Campus-Knigge

Gutes Benehmen auf akademischem Parkett

Nach einer durchzechten Nacht in der Lehrveranstaltung schlafen? Haare kämmen, schminken, rasieren oder Nägel schneiden während der Vorlesung? Wer es sich mit Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie Lehrenden während des Studiums nicht verscherzen will, sollte auf gewisse Dinge auf dem Campus und in der Lehrveranstaltung lieber verzichten. Wo liegt die Grenze zwischen studentischer Freiheit und gutem Ton?

Wenn bigdaddy@deathmetal.de schreibt „Hi Prof! Bin krank!“ oder sueßesusi92@sweet.de um einen „termin irgendwann nächste woche“ bittet, so kann der Angeschriebene zwar ein Auge zudrücken, die Mail stellt den Empfänger aber vor einige Herausforderungen, wie Professor Klaus Maas vom Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik zu berichten weiß: „Mein persönliches Highlight ist eine Rückmeldung zu einer Auswahl von Seminarthemen, die unterschrieben war mit Kalle. Die E-Mail-Adresse begann mit ‚badboy88‘. Da fällt selbst am familiären Standort Höxter die Zuordnung schwer.“  E-Mails vom Studierenden-Mail-Account oder einer E-Mail-Adresse, die erkennen lässt, von wem die Nachricht stammt, machen da einen besseren Eindruck.

Knigge: So geht die Anrede richtig

„Sehr geehrte Frau Professorin“ –laut Knigge sieht so die schriftliche Anrede aus. Und auch auf dem Gang reicht nicht ein „Ey, Herr Meier!“. An der Hochschule OWL achten einige Dozentinnen und Dozenten penibel darauf, dass Studierende vollständige Titel und die korrekte Anrede wählen, andere legen gar keinen Wert auf den Zusatz „Professor/in“. Für Professor Martin Köhler vom Fachbereich Bauingenieurwesen ist Fingerspitzengefühl bei der Anrede der richtige Weg: „Man muss sich überlegen, wann es angebracht ist, den Titel zu nennen und wann nicht. Das erfordert ein gewisses Maß an Sensibilität.“

In der Vorlesung ans Handy gehen?

Gute Etikette am Campus – das heißt auch Füße vom Tisch, nicht während der Vorlesung mit Mutti telefonieren und vor allem pünktlich kommen. Professor Christoph Barth vom Fachbereich Produktion und Wirtschaft hat dafür eigene Regeln: Verspätet sich ein Studierender um mehr als zehn Minuten ohne eine berechtigte Entschuldigung, muss er oder sie eine kleine Tafel Schokolade mitbringen, die dann in der Pause für alle ausgelegt wird. Für Professor Barth gilt diese Regel gleichermaßen: Wenn er sich verspätet, muss er ebenfalls eine Tafel mitbringen – dann aber gleich die große Version.

Döner im Hörsaal

Ständiges Quatschen, Handypiepsen oder das Surfen im Internet stört die Konzentration und nervt – nicht nur den Dozenten, sondern auch die Kommilitoninnen und Kommilitonen. Gleiches gilt für’s Essen im Hörsaal: Döner oder Mettbrötchen mit Zwiebeln – am besten noch direkt neben dem Vegetarier? Besser nicht. Was für die Lehrveranstaltung zutrifft, gilt übrigens auch für die Bibliothek: Essen, Telefonieren oder lautstarke Debatten über „den Ingenieur bei WoW, den Toni gerade für voll wenig Gold hochgeskillt hat“ haben hier nichts zu suchen. Wer darüber hinaus noch Bücher zwischen den Regalen versteckt, damit sie niemand anders findet, macht sich bei den Bibliotheksbeschäftigten und bei anderen Studierenden unbeliebt.

Im späteren Job ist es nicht anders

Letztendlich sind diese einfachen Regeln im Hochschulalltag vor allem eines: ein wichtiger Baustein zur Berufsvorbereitung. Professor Christoph Barth bringt es auf den Punkt: „Unser Job an der Hochschule ist es unter anderem, zu zeigen, wie man sich richtig benimmt – wir bereiten die Studierenden hier nicht nur fachlich, sondern auch menschlich auf die berufliche Zukunft vor.“ Gutes Benehmen an der Hochschule nützt also letztendlich beiden – den Lehrenden wie auch Studierenden und erleichtert das gemeinsame Campusleben.


Verhaltensregeln im Studium

Dos Don’ts

In der Lehrveranstaltung

  • Pünktlichkeit
  • Bis zum Ende der Lehrveranstaltung da bleiben und nicht vorzeitig rausstürmen
  • Konstruktive Beteiligung am Unterricht
  • Laptop und Smartphone, solange sie im Zusammenhang mit der Lehrveranstaltung genutzt werden (beispielsweise um das Script zu lesen oder Notizen zu machen)

In der Lehrveranstaltung

  • Essen
  • Heiße und alkoholische Getränke
  • Hut oder Mütze
  •  Telefonieren, E-Mails, SMS, Twitter und/oder Facebook
  • Haare kämmen, schminken, rasieren oder Nägel schneiden
  • Profilierungsfragen und Besserwisserei
  • Schlafen
  • Kaugummi kauen in einer mündlichen Prüfung

E-Mails

  • E-Mails vom Studierenden-Mail-Account oder einer Adresse mit klar erkennbarem Absender verschicken
  • „Hallo/Guten Tag/Sehr geehrte/r Herr/Frau Professor/Professorin …“
  • Sensibilität bei der Wahl der Anrede
  • Vollständige Sätze verwenden, auf Groß- und Kleinschreibung bzw. auf Rechtschreibung und Grammatik allgemein achten

E-Mails

  • „Ich bin total locker“-E-Mails („Hi Prof! Wann schreiben wir Klausur?“)
  • Fordernde E-Mails („Hallo, ich brauche schnell das Skript! MfG!“)
  • Schleim-E-Mails („ Sehr geehrter Herr Prof. Dr.-Ing. XY, verbindlichsten Dank für Ihre freundliche Antwort. […] Hochachtungsvoll, XY“)

Auf dem Campus

  • Anklopfen an der Bürotür

Auf dem Campus

  • ein Buch in der Bibliothek an eine völlig andere Stelle im Regal zu stellen, weil man es für sich selbst braucht


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