom Fachbereich Medienproduktion der Hochschule OWL. „Die Botschaft von Denise Großheim in ihrer Bachelorarbeit lässt sich zusammenfassen mit: Lass Dich nicht von Äußerlichkeiten beeindrucken! Sportlerinnen und Sportler beispielsweise haben auch eine ganz andere, überraschende Seite. Gerade diese Sportlerfotos sind aus meiner Sicht besonders gut gelungen“, sagt Ehret und betont: „Mich hat einerseits beeindruckt, dass es Denise Großheim gelungen ist, imposante Persönlichkeiten für dieses Projekt zu begeistern, und andererseits, wie sie die Gratwanderung zwischen Stereotypen und Authentizität gemeistert hat.“ Das Magazin „Vorurteil vs. Realität“ liegt gedruckt vor und kann kostenlos bei Marietta Ehret angefordert werden: marietta.ehret(at)hs-owl.de

Der Studiengang Medienproduktion

Für einen Werbekunden eine 3D-Animation programmieren, die Produktion eines Musikvideos als Kamerafrau unterstützen, das Corporate Design eines Unternehmens entwickeln oder als Regisseur zum Film gehen – diese und weitere Möglichkeiten bietet ein Studium der Medienproduktion an der Hochschule OWL. Es umfasst gestalterisch-künstlerische Aspekte, aber auch technische und wirtschaftliche. In den ersten Semestern stehen Grundlagen auf dem Lehrplan, darunter Medientechnik, -recht und -geschichte, Journalismus sowie Gestaltung. Ab dem dritten Semester stehen Schwerpunktfächer zur Auswahl: Film, Medienprogrammierung, Grafikdesign, Animation, Computergrafik und Produktion. Im vierten Semester erstellen die Studierenden konkrete Medienprodukte, oft in Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Kultur. Absolventinnen und Absolventen finden Arbeitsmöglichkeiten in Filmproduktionsgesellschaften, in Design-Agenturen, in Onlineredaktionen, im Videojournalismus und vielem mehr.

Weitere Informationen zum Studium: www.hs-owl.de/studistart