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03. November 2017 12:52

Workshop zu Governance-Problemen in Währungsunionen

Von links: Juan Castañeda, Claire Thirriot-Kwant, Jozef Vasak, Jürgen Nautz, Sonja Puntscher Rieckmann. Foto: Repräsentanz der Europäischen Kommission in Österreich, Wien

Jürgen Nautz bei der Eröffnung der Tagung im Haus der Europäischen Union. Foto: privat

Im Oktober trafen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Währungsexpertinnen und -experten zu einem Workshop zu Fragen der Governance von Wähungskooperationen in Wien. Sie folgten der Einladung des Sprechers des Studienzentrums Warburg der Hochschule OWL, Professor Jürgen Nautz.

Der Workshop stand unter dem Oberthema „Monetary Cooperation. A Historical Approach“. Der erste Teil der Veranstaltung im Pallotti-Haus widmete sich ausschließlich dem akademischen Diskurs, während der zweite Teil, der in den Räumen der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien stattfand, sich explizit der Verknüpfung der historischen Diskurse über Währungskooperationen und den aktuellen Herausforderungen innerhalb der Europäischen Währungsunion zuwandte. Diese Kombination aktueller Problemstellungen und historischer Befunde fand bei der interessierten Öffentlichkeit besonders viel Interesse. Unter den knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern befand sich eine Schulklasse aus der Schweiz, leitende Beamtinnen und Beamten aus den einschlägigen Ministerien, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Staaten, darunter der spanische Botschafter in Wien, und selbstverständlich auch die Studierenden aus Professor Nautz’ Lehrveranstaltung an der Universität Wien.

Thematischer Schwerpunkt am Donnerstag waren Ursachen und Folgen der Destabilisierung der Lateinischen Münzunion und der Währungsunion von Österreich-Ungarn, die beide über Strukturen und Probleme verfügten, die mit jenen der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion vergleichbar sind. Als besonders vielversprechend erwies sich die Hinwendung zu den „kleinen Leuten“. Währungsgeschichte hat sich bislang in erster Linie mit den Eliten, Währungspolitik und -theorie befasst. Um Entwicklungen (historische wie aktuelle) richtig einschätzen zu können, müssen nicht zuletzt die Interessen und Problemlagen aller Geldverwender betrachtet werden. Bislang sind alle Währungsunionen in Europa gescheitert. Soll dem Euro-Raum nicht das gleiche Schicksal beschieden sein, müssen die Bedürfnisse und Erwartungen aller Beteiligten angemessen berücksichtigt werden. Währungspolitik unter den Bedingungen heterogener gesellschaftlicher und nationaler Interessen kann allein mit der Erfüllung normativer Vorgaben der Währungstheorie nicht gelingen.

Einen Schwerpunkt bildete am Freitagmorgen eine Diskussion zwischen dem Berater für wirtschaftspolitische Koordinierung der Wiener Repräsentanz der Europäischen Kommission, Jozef Vasak, Juan Castañeda (Direktor des Institute of International Monetary Research,  University of Buckingham), Sonja Puntscher Riekmann (Jean Monnet Professorin und Direktorin des Salzburg Centre of European Union Studies der Universität Salzburg) und der Leiterin der Wirtschaftsabteilung der französischen Botschaft in Wien, Claire Thirriot-Kwant, über aktuelle Entwicklungen in der Euro-Zone unter der Erfordernis eines optimalen Währungsraumes, treffend zusammengefasst im Titel des Vortrags von Sonja Puntscher Riekmann „Completing the Economic and Monetary Union. What is necessary and what is feasible“. Die Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft der Oesterreichischen Nationalbank, Doris Ritzberger-Grünwald, sprach über die stabilisierende Rolle der Europäischen Zentralbank. Eine vergleichbare Position kam der Notenbank in der Währungsunion Österreich-Ungarns zu.

Der Workshop wurde durch die finanzielle Unterstützung der Österreichischen Forschungsgemeinschaft, der Japan Society for the Promotion of Science, des Institute français Autriche, der École normale supérieure sowie der Hochschule OWL und der Repäsentanz der Europäischen Kommission in Österreich möglich gemacht.