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05. März 2019 09:11

Zwischen Weltrekord und Klausurenphase

David Laufkötter nach einer erfolgreichen Disziplin. Foto: DLRG/Steph Dittschar

Gold in der Gurtretter-Staffel (v.l.): Jan Malkowski, David Laufkötter, Christian Ertel und Danny Wieck. Foto: DLRG/Steph Dittschar

In Aktion beim Abschleppen eines Dummys. Foto: DLRG/Steph Dittschar

David Laufkötter ist dualer Student des Wirtschaftsingenieurwesens am Fachbereich Produktion und Wirtschaft an der Hochschule OWL. Parallel ist er amtierender Weltmeister und Weltrekordhalter im Rettungsschwimmen. Im Interview spricht er über seine Wettkampferfahrungen sowie die Verbindung von Leistungssport und Studium – und erklärt, warum sein Schwerpunkt vom Schwimmbad in den Hörsaal gewandert ist.

David Laufkötter hat im November 2018 seine Laufbahn als Rettungsschwimmer bei den Weltmeisterschaften in Australien gekrönt: Der Bad Wünnenberger hat zweimal Gold und eine Bronzemedaille gewonnen und stellte mit seinen Staffelkollegen sogar einen neuen Weltrekord auf. Zwei Wochen lang war David mit der Nationalmannschaft in Australien bei der WM am Start. Wenn er nicht gerade professionell Wettkämpfe schwimmt, studiert er dual Wirtschaftsingenieurwesen. Medienproduktions-Studentin Alissa Kreh hat mit ihm gesprochen über seine Eindrücke in Australien und die Jonglage mit Leistungssport und Studium.

Wie hat es Dir bei der WM in Australien gefallen? Wie war die Stimmung vor Ort?

Die WM war meine zweite Weltmeisterschaft, nachdem ich 2014 bei der Jugend-WM dabei war. Australien gilt sozusagen als das Land der Rettungsschwimmer – das war ein riesen Highlight, da überhaupt zu starten. Die Stimmung vor Ort war einfach unglaublich. Bei Wettkämpfen in Deutschland sind meist nur recht wenig Zuschauer da, bei der WM in Australien waren allein 7.000 Athleten plus Zuschauer, das kann man sich gar nicht vorstellen was dort los war.

Wie oft bist Du im Jahr normalweise auf Wettkämpfen unterwegs?

Ein Wettkampfjahr geht bei uns auch wirklich fast ein Jahr, wir haben da nur zwei bis drei Wochen Pause. Es fängt an mit kleineren Sachen: Bezirks- und Landesmeisterschaften, dann Deutsche Meisterschaften plus Länderkämpfe, das sind wenn es hoch kommt etwa 15 Wettkämpfe. Die wichtigsten davon sind aber fast alle im Ausland.

Wie bist du denn zum Rettungsschwimmen gekommen? Das ist ja eher ein ungewöhnlicher Leistungssport.

Wir hatten bei mir in der Nähe nur die DLRG, keinen normalen Schwimmverein, und meine Eltern wollten gerne, dass ich Schwimmen gehe. Ich wollte aber auch Fußball spielen, also habe ich alles ein bisschen gemacht. Am Anfang war mein Fokus gar nicht so sehr auf dem Schwimmen, aber mit der Zeit hat es mir immer mehr Spaß gemacht und ich wurde langsam erfolgreich, also bin ich dabei geblieben, und es macht mir heute immer noch Spaß.

Du studierst hier an der Hochschule OWL im ersten Semester Wirtschaftsingenieurwesen, sogar dual. Leistungssport und Studium – lässt sich das überhaupt vereinbaren?

Also, wenn man nicht gerade ein duales Studium macht, geht das auf jeden Fall. Ich habe ziemlich viele Freunde, die auch Ingenieurwissenschaften studieren, und bei denen klappt das eigentlich ganz gut. Man muss eben Zeit mitbringen und auch mal sagen: „Ich schreibe jetzt nicht sechs Klausuren, sondern eben nur vier.“ Und dann gegebenenfalls das Studium um ein oder zwei Semester verlängern. Für die WM habe ich zum Beispiel drei Wochen gefehlt. Würde man als aktiver Leistungssportler versuchen, das Studium nicht zu strecken, wären diese drei Wochen echt viel.

