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14. November 2017 10:53

Wohnmediziner: Formaldehyd-Wert in zehn Prozent aller Haushalte überschritten

Häuser aus „Mondholz“ stellte Natascha Hempel vor.

Aufquellende Holzdübel verbinden Holz ganz ohne Industrieklebstoff.

Tischler Henner Cordes setzt sich für ökologischen Innenausbau ein.

Die Referenten des 7. Wohnmedizinischen Symposiums (v.l.): Prof. Dr. Manfred Pilgramm, Natascha Hempel, Friedhelm Türich, Prof. Dr. Klaus Fiedler, Bernhard Kopff, Henner Cordes, Prof. Manfred Lux.

Ist Mondphasenholz besonders widerstandsfähig? Oder ist das nur Aberglaube? An dieser Frage entzündete sich kurzzeitig eine Diskussion während des 7. Wohnmedizinischen Symposiums der Hochschule OWL, zu dem 130 Zuhörerinnen und Zuhörer am vergangenen Freitag auf den Campus Detmold gekommen waren. Die Veranstaltung widmete sich dem Thema „Holz als Baustoff in der Wohnmedizin“ und wurde von Prof. Dr. Manfred Pilgramm moderiert.

„Von der Wiege bis zum Sarg ist das Holz ein wichtiger Begleiter des Menschen“, sagte Prof. Dr. med. Klaus Fiedler (Jena/Berlin). So trage Holz zu einem guten Raumklima bei. Unversiegelt nehme es feuchte Raumluft auf und gebe sie bei ungenügender Raumluftfeuchte wieder ab. Hauptproblem der Emissionen aus Holzwerkstoffen ist laut Fiedler nach wie vor das Formaldehyd. So werde der Richtwert in bis zu zehn Prozent der deutschen Haushalte überschritten. Bei Baustoffen für den Innenausbau sollten Verbraucher daher verstärkt auf das Siegel „Blauer Engel“ achten, auch regelmäßiges Stoßlüften sei wichtig (empfehlenswert: ein Wechsel von mindestens der Hälfte der Luft pro Stunde).
 
Für gänzlich unbehandeltes Holz innen wie außen plädierte Bernhard Kopff (München) in seinem Vortrag „Holzschädlinge verstehen – Schaden und Nutzen“. Chemische Holzschutzmittel brächten selten etwas, da sie meist gar nicht in der Tiefe wirkten, wo die Larven sitzen. Grundsätzlich gelte: „Ohne Wasser kein Pilz.“ Wichtig sei daher, Bauschäden von vornherein zu vermeiden.

„Holz ist ein sehr nachhaltiger Baustoff, wenn man ihn richtig behandelt und verbaut“, meinte Natascha Hempel (Frankfurt/M.), die die Philosophie der österreichischen Firma Thoma vorstellte. Die baut Häuser ohne Holzschutz und Klebstoffe aus so genanntem Mondholz, das im Winter bei abnehmendem Mond im Gebirgswald geschlagen wird. Mechanische Verbindungen wie Holzdübel ersetzen giftige Klebstoffe. Dass Mondholz für Insekten und Pilze nicht anfällig sei, bezweifelte hingegen ihr Vorredner Bernhard Kopff.

Unbehandeltes Holz eigne sich bestens für ein „Bauen in Kreislaufsystemen“. „50 Prozent unseres Müllaufkommens wird durch die Baubranche verursacht“, sagt Prof. Manfred Lux (Detmold). Ein Großteil davon müsse auch noch als Sondermüll entsorgt werden. In seinem Vortrag stellte Lux vor allem den nachwachsenden Rohstoff Typha (Rohrkolben) vor. Daraus hergestellte Bauprodukte hätten gute Trag- und Dämmeigenschaften. Mit Magnesit gebunden könnten sie Styropor bei der Wärmedämmung ersetzen, zeigte sich Lux überzeugt. Weitere Vorteile: Sie seien schwer entflammbar und dampfdiffusionsoffen. Nicht nur im Hausbau, auch im Möbelbau sei ein Verzicht auf Metall und Klebstoffe dank mechanischer Holzverbindungen möglich.

Wände müssten nicht luftdurchlässig sein, wohl aber feuchtigkeitsdurchlässig, sagte Henner Cordes. Der Tischlermeister hat sich mit seinem Lemgoer Betrieb auf den ökologischen Innenausbau spezialisiert. Er plädierte dafür, Wände mit Zellulose zu dämmen in Verbund mit einer Wandheizung und einem unbehandelten Holzboden.

„Grün muss wertsteigernd für Immobilien werden“, forderte Friedhelm Türich, Gesellschafter einer Baumschule in Horn-Bad Meinberg. Auch filterten Bäume Feinstaub aus der Luft und wandelten Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff um.  Laut Fiedler liefert eine 150 Jahre alte Buche den Sauerstoff-Tagesbedarf von 26 Menschen. Außerdem nehme sie pro Tag etwa 24 Kilogramm Kohlenstoffdioxid auf, so viel wie ein Kleinwagen im Schnitt auf 150 Kilometer in die Luft puste. Als Feinstaubfilter besonders effektiv seien Nadelbäume, führte Türich weiter aus. Damit seien sie ideal für die feinstaubgeplagten Innenstädte.
 
Alle Vorträge des Symposiums 2017 sowie der Symposien von 2011 bis 2016 gibt es auf CD (Kosten: 5 Euro). Kontakt: wohnmedizin.fb1(at)hs-owl.de