Hast du von deinen Freunden gehört, was die größten Herausforderungen sind, wenn man das verbinden möchte?

Als Sportler ist man es auf jeden Fall gewohnt, seinen Tag oder eigentlich sein ganzes Jahr zu takten. Am Anfang des Jahres stehen wir immer vor der Herausforderung: Wann mache ich was und wie mache ich das. Man fängt damit an, das Jahr durchzuplanen, wann sind Klausuren, wann sind Wettkämpfe. Dann fängt man an, die Woche zu planen, wann trainiere ich wie. Und danach richtet sich dann der Tagesplan. Zeitmanagement ist wirklich der größte Faktor, mit dem man sich dabei auseinandersetzen muss. Aber das ist auch etwas, das man als Leistungssportler immer mitnimmt, dadurch kann ich meinen Tag ganz gut planen und bin da relativ streng mit mir selbst. Das kommt mir auf jeden Fall auch im Studium zugute.

Wie sieht so ein typischer Trainingstag für dich aus?

Bevor ich mit dem Studium hier angefangen habe, war ich zwei Jahre als Sportsoldat bei der Bundeswehr. Das bedeutet, in diesem Zeitraum bin ich wirklich hauptberuflich Sportler gewesen. Da habe ich sechs Wochen Grundausbildung gemacht und war dann freigestellt für den Sport. Da haben wir zwei bis drei Mal am Tag zwei Stunden trainiert, plus Auf- und Abwärmen. Zurzeit, also vor der WM, habe ich ganz normal studiert und nach der Vorlesung bin ich dann nochmal zwei bis vier Stunden trainieren gegangen. Jetzt gerade bin ich viermal die Woche im Wasser und dreimal noch im Gym, weil ich noch abtrainieren muss. Während der Vorbereitung für die WM bin ich mit dem Trainieren kaum hinterhergekommen, da habe ich dann für eine Weile meinen Pausentag gestrichen. Das ist zwar nicht so nachhaltig, aber für eine Weile geht das schon mal.

Wie bist du denn überhaupt zum Studium hier gekommen?

Mein jetziger Arbeitgeber hat mich früher im Sport unterstützt. Ganz früher habe ich da als Aushilfe gearbeitet. Mein Chef fand das glücklicherweise eine gute Sache, lokale Sportler zu unterstützen. Das Unternehmen hat mir Ausrüstung und Trainingslager finanziert. Und über diese Firma bin ich dann zum Studium gekommen.

Du hast im Zuge der Weltmeisterschaft in Australien deine WM-Karriere beendet. Warum?

Das war wirklich größtenteils wegen dem Studium. Ich habe gemerkt, dass mir das mit dem ganzen Stress durch die Doppelbelastung keinen Spaß macht, und ich glaube, wenn man das Studium wirklich als duales Studium absolvieren möchte, geht das auch kaum.

Wie geht es denn jetzt für dich weiter? Wirst du weiterhin für den DLRG tätig sein?

Ja. Ich bin Athletensprecher der DLRG, wir haben ja einen Bundeskader. Ich bin dann auf Klausurtagungen vom Rettungssport, von unserem Fachbereich, und da haben wir schon relativ viel Mitspracherecht. Wir sind als Athletensprecher auch Mitglied im Athletenverein Deutschland, halten da auch Reden und ähnliches – das ist schon cool. Da kann man sich ziemlich viel für die Sportler einsetzen.

Hast Du vor, weiterhin Wettkämpfe zu schwimmen?

Einzeln nein, nur als Mannschaft – zum Beispiel bei den Europameisterschaften.

Gab es einen speziellen Grund, warum Du Dich für die Hochschule OWL entschieden hast?

Ja, die Nähe zu den Unternehmen – und ich komme ja auch aus der Gegend. Außerdem, und da möchte ich an dieser Stelle nochmal einen Dank aussprechen: Ich durfte beim TV Lemgo mittrainieren. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich wirklich sehr dankbar.